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Ex-Kulturhausleiterin Soppart fordert Erhalt der Orchesterlandschaft

Leipziger Symphonieorchester Ex-Kulturhausleiterin Soppart fordert Erhalt der Orchesterlandschaft

Die Sympathien für das Leipziger Symphonieorchester (LSO) sind ungebrochen, und auch die Fürsprecher, die den Erhalt des Orchesters fordern, werden immer mehr und auch lauter. Eine von ihnen, die sich vehement dafür ausspricht, ist die frühere Kulturhausleiterin Elisabeth Soppart.

Elisabeth Soppart ist selbstverständlich im Besitz einer Dauerkarte für die Anrechtskonzerte des Leipziger Symphonieorchesters und verfolgt das Geschehen im und um das Kulturhaus im Detail.

Quelle: Günter Hunger

Böhlen. Die Sympathien für das Leipziger Symphonieorchester (LSO) sind ungebrochen, und auch die Fürsprecher, die den Erhalt des Orchesters fordern, werden immer mehr und auch lauter. Eine von ihnen, die sich vehement dafür ausspricht, ist die frühere Kulturhausleiterin Elisabeth Soppart.

88 Jahre alt ist die rüstige Rentnerin, die jede Entwicklung in der Böhlener Kulturstätte im Detail verfolgt. „Aber das, was jetzt mit dem Orchester passiert, geht so nicht“, stellt sie klar. Für sie ist es unverantwortlich, die zwei Alternativen – Zusammenschluss von LSO und Sächsischer Bläserphilharmonie oder Aufgabe eines der Klangkörper – überhaupt nur in Betracht zu ziehen. „So kann man nicht mit guten und qualifizierten Musikern umgehen.“ Ihr ist vor allem wichtig, dass die Menschen, allen voran die, die letztlich die Entscheidungen für oder gegen die Orchester treffen, den Wert der Ensemble erkennen. Denn gerade das LSO sei immer bemüht, seine Vielfalt weiter auszubauen.

20 Jahre lang hat Soppart das Kulturhaus, Sitz des LSO, geleitet. Sie stand von 1959 bis 1979 an der Spitze des damaligen Klubhauses und war damit die Leiterin mit der bisher längsten Amtsdauer. 1950 kam Soppart aus dem ostpreußischen Masuren nach Böhlen, drei Jahre später und damit ein Jahr nach Eröffnung des Hauses wurde sie zur stellvertretenden Leiterin ernannt.

Mehr als 40 Gruppen und Zirkeln bot das Haus Platz, das in den 60er Jahren den Namen Kulturpalast Otto Grotewohl erhielt. „Wir hatten gleich mehrere Orchester, zum Beispiel für Akkordeon, Bläser und später auch für Jugendliche“, erinnert sich Soppart. Namhafte Künstler und Musiker leiteten die Gruppen, bildeten Kinder aus. Dafür habe es lange Zeit eine enge Zusammenarbeit mit der Hochschule für Grafik und Buchkunst, Theater- und Musikhochschulen gegeben. Ganz besonders stolz ist Soppart auch darauf, dass einst Georg Christoph Biller den Kammerchor im Böhlener Kulturhaus leitete. Biller, der bis Ende vergangenen Jahres Thomaskantor in Leipzig war, studierte zu der Zeit noch, als er die Anfrage aus Böhlen bekam. „Wir brauchten dringend jemanden und wurden dann in seiner Studentenbude vorstellig“, erinnert sich die 88-Jährige.

„In meinem Kulturhaus bin ich aufgegangen“, sagt sie, die bis heute den Kontakt dorthin nicht aufgegeben hat. Seit Jahren ist sie im Kulturverein Mitglied, der demnächst seinen 25. Geburtstag feiert. Und sie hat die Gruppen in dem Gebäude kommen und gehen sehen. „Schade ist, dass sich nach der Wende viele Gruppen nicht haben halten können“, erklärt sie. Doch wie bei mittlerweile dem ganzen Kulturbetrieb spiele das Geld eine entscheidende Rolle. Während der Zeit ihrer Leitung habe es keinerlei Beiträge für die Mitglieder gegeben. „nur die, die sich ein Instrument ausgeliehen haben, weil sie sich ein eigenes noch nicht leisten konnten, mussten dafür zwei Mark pro Monat bezahlen“, erzählt Soppart.

Noch immer ist die 88-Jährige mehrmals im Monat im Kulturhaus, um sich Konzerte anzuhören oder Ausstellungen zu sehen. Für die von ihr mitgegründete Seniorentanzgruppe schreibt sie die Chronik, im Vorstand des Kulturvereins hilft sie nach wie vor. Um so wichtiger ist es ihr, für den Erhalt des LSO zu kämpfen. „Es gehört zum Kulturhaus, spielte schon immer eine große Rolle und muss diese auch weiter spielen“, macht sie deutlich. Denn gerade Musik sei dafür geeignet, Menschen miteinander zu verbinden. Über Kunst könne man mehr vermitteln als über Vorträge, ist sie sich sicher. „ Und ohne Orchester ist Böhlen nicht mehr das, was es heute ist.“

Von Julia Tonne

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