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Ex-Ferrowerker sind sich einig: Diese Arbeit würde heute niemand mehr machen

Neukieritzsch Ex-Ferrowerker sind sich einig: Diese Arbeit würde heute niemand mehr machen

Ihre Arbeit war schwer und gefährlich. Vielleicht waren sie gerade deshalb eine eingeschworene Gemeinschaft. Bis heute treffen sich ehemalige Kollegen des einstigen Ferrolegierungswerkes Lippendorf einmal jährlich in Neukieritzsch. Das Werk wurde Anfang der 1990er Jahre geschlossen, Stoff für Geschichten finden die einstigen Kollegen noch immer zu Hauf.

Ehemalige Ferrowerker treffen sich in Neukieritzsch und reden über alte Zeiten im nicht mehr existierenden Werk.

Quelle: André Neumann

Neukieritzsch. Uwe Scur spricht Klartext: „Die Arbeit, die wir damals gemacht haben würde heute keiner mehr machen“. Alle in der Runde nicken und erklären: Weil die Arbeit so hart war und weil man so viele Gifte eingeatmet hat. Die Männer die an diesem Tisch im Restaurant „Auszeit“ in der Parkarena sitzen, Schweißer und Schlosser, Handwerker anderer Richtungen, wissen, wovon sie sprechen. Sie haben im ehemaligen Ferrolegierungswerk Lippendorf an vorderster Front gearbeitet, an den Schmelzöfen, in denen Legierungen für die Stahlherstellung gewonnen wurden.

Das Werk wurde Anfang der 1990er Jahre geschlossen, Stoff für Geschichten finden die einstigen Kollegen noch immer zu Hauf, deswegen treffen sie sich einmal im Jahr, und das nun schon seit rund anderthalb Jahrzehnten. Den Anfang hatten die Schweißer gemacht, später kamen die Schlosser dazu, nach und nach Elektriker und die Mitarbeiter aus der Verwaltung. Mehr werden sie trotzdem nicht, denn immerhin liegt die Schließung des Werkes nun schon über 20 Jahre zurück. Und wer sein ganzes Arbeitsleben in Lippendorf verbracht hat, ist heute schon mindestens Mitte 70.

„Wir werden weniger“, stellt Uta Stegmann, seit drei Jahren Organisatorin des Treffens, fest und freut sich über jeden, der im Laufe des Nachmittags noch kommt. Die Rentner unter den Ehemaligen sind seit 15 Uhr da, die jüngeren, die noch im Berufsleben stehen, kommen erst am Abend. Knapp 50 wurden es in diesem Jahr noch.

Für Sigrid Liebeheim, 84 Jahre alt, die von 1949 bis 1990 in der Verwaltung arbeitete, ist der Betrieb sogar ein Stück Familiengeschichte. Denn ihr Vater Kurt Benndorf hatte das Werk als Polier einer Baufirma einst mit aufgebaut, ehe er selbst dort anfing. Mit viel Freude kommt auch Lilo Ackermann Jahr für Jahr zu den Treffen. Immer steuert sie dabei etwas zur Erinnerung bei. Diesmal hat sie ein selbst geschriebenes Gedicht mitgebracht.

Auch ein Bild des einstigen Werkes macht die Runde. Und weckt seinerseits Erinnerungen. Denn von dem Fabrikkomplex mit den fünf großen Schornsteinen steht so gut wie nichts mehr. Nur das kleine Häuschen der Zentralwerkstatt steht noch, weiß Schweißer Günter Dorn, der von Anfang an an den Ehemaligentreffen der Ferrowerker teilnimmt.

Während viele Ex-Ferrowerker in Neukieritzsch und Umgebung zu Hause sind, hat es einige damals, als in Lippendorf die Öfen aus gingen, der Arbeit hinterher in die Fremde getrieben. Sylvia Helm beispielsweise. Sie lernte von 1983 bis 1985 den Beruf des Elektromonteurs. Nach der Abwicklung ging sie nach Sonneberg in Thüringen, wo sie heute in einem Kunststoffunternehmen arbeitet. Uwe Scur ist Schweißer geblieben, fand damals Arbeit in Würzburg von wo er seit vielen Jahren zu den Treffen in Neukieritzsch anreist. Im nächsten Jahr muss er sich dafür nicht mal mehr frei nehmen, denn in knapp acht Wochen wird er Rentner.

Von André Neumann

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