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Borna Fahrerflucht bei Borna: Ehemann des Opfers setzt Belohnung aus
Region Borna Fahrerflucht bei Borna: Ehemann des Opfers setzt Belohnung aus
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15:04 13.01.2016
Axel Bulthaupt schildert in der MDR-Sendung Kripo live am Sonntagabend den Unfall, durch den die 57-jährige Kesselshainerin beim Gassigehen am Abend des 30. Dezember schwer verletzt wurde.  Quelle: Screenshot: MDR Kripo live
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Kesselshain/Borna

 Seine schwer verletzte Frau solle schnell wieder ganz gesund werden und keine bleibenden Schäden davon tragen – das sei jetzt das einzige, was zählt. Manfred W. ist in großer Sorge, kann zumindest hoffen: „Meine Frau schwebt nicht mehr in direkter Lebensgefahr. Sie liegt zwar immer noch auf der Intensivstation, hat die Augen aber zeitweise schon geöffnet.“

Der 65-jährige Rentner kann seiner Frau nur aus der Entfernung die Daumen drücken. Mitte Dezember wurde ihm bei Schreibarbeiten plötzlich schlecht. Seine Frau reagierte sofort, alarmierte den Notdienst. Er konnte weder sprechen noch stehen. Hirnschlag lautete die Diagnose.

Die 57-Jährige ist vermutlich von Kesselshain nach Borna gelaufen (rote Linie). Quelle: Screenshot: MDR Kripo live

Der Bornaer erholte sich schnell, wurde über Weihnachten nach Hause entlassen. Das Fest beging er mit seiner Frau, den Kindern und Enkelkindern.

Am 29. Dezember startete seine Rehabilitation in Bad Lausick. „Einen Tag später telefonierte ich mit meiner Frau. Sie fragte, ob sie mich besuchen könne. Darauf entgegnete ich, sie solle lieber zu Hause bleiben, weil ich doch über Silvester eh heim käme. Sie willigte ein und sagte, sie werde jetzt noch mit dem Hund gehen.“ Nur eine Stunde später passierte das Unglück.

Beim Überqueren der B95 an der Ampelkreuzung wurde die Frau von dem Unfallfahrzeug erfasst. Quelle: Screenshot: MDR Kripo live

Der Ehemann erfährt bei der Reha zahlreiche Behandlungen. Daher verpasste er den abendlichen Anruf auf seinem Handy: „Ich hatte die Nummer von meiner Frau auf dem Display. Sofort rief ich zurück. Doch weder am Handy noch zu Hause hörte sie.“ Was er zu der Zeit nicht wusste: Es war nicht seine Frau, die ihn erreichen wollte, sondern die Polizei, die am Unfallort die eingespeicherten Nummern wählte. Der Rentner war zunächst noch nicht beunruhigt. Vielleicht, so seine Vermutung, habe seine Frau das Handy in der Tasche und höre das Klingeln deshalb nicht. Als er dann aber seine Tochter am anderen Ende der Leitung hatte: „Es ist etwas Schreckliches passiert“, sagte die Tochter, die Mutter hatte einen schweren Verkehrsunfall.

Die Familie besucht die Schwerverletzte täglich im Bornaer Krankenhaus und bedankt sich bei allen Verwandten und Bekannten, die selbstlos helfen. Immer wieder grübelt Manfred W., wieso seine Frau auf dem Fußgängerüberweg der B 95, die wenig später in die A 72 Richtung Chemnitz mündet, erfasst werden konnte: „Der Verkehr an dieser Kreuzung wird doch über Ampeln geregelt.“

Nie würde seine Frau bei Rot die Straßenseite wechseln, davon ist er überzeugt. Weil seine Frau die meisten Verletzungen auf der rechten Seite habe, geht der Ehemann davon aus, dass das Unfall-Fahrzeug auf der linken Seite beschädigt sein müsse.

Ihn verunsichert, dass er von der Polizei noch keinerlei Mitteilung zu den bisherigen Untersuchungen erhalten hat. „Wir bitten alle Leser, der Polizei zu helfen.“ Wer an jenem Abend des 30. Dezember etwas beobachtet hat, möge sich unverzüglich melden, so der Aufruf der Familie.

Für sachdienliche Hinweise, die zur Ergreifung des flüchtigen Täters führen, setzt die Kesselshainer Familie der schwer verletzten Frau eine Belohnung von insgesamt 5000 Euro aus.

