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Borna Fans aus Borna und Österreich fiebern als Osttirol Bulls bei RB-Spielen mit
Region Borna Fans aus Borna und Österreich fiebern als Osttirol Bulls bei RB-Spielen mit
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00:21 15.01.2018
Rollt bei RB-Spielen dieses Transparent aus: Der RB-Fanclub Osttirol Bulls. Quelle: privat
Landkreis Leipzig

Von der Mentalität her ähnelten sich Sachsen und Osttiroler wie ein Ei dem anderen. „Do is fascht nix um“, bringt es Florian Streit auf den Punkt. Die gemütliche Frohnatur aus den Lienzer Dolomiten ist Obmann der Osttirol Bulls, des 1. Internationalen Offiziellen RB-Fanclubs. Der 28-jährige Ösi wünscht seinen Ossis am Sonnabend gegen den FC Schalke 04 einen guten Rückrundenstart, nach Möglichkeit sogar einen Sieg.

Vor allem aber soll es friedlich bleiben – vor, während und nach der Partie. Die Wünsche des jungen Fußball-Anhängers kommen nicht von ungefähr. An das Hinspiel in Gelsenkirchen hat er alles andere als gute Erinnerungen. Ein Mob halbvermummter sogenannter Schalke-Fans hatte ihn regelrecht krankenhausreif geschlagen. Nicht genug damit, dass die Gewalttäter das Banner des Fanclubs erbeuteten – der Obmann lag mit Nasenbruch und Gehirnerschütterung bewusstlos am Boden. Eigentlich will Florian Streit nicht mehr an diesen schwärzesten Tag seines Lebens zurückdenken, doch eines will er dazu unbedingt noch sagen: Geholfen hätten ihm in dieser schweren Stunde nicht nur Osttirol Bulls und RB-Fanbetreuer, auch die echten Schalke-Fans, die ihn in die stabile Seitenlage brachten und den Rettungsdienst alarmierten.

Wenn Sonnabendabend das mit Spannung erwartete Bundesligaspiel des Tabellenfünften gegen den Zweiten angepfiffen wird, stehen die 50 Osttirol Bulls am „Gatter“ von Block C wie ein zwölfter Mann hinter ihren Lieblingen – mit Fahnen, Schals und guter Laune. Nicht umsonst überreichte RB-Star Stefan Ilsanker, selbst Salzburger, den „Osttirolern“ das Trikot mit der symbolischen Rückennummer 12. Das war an jenem 24. Juli 2017, während des Trainingslagers in Seefeld, als die Osttirol Bulls im Mannschaftshotel zum 1. Internationalen Offiziellen RB-Fanclub gekürt wurden. Trainer Ralph Hasenhüttl höchstpersönlich hielt die Ernennungsurkunde in den Händen. Der Steirer triumphierte mit Landsmann und RB-Stürmer Marcel Sabitzer um die Wette. Klar, spätestens nun war es aktenkundig: Der von einem österreichischen Brausehersteller gesponserte deutsche Fußballverein ist endgültig auch im Stammland angekommen.

Zur – wenn auch zufälligen – Verbrüderung zwischen Sachsen und Osttirol kam es Mitte September 2016 ausgerechnet im hohen Norden, im Hamburger Volksparkstadion: Beim 4:0-Auswärtssieg der Leipziger umarmte der überglückliche Fan Raik Kaiser aus dem Bornaer Ortsteil Zedtlitz gleich mehrfach den in Reichweite stehenden und für ihn bis dahin völlig unbekannten Florian Streit. Ins Stadion kam der Österreicher eher wie die Jungfrau zum Kinde: Mit seiner Freiwilligen Feuerwehr Lienz befand er sich in der Hansestadt zum gemeinsamen Ausflug. Während alle anderen eine Hafenrundfahrt unternahmen, zog es Florian zu den Rasenballern, die er bisher nur aus dem Fernsehen kannte. Als das Spiel vorbei war, tauschten der Bornaer Ossi und der Lienzer Ösi die Handynummern aus – die eigentliche Geburtsstunde der Osttirol Bulls.

