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Borna Fahrlehrerberuf wird modernisiert: differenziertes Urteil im Landkreis Leipzig
Region Borna Fahrlehrerberuf wird modernisiert: differenziertes Urteil im Landkreis Leipzig
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05:00 26.10.2017
Bringt Menschen im Raum Borna das Autofahren bei: Fahrlehrer Steffen Engelke von der gleichnamigen Fahrschule. Quelle: Andreas Döring
Landkreis

Fast unbemerkt von der Öffentlichkeit hat der Bund das Fahrlehrergesetz grundlegend reformiert. Der Beruf, der seit Jahren unter akutem Nachwuchsmangel leidet, wird dadurch modernisiert, die Zugangsvoraussetzungen für die Ausbildung werden erleichtert und mehr Kooperationsmöglichkeiten geschaffen. Die Änderungen treten zum Jahreswechsel in Kraft. Branchenvertreter aus dem Landkreis Leipzig fällen vorab ein differenziertes Urteil über die Reform.

Fahrschule Auto-Mobile Borna

„Ich bin positiv überrascht“, sagt zum Beispiel Matthias Kuhfuß. Den Geschäftsführer der Fahrschule Auto-Mobile Borna (AMB) freut vor allem der Wegfall des Lkw-Führerscheins als Zugangsvoraussetzung für eine Fahrlehrerausbildung. Der habe schließlich früher viele abgeschreckt. „Nun zeigt sich, wie wichtig das Kerngeschäft ist, die Klasse B.“ Kuhfuß hofft, dass durch die neuen Regeln mehr Nachwuchs in die Branche kommt. Andernfalls werden aus seiner Sicht die Probleme anwachsen. Schon jetzt sei der Andrang groß, könne nur schwerlich abgebaut werden. In fünf Jahren, wenn viele Fahrlehrer in Rente gehen, sind die Wartezeiten noch wesentlich länger, prognostiziert er.

Die wichtigsten Änderungen

Zum 1. Januar 2018 tritt das neue Fahrlehrergesetz in Kraft. Es enthält unter anderem folgende Punkte:

Zugangsvoraussetzungen: Die Führerscheine der Klassen A2 und CE sind künftig nicht mehr allgemeine Bedingung für den Fahrlehrerberuf. Das Mindestalter für Fahrlehrer wird von 22 auf 21 Jahre herabgesetzt.

Ausbildung: Die Fahrlehrerausbildung dauert in Zukunft mindestens zwölf Monate. Theorie und Praxis werden deutlich enger verzahnt. Teilautonomes Fahren und E-Mobilität werden ein verbindlicher Teil der Ausbildung sein.

Kooperationen: Fahrschulen können sich künftig Ausbildungskontingente gegenseitig übertragen, sofern die Verantwortlichkeiten klar geregelt sind. Die Zahl möglicher Zweigstellen wird von drei auf zehn erhöht. Auch Fahrschulen mit unterschiedlichen Erlaubnissen dürfen sich zu einer Gemeinschaftsfahrschule zusammenschließen.

Formalitäten: Die Gesamtdauer des praktischen Fahrunterrichts wird weiterhin auf maximal 495 Minuten pro Tag (elf Stunden à 45 Minuten) beschränkt. Fahrlehrer müssen künftig alle fünf Jahre die Grundeignung für den Beruf nachweisen – mit ärztlichen Bescheinigungen und einem polizeilichen Führungszeugnis.

Fahrschule Sommerhalter in Bad Lausick

Mit einer hohen Kundennachfrage sieht sich auch Patrick Sommerhalter von der Fahrschule gleichen Namens in Bad Lausick konfrontiert. Seine Termine reichen bis in den Januar. „Ich schaffe das alleine nicht“, sagt er. Es gebe zu wenige Fahrschulen im Landkreis bei zu vielen Fahrschülern. Aus diesem Grund begrüßt der 49-Jährige, der Chef und Angestellter in einer Person ist, dass die Anzahl möglicher Zweigstellen von drei auf maximal zehn heraufgesetzt wird. „Das könnte für mich eine Entlastung bedeuten.“ Sommerhalter ist mit seinem Job zufrieden, weist aber darauf hin, dass dieser nicht mehr so beliebt ist wie noch zu DDR-Zeiten. Gerade die Arbeitszeiten – Fahrlehrer sind hauptsächlich am Nachmittag und Abend gefordert – erwiesen sich heutzutage als familienuntauglich.

Fahrschule Engelke in Borna

Dass eine Fahrschule künftig bis zu zehn Filialen eröffnen kann, ist „sicherlich interessant“, meint Steffen Engelke und fügt hinzu: „Ich muss allerdings aufpassen, dass mir dadurch andere nicht das Wasser abgraben.“ Der 39-Jährige ist Inhaber der gleichnamigen Bornaer Fahrschule. Der Gesundheitscheck stellt für ihn kein Problem dar: „Ich gehe eh alle fünf Jahre zum Arzt und weise meine Tauglichkeit nach.“ Diese Bescheinigung dann noch an eine andere Behörde weiterzuleiten, sei ein Leichtes.

Fahrschule Kogel in Grimma

Mit den neuen rechtlichen Grundlagen seiner Zunft noch nicht befasst hat sich Sigward Kogel von der gleichnamigen Fahrschule in Grimma, da er sowieso bald in Rente geht. „Das sollen die jungen Leute mal machen“, sagt der Einzelkämpfer lapidar.

Fahrschule Fahrzone in Naunhof

Für „eine gute Sache“ hält Maik Herrmann den Verzicht auf den Lkw-Schein, nicht zuletzt aus finanzieller Hinsicht, koste dieser doch mehrere Tausend Euro. Jeder Verkehrsteilnehmer wisse, meint der Inhaber der Fahrschule Fahrzone mit Filialen in Naunhof und Machern, dass Lkws groß, schwer und langsam sind. Und dass von ihnen eine gewisse Gefahr ausgeht. Um das pädagogisch jemanden beizubringen, brauche es keine einschlägige Fahrerlaubnis. Zwiespältig betrachtet der 35-Jährige hingegen die Erhöhung der Zweigstellenanzahl. Eine Expansion, sagt er, sei „generell nicht verkehrt“, verlange aber entsprechendes Personal, Leute mit ordentlichem Geschäftssinn und vernünftige Angestellte. Herrmann: „Mehr Zweigstellen sind mit hohem Aufwand verbunden. Um die eigene Qualität zu sichern, ist es manchmal besser, kleinere Brötchen zu backen.“

Fahrschule Schuster in Wurzen

Mike Kiebler, Inhaber der Fahrschule Schuster in Wurzen, hebt hervor, dass ohne den Lkw-Schein auch Personen ohne ausreichende fachliche Kompetenz in diesem Bereich die Ausbildung absolvieren könnten. „Inwieweit das gut oder schlecht ist, wird man sehen müssen“, so das Fazit des 50-Jährigen, der seinen Beruf seit 1988 ausübt. Ob die Gesetzesreform den Nachwuchsmangel beheben kann, wagt er nicht zu beurteilen. Zumindest eine kurzfristige Lösung sei aber ausgeschlossen, „da die Ausbildungszeit auf zwölf Monate angehoben wird“.

Von Matthias Klöppel

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