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Familienbetrieb seit 125 Jahren: Bornaer Pferdefleischer feiert Jubiläum

Jubiläum Familienbetrieb seit 125 Jahren: Bornaer Pferdefleischer feiert Jubiläum

Die Bornaer Rossschlächterei Thormann besteht seit 125 Jahren und gehört damit zu den ältesten Handwerksbetrieben in Sachsen. Fleischermeister Bernd Thormann wird die Geschäfte bald an seinen Sohn Ronny und damit an die fünfte Generation weitergeben. Das Familienunternehmen produziert täglich Würste, Steaks, Rouladen, und anderes vom Pferd.

Knacker gehören zu den Rennern in der Metzgerei Thormann. Sie sind wie alles in dem traditionsreichen Bornaer Betrieb aus Pferdefleisch hergestellt.

Quelle: Jens Paul Taubert

Borna . Sie dürfte mit zu den ältesten Handwerksbetrieben in Sachsen zählen, wenn nicht sogar deutschlandweit: Die Bornaer Rossschlächterei Thormann am Martin-Luther-Platz blickt in diesen Dezembertagen auf ihr 125-jähriges Bestehen zurück. Doch Fleischermeister Bernd Thormann (68) macht nicht viel Aufhebens darum, das ist nicht seine Art. In einer ruhigen Minute will er nur mit der Familie und seinen Mitarbeitern auf das große Jubiläum anstoßen.

Gegründet wurde der Familienbetrieb 1891 von seinem Urgroßvater Albert Thormann, der ihn an seinen Sohn Max und der wiederum an seinen Sohn Hans vererbte. „Bald gibt es den nächsten Generationswechsel, wir sind gerade im Umbruch“, freut sich Bernd Thormann über die geklärte Nachfolge. Sohn Ronny (39) übernimmt im neuen Jahr in fünfter Generation die Geschäfte zusammen mit seiner Frau Susann. Und auch Enkel Louis (8) zeigt schon erste Ambitionen...

Bernd Thormann hat dann selbst 30 Jahre in der Rossschlächterei hinter sich. 1987 übernahm der Fleischermeister und Ingenieur der Fleischwirtschaft das traditionsreiche Bornaer Unternehmen. Erfahrungen brachte er reichlich mit: Als Betriebsleiter baute er den Kaninchenhof in Grimma und die Geflügelwurstproduktion in Schildau auf. Seine Frau Angelika arbeitete als Maschinistin im Kraftwerk Lippendorf. „Doch der liebe Gott hat uns irgendwie den Weg gewiesen“, stellt Bernd Thormann rückblickend fest. „Die Geflügelwirtschaft gibt es heute nicht mehr und im Kraftwerk ist auch alles umgekrempelt worden. Wer weiß, ob wir nach der Wende Arbeit gehabt hätten.“

Doch der Anfang als privater Unternehmer war schwer. „Der Betrieb war praktisch Schrott“, erzählt der 68-Jährige, „wir mussten bei Null anfangen. Es gab keine Maschinen, kein Baumaterial und es stand in den Sternen, wie es überhaupt weitergehen sollte.“ Sein Vater Hans wurde 1972 enteignet und seitdem stand die Rossschlächterei still. „Viele ältere Bornsche werden sich noch erinnern. Das Haus verfiel vom bloßen Hinsehen.“

Doch Bernd Thormann krempelte die Arme hoch und entwickelte den Familienbetrieb zusammen mit seiner Frau Angelika (66) und vier weiteren Angestellten zu einer echten Marke. Zwölf- bis 14-Stunden-Arbeitstage sind für die Geschäftsführer die Regel. Meist klingelt früh halb fünf der Wecker und erst nach Ladenschluss um 18 Uhr ist der letzte Handschlag getan.

Das Geschäft im Zentrum Bornas ist längst über die Stadtgrenzen hinaus bekannt. Wer in den großräumigen Laden mit der Imbissecke kommt, in der es ein täglich wechselndes Mittagsangebot gibt, findet alles, was es auch andernorts gibt. Einziger Unterschied: Würste, Steaks, Rouladen, Lende, Roster, Gehacktes und Schinken sind vom Pferd. Bernd Thormann ist neben seiner Pegauer Kollegin Jahr der einzige Rossschlächter weit und breit und trifft mit seinem Angebot offenkundig den Nerv vieler Kunden, denen es um gesunde Ernährung geht.

Denn Pferdefleisch ist besonders mager und zugleich eisenreich: 100 Gramm enthalten etwa 3,5 Milligramm Eisen. Beim Rind sind das nur 1,9 Milligramm. Der Fleischermeister erinnert sich noch, dass Pferdefleisch früher oft an Kranke verteilt wurde, die guten Inhaltsstoffe sollten ihren Genesungsprozess unterstützen. Selber schwört er auch darauf. „Rahmgulasch oder Steaks sind ein Genus. Da lassen sie alles andere stehen.“

Sein Fleisch bezieht Thormann über einen Zwischenhändler aus Kanada und den USA, geliefert wird wöchentlich. „Die Tiere leben dort in riesigen Herden zusammen, sie sind immer in Bewegung und an der frischen Luft. Das Fleisch hat beste Qualität, ich kaufe seit 25 Jahren dort und bin sehr zufrieden.“ Mit seinen verarbeiteten Produkten beliefern die Bornaer zahlreiche Geschäfte und Verkaufswagen von Halle bis Bad Düben, Bautzen und Leipzig bis Dresden.

Von Kathrin Haase

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