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Fall Groitzsch: Verteidiger legt Mandat nieder

Fall Groitzsch: Verteidiger legt Mandat nieder

Überraschung im Mordprozess gegen Guido N.: Am Montag teilte der Verteidiger des Angeklagten, der drei junge Männer in Groitzsch erschossen haben soll, Erhard Frank mit, dass er seine Verteidigung zurückzieht.

Groitzsch/Burghausen. Die Mandatskündigung erklärte Frank mit Diskrepanzen zwischen ihm und dem 41-jährigen Oberbayern. Offenbar, so vermuten Prozessbeteiligte, plädiert N. in seinem Schlusswort am Donnerstag auf Notwehr.

 Am vergangenen Freitag wurde die Beweisaufnahme im Verfahren mit den Gutachten von vier Sachverständigen abgeschlossen. Der Vorsitzende Richter Hans Jagenlauf kündigte daraufhin für Donnerstag die Plädoyers an. „Daraufhin habe ich am Freitag mit meinem Mandanten gesprochen und gefragt, was er in seinem Schlusswort nach den Plädoyers sagen möchte“, erklärte der Burghausener Rechtsanwalt, ohne auf Details des Gesprächs eingehen zu wollen.

Zumindest war das Gespräch Anlass für Frank, die Verteidigung niederzulegen. Gegenüber dieser Zeitung erklärte Frank: „Wenn ich die Verteidigung in einem solchen Verfahren übernehme, muss ich als Anwalt auch den Weg der Verteidigung bestimmen können. Das ist seit Freitag nicht mehr so. Der Angeklagte möchte einen für mich nicht gangbaren Weg gehen. Wenn er diesen Weg selbst bestimmen möchte, dann bin ich nicht der richtige Mann“, so Frank.

Es ist unterdessen davon auszugehen, dass Guido N. in seinem Schlusswort erklären wird, die drei Opfer Patrick B. (19), Denis H. (23) und Tino L. (27) aus Notwehr erschossen zu haben. Frank ließ nichts weiter durchblicken: „Sie dürfen gespannt darauf sein, was er in seinem Schlusswort am Donnerstag sagen wird.“

N.s Pflichtverteidiger Malte Heise muss den des zweifachen Mordes und Totschlags angeklagten Tatverdächtigen nun allein vertreten. Dass Frank seine Verteidigung wegen der Notwehrargumente seines Ex-Mandanten zurückzog, ist auch deswegen wahrscheinlich, weil die Aussagen der Ermittler des Landeskriminalamtes, der Sachverständigen der Rechtsmedizin und eines Ballistikers eindeutig gegen die Annahme sprechen, das N. aus Verteidigungsabsicht geschossen hat.

Festgestellte Verletzungen des ersten Opfers Tino L., auf das N. im April 2009 geschossen haben soll, deuteten darauf hin, dass der 27-Jährige noch auf dem Fahrrad gesessen hat, als ihn der erste Schuss traf. „Zwei weitere Schüsse trafen ihn, als er im Fallen war oder schon auf dem Boden lag“, gab Facharzt Carsten Hädrich vom Leipziger Institut für Rechtsmedizin zu Protokoll.

Anzeichen für einen Kampf zwischen den Opfern und dem Angeklagten seien auch bei Patrick B. und Denis H. nicht festgestellt worden, die im August 2010 in Groitzsch zu Tode kamen. Auf beide Opfer ist aus nächster Nähe geschossen worden. Rechtsmediziner Vladimir Wenzel: „Zwei Schüsse auf Patrick B. aus einer Entfernung von etwa einem Meter waren todesursächlich. 

Thomas Lieb

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