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Exkursion mit Hindernis: Schulklasse hängt im Tagebau fest

Exkursion mit Hindernis: Schulklasse hängt im Tagebau fest

Vereinigtes Schleenhain. An diese Exkursion in den Tagebau Vereinigtes Schleenhain wird sich die 8c der Oberschule Bad Lausick noch eine Weile erinnern.

Es passiert schließlich nicht alle Tage, dass sich ein geländegängiger Besucher-LKW im Kohlenschlamm festfährt und von einer Planierraupe geborgen werden muss.

 

 

Im Rahmen der LVZ-Aktion "Schüler lesen Zeitung" hatte die Mibrag Schulklassen zu einem Besuch im Tagebau eingeladen. Am Dienstag kamen Schüler aus Frohburg, gestern war die 8c aus Bad Lausick an der Reihe. Eine Klasse übrigens, die fast komplett aus Mädchen und Jungen aus Kitzscher besteht. Denn die dortige Mittelschule durfte 2010 keine fünfte Klasse einschulen, die angemeldeten Schüler gingen nach Bad Lausick.

Die Experten scheinen schon vorher eine Ahnung über den Verlauf dieser Exkursion zu haben. Jörg Schröder, der den geländegängigen Dreiachser mit Allradantrieb fährt, sagt: "Wir werden sehen wie weit wir kommen." Lothar Stahl, ehrenamtlicher Besucherbetreuer der Mibrag, warnt die Schüler: "Ich kann nichts versprechen, es hat 24 Stunden geregnet." Trotzdem hat er vor, mit der Klasse bis in die Nähe eines Großgerätes zu fahren und dort auszusteigen. Kurz nach der Abfahrt witzelt er deshalb noch über die dünnen, hellen Schuhe, die einige Mädchen tragen.

An der ersten Station, einem Aussichtspunkt inmitten des Tagebaues, ist das auf asphaltiertem Untergrund noch kein Problem. An mehreren Schautafeln erklärt Stahl den Schülern unter anderem, dass jährlich zehn Millionen Tonnen Kohle für das Kraftwerk Lippendorf gefördert werden, erläutert er den Unterschied zwischen Schaufelrad- und Eimerkettenbagger und erzählt über die Entstehung der Kohle. Stellt er dazu Fragen, bekommt er nur selten eine Antwort. Das Interesse hält sich bei den frierenden Achtklässlern in Grenzen. Da kann auch Klassenleiterin Annett Geyer nichts machen, die möchte, dass ihre Schüler nach der Exkursion das Erlebte aufschreiben. Immerhin hören die meisten Lothar Stahl zumindest zu. Als der vom Absetzer erzählt, der den Abraum im ausgekohlten Gelände verkippt, wissen Vivian Buchheim und Anna-Maria Fubel schon ein bisschen Bescheid: Ihre Väter fahren im Tagebau Profen so ein Gerät.

Nach dem Aussichtspunkt fährt der LKW in unwegsames Gelände, zwischen einem Förderband und einem angeschnittenen Kohleflöz hinein ins Abbaufeld. Statt Wegen gibt es hier nur noch Fahrspuren. Schröder folgt einer, die zu einem Schaufelradbagger führt. Mit einem heftigen Ruck, begleitet von einem kollektiven Kreischen, kommt der Laster urplötzlich schräg nach vorn geneigt zum Stehen. Die Vorderräder stecken in einem vom Schlamm überdeckten Graben. Aussteigen kann hier niemand. Wenigstens haben die Schüler durch die Fenster einen guten Blick auf einen Schaufelradbagger, der sich unermüdlich ins nahe Kohleflöz hineinfrisst. Aber natürlich bleibt die unerwartete Situation Gesprächsthema Nummer eins. Schnitten und Getränke werden ausgepackt, jemand sagt, er müsse am Sonnabend unbedingt zu Hause sein. Hilfe naht nach einer halben Stunde in Form einer Planierraupe. Doch der erste Bergungsversuch misslingt, das Abschleppseil reißt. Die Insassen merken es an einem Ruck, begleitet von einem Knall. Wieder Kreischen. Ein Geländewagen bringt wenig später ein Stahlseil, damit gelingt dann die Bergung. Rumpelnd bahnt der Lastwagen sich danach seinen Weg durch den Matsch aus dem Abbaufeld hinaus, direkt neben dem Förderband mit der gerade abgebauten Kohle. Alle scheinen froh zu sein, als das Fahrzeug wieder Asphalt unter den Rädern hat. Jörg Schröder folgt dem Band noch bis zum Kohle-Misch- und Stapelplatz, wo Lothar Stahl der 8c erklärt, wie und warum die Kohle aus unterschiedlichen Flözen gemischt wird. Zurück am Ausgangspunkt, den Tagesanlagen des Tagebaus bei Pödelwitz, hat die Gruppe doch nur eine halbe Stunde Verspätung, die Schüler eilen zur Toilette oder gleich zu ihrem wartenden Bus. Lothar Stahl verabschiedet sich mit dem mehrdeutigen Satz: "Ich hoffe, es ist etwas stecken geblieben!" - "In den Köpfen", sagt er noch ins fröhliche Gelächter hinein.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 22.11.2013
Neumann, André

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