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Falsche Jahreszahl auf Deutzener Gedenkstein

Falsche Jahreszahl auf Deutzener Gedenkstein

Peinlich. Schön länger bemüht sich Deutzen um Gedenksteine, die an die abgebaggerten Dörfer in der Umgebung erinnern. Jetzt steht einer am Markt und: Ist mit der falschen Jahreszahl beschriftet.

Deutzen. 1238 wurde Altdeutzen urkundlich ersterwähnt - 1283 steht auf dem Stein. Zuerst hatte Dieter Wehefritz den Fauxpas bemerkt. „Die Jahreszahl 1283 auf den Gedenkstein müsste schon rein rechnerisch falsch sein, da Deutzen 1238 ersterwähnt wurde und im Jahre 2008 ja auch die 770-Jahr-Feier des Ortes gefeiert", hatte Wehefritz messerscharf analysiert. Da ist was dran: Auf der Internetseite der Gemeinde wird Historisches überliefert. Da gab es jenen Herwicus de Dycin (Herbert von Deutzen), der beim Gütertausch zwischen König Wenzel von Böhmen und dem Kloster Plaz als Zeuge anwesend gewesen sein soll. Aber eben im Jahre 1238, wie in der urkundlichen Erst-erwähnung testamentiert ist und nicht 45 später. Auch im Historischen Ortsverzeichnis von Sachsen, Band 1 von Karlheinz Blaschke und Susanne Baudisch wird der Adlige ins vierte Jahrzehnt des 13. Jahrhunderts terminiert. Wehefritz hatte die Gemeindeverwaltung gleich auf den geschichtsverfälschenden Zahlendreher aufmerksam gemacht. Bürgermeisterin Marika Nowak ist die Geschichte hörbar peinlich: „Das war mein Fehler. Und der ärgert mich wirklich. Wir waren uns bei der zweiten Zahl nicht sicher. Die Devastierung des Ortes begann ja 1961. 1963 wurde der Ort aber erst abgebaggert. Da haben wir nochmal in allen Archiven gekramt und dabei die erste Jahreszahl vollkommen aus dem Blick verloren", erklärt Nowak den (fast schon niedlichen) Irrtum. Der Steinmetzmeister Thomas Hentsch aus Borna hatte den Fehler auftrasgsgemäß in Stein gehauen. Und befindet sich gerade in Urlaub. „Wenn Herr Hentsch wieder zurück ist, werde ich umgehend Kontakt mit ihm aufnehmen. So werden wir das jedenfalls nicht lassen." Die Gemeinde lässt sich aber nicht daran hindern, auch das Umfeld des (noch) irrtümlichen Findlings würdig zu gestalten: Derzeit wird ein kleiner Weg zum Stein angelegt und der Standort gepflastert. Wehefritz nimmt‘s gelassen: „Jetzt kann Deutzen nochmal feiern. Zweimal sogar: 2033 wäre 750-Jahr-Feier und den 770. Geburtstag begehen wir eben erst im Jahre 2053." Stimmt: Und eins sichert der bürgermeisterliche Zahlendreher auch ganz gewiss: Wenn in 100 oder 500 Jahren die Stadtführer von Borna am (dann eingemeindeten) alten Marktplatz Deutzen Station machen, haben sie in jedem Falle eine Anekdote zu erzählen, die aus Überlieferungen im Jahre 2010 stammt...

Thomas Lieb

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