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Ex-Pfarrer Krieger schreibt einen neuen „Struwwelpeter“

Paulinchen in Lobstädt Ex-Pfarrer Krieger schreibt einen neuen „Struwwelpeter“

Er kann beides: Schreiben und Illustrieren. Der frühere Lobstädter Pfarrer Thomas Krieger arbeitet an einer Neufassung des „Struwwelpeter“. Dabei stehen die ehrenamtlichen kirchlichen Mitarbeiter im Mittelpunkt.

Der ehemalige Lobstädter Pfarrer Thomas Krieger arbeitet am neuen Struwwelpeter.

Quelle: Nikos Natsidis

Lobstädt. Es ist nicht die erste Neufassung des Struwwelpeter. Dennoch betritt Thomas Krieger Neuland. Der langjährige Lobstädter Pfarrer, vor einem halben Jahr offiziell in den Ruhestand verabschiedet, arbeitet an einer speziellen Version des Kinderbuches aus der Feder des Frankfurter Arztes Heinrich Hoffmann aus dem Jahr 1844, das ob seiner pädagogischen Drastik Generationen von Kindern Angst davor eingejagt hat, den Daumen auch nur mal kurz in den Mund zu schieben. Kriegers Akteure sind die ehrenamtlichen Mitarbeiter in den Kirchgemeinden, von denen es für einen Pfarrer gar nicht genug geben kann.

„Ehrenamtliche sind meist ältere Frauen“, sagt der 66-Jährige. Zu seinen aktiven Zeiten als Pfarrer wurden die Helfer zwischen Weihnachten und Neujahr nach Neukieritzsch eingeladen, ein Dankeschön für die, ohne die in einer Kirchgemeinde so gut wie nichts läuft. Wenn junge Leute bereit seien, sich ehrenamtlich zu engagieren, „haben die meist noch einen aufwendigen Job“ – und damit wenig Zeit. Wohin es führt, wenn es an ehrenamtlichen Helfern fehlt, lässt sich derzeit in Borna mit dem Ende des kirchlichen Ladencafés Offenkundig besichtigen. Im Kriegerschen Struwwelpeter geht es jedenfalls um das Gemeindeleben und das Leben in einer Gemeinde. Etwa dann, wenn wie im Original Paulinchen zündelt und am Ende umkommt. Mit dem Unterschied, dass sie nicht wie in der Erstausgabe des Buches, allein zu Hause bleibt, weil die Eltern ausgehen. Bei Thomas Krieger kommt „Paulinchen aus der Orts-JG“, der Jungen Gemeinde, und sie zündet die Kerzen in der Kirche an – mit Folgen wie im Original-Struwwelpeter. Autor Krieger deutet auch die bekannte Geschichte von den schwarzen Buben um, in der ein Mohr von drei Knaben wegen seiner Hautfarbe verspottet wird. Aus dem Schwarzen wird ein Araber, der von drei jungen Männern, ausgestattet mit Baseballschläger, Golfstock und Deutschlandflagge, bedroht wird. Während die drei bösen Knaben im Original in schwarze Tinte getaucht werden und fortan „schwärzer als das Mohrenkind“ sind, werden sie bei Krieger dank Farbsprays am Ende „viel brauner als der Muselmann, der für sein Ausseh’n gar nichts kann“. Krieger nimmt in seinen Texten die Sprachmelodie, den Sound des Originals auf. Fabulieren konnte der Mann mit Geburtsort Leipzig schon immer. In seinen jungen Jahren trat er mit eigenen kabarettistischen Texten im Leipziger Ernst-Beyer-Haus auf. Und er dichtet gewissermaßen am Stück. „Für eine Geschichte brauche ich eine Nacht und vielleicht noch den Tag dazu.“ Wohl auch, weil es ihm einfach Spaß macht.Und Krieger arbeitet an einem Gesamtkunstwerk. Schließlich stammen die Illustrationen im Buch auch von ihm. Dabei profitiert der einstige Pfarrer von seinem Leben in der Zeit, als er noch nicht auf der Kanzel stand. Krieger hat einen ordentlichen Beruf gelernt, bevor er Theologie studierte. Er war Lithograf – Offsetretuscheur, wie es zu DDR-Zeit hieß. Deshalb entstehen Bilder zum Kriegerschen Struwwelpeter, die wohl auch Heinrich Hoffmann im vorletzten Jahrhundert gefallen hätten.Noch in diesem Jahr soll der neue Struwwelpeter fertig sein. Dass das Buch in Druck gehen kann, dafür haben Mitarbeiter und Gemeindeglieder gesorgt – mit einer großzügigen Geldsammlung, die der Pfarrer bei seiner Verabschiedung nach 33 Jahren in Lobstädt bekam. Krieger: „Alle, die gespendet haben, bekommen ein Exemplar.“

Von Nikos Natsidis

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