Die Kripo-Live-Sendung vom 10. Januar können Sie sich hier in der MDR-Mediathek anschauen.

Polizei ermittelt wegen fahrlässiger Körperverletzung und Fahrerflucht

Nachdem am späten Nachmittag des 30. Dezember 2015 eine schwer verletzte Frau auf der Fahrbahn der A 72 bei Borna gefunden wurde, war der Fall am Sonntagabend Thema in der Sendung Kripo live im MDR. Laut Polizeiangaben fanden drei Passanten die 57-Jährige in Höhe der Ampelkreuzung an der Bundesstraße 95, die an dieser Stelle zur Autobahn wird. Hinweise auf das Unfallfahrzeug oder dessen Fahrer gab es zunächst nicht. „Das ist sehr ungewöhnlich. Wir haben weder Lackspuren noch Glassplitter, die beispielsweise daher rühren könnten, dass ein Frontscheinwerfer bricht, an der Kleidung oder am Unfallort gefunden“, erklärt Polizeikommissarin Katharina Geyer in der Sendung.

Etwa hundert Meter in Richtung Chemnitz vom Unfallort entfernt fanden die Beamten ein Nummernschild mit dem amtlichen Kennzeichen ERZ – KN 504 auf dem Grünstreifen der Mittelleitplanke. „Merkwürdig an der Sache ist: Am 7. Dezember letzten Jahres wurde es in Braunschweig als gestohlen gemeldet“, so Geyer. Das Kennzeichen weise keinerlei Beschädigungen auf, die auf einen Unfall hindeuten. Es könne im Zusammenhang mit dem Unfall stehen, müsse aber nicht, so die Beamtin. Nach Ausstrahlung der Sendung gingen bei der Polizei zwei konkrete Hinweise ein. Einer erwies sich nach sofortiger Überprüfung als gegenstandslos, so Polizeisprecherin Birgit Höhn.

„Mit einem zweiten Hinweis hat eine Zeugin sich gemeldet und mitgeteilt, dass sie das Kennzeichen erkannt habe. Bereits am 19. oder 20. Dezember sei ihr in der Nähe von Borna ein blauer Kombi mit mehreren Insassen aufgefallen“, so Höhn. Dem Hinweis werde nun weiter nachgegangen. Mitarbeiter in Auto-Werkstätten, denen ein Fahrzeug mit entsprechenden Schäden aufgefallen ist, können der Polizei bei der Aufklärung helfen. „Es müsste Beschädigungen im vorderen Bereich aufweisen – im Bereich des Kotflügels, der Motorhaube, eventuell auch der Frontscheibe“, so Geyer. Weiter sagt sie, dass der Fahrer vermutlich vage Angaben zur Ursache macht, eventuell einen Wildunfall vorschiebt. Außerdem werden Zeugen gesucht, die Angaben machen können, wo das Opfer unmittelbar vor dem Unfall unterwegs war.

Unklar ist weiterhin, woher der Unfallfahrer kam. Geyer nennt in der Sendung dazu drei mögliche Szenarien. Zum einen sei es denkbar, dass der Fahrer aus Richtung Leipzig kommend geradeaus über die Kreuzung in Richtung Chemnitz gefahren ist. Zum anderen könnte das Fahrzeug aus Borna gekommen sein und rechts auf die Kreuzung in Richtung Chemnitz eingebogen sein. Weniger wahrscheinlich sei, dass der Fahrer aus Chemnitz kommend eine Kehrtwende an der Ampelkreuzung gemacht und das Opfer dann auf der Fahrbahn Richtung Chemnitz erfasst hat.

Die Beamten des Verkehrsunfalldienstes ermitteln gegen den unbekannten Täter wegen fahrlässiger Körperverletzung und unerlaubten Entfernens vom Unfallort. Die Verkehrspolizei sucht dringend Zeugen zu diesem Unfall. Wer hat Beobachtungen gemacht, wer kann detaillierte Hinweise zum Fahrzeug (amtliches Kennzeichen, Typ, Farbe, Besonderheiten) sowie zu Fahrer und Insassen geben? Zeugen melden sich bitte bei der Verkehrspolizeiinspektion in der Schongaustraße 13 oder unter Telefon 0341/255 2847.

Von Haig Latchinian

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