Der Kontakt wurde immer enger. Bald schon scharten sich in Österreich mit Marco Schlacher und Matthias Müller zwei weitere Fans um Florian. Per Handy tauschten sie sich fortan munter aus – mit Dirk Hoske, Raik Kaiser, Rico Kaiser, André Schmidt und all den anderen RB-Fans aus der Bornaer Ecke. Prompt verabredeten sie sich zum Auswärtsspiel in Ingolstadt: „Wir hatten es beide etwa ähnlich weit“, erinnert sich Raik Kaiser, der Obmann-Stellvertreter. Der Familienvater und Makler mit eigenem Büro in Geithain beherbergte wenig später seinen Kumpel Florian aus Osttirol. Der wollte sich unbedingt ein Heimspiel der Leipziger anschauen und scheute die insgesamt 1400 Auto-Kilometer nicht. Es hat sich gelohnt. Und wie! Die Stimmung beim 2:0 gegen Hertha war toll. Der Österreicher schaltete den Lautsprecher ein, hielt das Handy hoch und ließ seine zu Hause gebliebenen Freunde einfach nur mit genießen: „Burschen, horchts enk dos anfoch amol on!“ Er sei früher Fan vom FC Tirol gewesen, der ja auch mal von Jogi Löw trainiert wurde, sagt Florian Streit in seinem unnachahmlichen Dialekt. Die österreichische Bundesliga aber könne man in keinster Weise mit der deutschen vergleichen: Man habe insgesamt nur zehn Teams, die – weil sie nur so wenige sind – pro Saison gleich viermal gegeneinander spielen müssten. Umso begeisterter halte er nun RB Leipzig die Daumen. Am Rande des Auswärtsspiels in Augsburg war der junge Mann natürlich auch dabei, als im Münchner Hofbräuhaus die Absicht in die rustikale Tischplatte gekritzelt wurde, einen länderübergreifenden Fanclub ins Leben zu rufen. Im April 2017 schließlich war es so weit. In der Zedtlitzer Garage von Raik Kaiser ging die Gründung über die Bühne. Offiziell eingetragen aber wurde der Verein standesgemäß in Osttirol, in Lienz – mit Obmann, Kassier, Schriftführer, Schiedsgericht und allem drum und dran: Die österreichischen Behörden hätten ganz schön Augen gemacht. Nun wussten sie: „Net nua große Klappe, sondan dos ah wos dahinta is!“

Frank Fabian, Anett Sporbert, Ilona Kaiser, Dietmar Kaiser, Jochen Riedel, Heidrun Florczyk, Familie Hundt ... der Fanclub besteht mittlerweile aus 40 Ossis und zehn Ösis. „Die Masse ist gar nicht so sehr unser Ziel, vielmehr die Klasse“, sagt Vorstandsmitglied Raik Kaiser, dessen in RB-Farben dekoriertes heimisches Treppenhaus beinahe einem Spielertunnel gleicht. Man sei eine große Familie, in der jeder jeden kennt und jeder jedem hilft. In diesem Sinne verbinde die Fans vielmehr als nur die Handyhülle im Einheitsdesign. Sie zeigt das Logo des Fanclubs mit Ball und Bullen, Lienzer Dolomiten und Zedtlitzer Zwölfbogenbrücke.

Das Leben schreibt die besten Geschichten: Der junge Obmann Florian Streit fand nach dem umjubelten 1:0-Heimsieg gegen Bayer 04 Leverkusen sogar seine Liebe. Auf der Festwiese. Romeo trifft seine Julia, die tatsächlich auch noch so heißt. Im August zog der Österreicher für seine „Flamme“ nach Sachsen. Seit 1. September arbeitet der gelernte Hochbauingenieur im Bauamt der Stadt Borna. Im Juni 2018 erwartet das junge Paar sogar Nachwuchs: „Bessa kannts nit sein“, sagt der Ösi, der jetzt bekennender Ossi ist.

Von Haig Latchinian

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