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Familienverband unterstützt Alleinerziehende – aus Dörfern keine Anfragen

Beratung zu Trennung, Sorgerecht und Unterhalt Familienverband unterstützt Alleinerziehende – aus Dörfern keine Anfragen

Der Landesverband Selbsthilfegruppen Alleinerziehender (SHIA) unterstützt in erster Linie Alleinerziehende/Ein-Eltern-Familien und ihre Kinder. Er bietet in Leipzig eine unabhängige und kostenfreie Erstberatung zu Themen wie Trennung, Sorgerecht und Unterhalt an – auch für Betroffene aus dem Landkreis.

Thomas Brönner (l.) und Co. kümmern sich mit dem Familienverband SHIA um die Belange und Schwierigkeiten von Alleinerziehenden.

Quelle: André Kempner

Landkreis Leipzig. Es geht um Sorgerecht und Unterhalt. Auch um Finanzfragen. Wer zum Sächsischen Landesfamilienverband der Selbsthilfegruppen Alleinerziehender (SHIA) kommt, hat Schwierigkeiten, macht Mitarbeiter Thomas Brönner klar. Der Familienverband, einer von insgesamt fünf in Sachsen, die projektweise vom Freistaat gefördert werden, bietet von seiner Leipziger Geschäftsstelle aus Beratungen und Unterstützung für Mütter und Väter, die ihre Kinder ohne (Ehe-)Partner großziehen. Die Leute, die sich an SHIA wenden, kommen aus der Großstadt Leipzig ebenso wie aus dem Landkreis Leipzig und ganz Sachsen. „Am Tag habe wir vielleicht zehn Anrufe“, sagt Brönner.

Es handelt sich um Probleme, von denen der (noch) Durchschnittsbürger wohl vielfach keine Ahnung hat. Etwa mit der Steuerklasse. Bei Alleinerziehenden, die in den meisten Fällen Frauen sind, die Steuerklasse II. Brönner: „Alleinerziehende werden besteuert, als wären sie Singles.“ Oder die Kürzung von Arbeitslosengeld II, wenn ein Scheidungskind wie vereinbart tage- oder wochenendweise bei seinem Vater ist. Brönner verweist auf Bescheide vom Amt, in denen der Mutter das Geld für die Zeit, die ihr Kind nicht bei ihr ist, abgezogen wird. Die ehrenamtlichen SHIA-Mitarbeiter, in derartigen Fällen Familienanwälte, helfen nach Vermittlung des Familienverbands weiter. SHIA hat in Sachsen etwa 80 Mitglieder und greift auf Helfer zurück, die über die Freiwilligen-Zentrale vermittelt werden.

Alltägliche Schwierigkeiten von Alleinerziehenden wie etwa die Nutzung des sogenannten Bildungspakets machen allerdings nur einen Teil der Arbeit des Verbandes aus, der vor 25 Jahren gegründet wurde. In vielen Fällen geht es um Trennung und Scheidung. 95 Prozent der Menschen, die sich an SHIA wenden, sind Frauen mit konkreten Fragen zum Umgangsrecht sowie zum Unterhalt. Zwar bietet der Verband auch Paartherapie an, „aber das funktioniert meistens nicht“, sagt Brönner. Der Grund: „Es geht fast nie um die Kinder, sondern ums Geld.“ Kindesväter haben Angst, dass sie zu viel zahlen würden, „aber die haben ja einen Selbstbehalt“.

Das Gros derer, die in die Geschäftsstelle am Leipziger Roßplatz kommen, sucht Informationen. „Sie wollen wissen, wie was zu einer Trennung alles dazu gehört.“ Und ob sie sich das überhaupt leisten können. Brönner erklärt ihnen dann etwa die Möglichkeiten einer Kinderbetreuung nach dem Aus für die Beziehung. „Ideal ist das Netzmodell.“ Dabei bleibt das Kind in der Wohnung, und die Elternteile ziehen abwechselnd zu ihm. Ein Modell, das allerdings einer ausreichenden finanziellen Untersetzung bedarf. Andererseits, so Brönner, sei es für Mädchen und Jungen nicht gut, wenn sie mal hier, mal dort sind. „Da fühlt sich ein Kind dann nirgends richtig zu Hause.“

Dass Trennungen und Scheidungen immer mit Leid verbunden sind, liegt auf der Hand. Dennoch hat der SHIA-Mitarbeiter Unterschiede beobachtet. Je kleiner der Wohnort der/des Alleinerziehenden, desto besser wird die Ein-Eltern-Familie aufgefangen. „Aus den Dörfern haben wir keine Anfragen“, sagt Brönner und hat Orte wie Zedtlitz (Stadt Borna) im Blick. Auch in einer Stadt wie Naunhof funktioniere das soziale Netz. „Da gibt es einen größeren Zusammenhalt.“ Schon in Städten von einer Größenordnung wie Grimma sehe das anders aus. Dass sich so gut wie niemand aus den Dörfern und Kleinstädten mit seinen Problemen an den Familienverband wendet, hat aber womöglich auch eine andere Ursache. „Wir kennen Alleinerziehende, die vom flachen Land in die Großstadt ziehen.“ Dort ist die Infrastruktur besser, um allein mit dem Alltag zurechtzukommen.

Von Nikos Natsidis

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