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Borna Faust-Projekt in Borna: Mephisto steckt in uns allen
Region Borna Faust-Projekt in Borna: Mephisto steckt in uns allen
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00:19 10.06.2017
Mephista (Theresa Böhme) heißt der Satan in der Neufassung von Goethes Faust. Die Teufelin kommt in roter Jacke und Schuhen daher. Quelle: Julia Tonne
Borna

Der Teufel hat im Gymnasium Borna Einzug gehalten. Allerdings in weiblicher Variante. Mephista heißt der Satan, der einen Pakt mit Faust eingeht. Das ist allerdings bei weitem nicht die einzige ungewöhnliche Änderung, die Schüler der zehnten Klasse in Goethes Klassiker eingearbeitet haben. Vielmehr kommt das Stück mit Werbespots, Karaoke und Videoclips daher. Uraufgeführt wird es am morgigen Freitag um 19 Uhr in der Mensa.

Es ist eine Mischung aus Textpassagen in heutigem Sprachstil und Originalreimen aus dem Jahr 1808, es ist auch eine Mischung aus Sprache und Gesang – kurz: „es ist ein Projekt“, sagt Andreas Schitke, Lehrer am Gymnasium. Denn in eine Schublade lässt sich die Aufführung nicht stecken. Weder kann sich das Stück Musical noch Oper nennen, aber auch nicht reines Theater und Schauspiel. Vielmehr ist von allem etwas dabei.

Für Luicenne Stariradewa-Erkert, ebenfalls Lehrerin und zudem zuständig für Theater und das Faust-Gesamtkonzept, ist die Neufassung des Werks gar ein Überraschungsei. „Die Aufgabe hieß: den Stoff in ungewöhnlicher Form und vollkommen neu zu interpretieren“, erklärt sie. Wie, blieb den 23 Schülern des künstlerischen Profils selbst überlassen. Deren Kreativität waren keine Grenzen gesetzt. Entsprechend anders kommt Faust für den Zuschauer daher – auch wenn der originale Inhalt erhalten bleibt und sich als roter Faden durch die Handlung zieht.

Hier und da aber wurde Faust in die heutige Zeit übertragen. So dient ein selbstgedrehter Werbespot dazu, Verträge genau zu hinterfragen, Karaoke-Gesang verdeutlicht die Konkurrenz zwischen Gut und Böse. Ein Jahr lang haben die Jugendlichen Goethes Faust behandelt – so, wie es der Lehrplan vorsieht. Und nebenbei völlig anders interpretiert, umgetextet, Rocksongs überarbeitet, Lichteffekte eingebaut. Am Mittwoch wurden sämtliche Elemente erstmals zum großen Ganzen zusammengesetzt, „eine Art Puzzle“, wie Stariradewa-Erkert sagt. Bis dahin arbeiteten die Schüler in Gruppen an den einzelnen Teilen und Passagen. Schitke bringt das Projekt so auf den Punkt: „Das hat es bei uns am Gymnasium noch nie gegeben.“ Entsprechend spannend sei, wie das Ergebnis aussehe.

Sowohl den beiden Lehrern als auch den Schauspielern geht es darum zu erreichen, dass sich auch schon jüngere Schüler an den Stoff des Faust herantrauen. „Wenn er auch nicht immer einfach zu verstehen ist, so hat er doch eine zeitlose Aussage, die durchaus in die heutige Zeit übertragbar ist“, macht Schitke deutlich. Niemand sei fehlerfrei, jeder lebe so manchen Fehler auch bewusst aus. „Mephisto steckt in uns allen“, fasst es Stariradewa-Erkert zusammen.

Im Falle des Faust-Projekts steckt Theresa Böhme im Kostüm der Mephista. Die Neuinterpretation des Werks hat ihr und ihren Mitstreitern mitunter geholfen, einiges besser zu verstehen. „Die Aushandlung des Paktes zwischen Faust und Teufel nachzuvollziehen, ist zuweilen eine Herausforderung. Das Ganze aber in unsere Sprache zu übertragen, verdeutlicht, worum es geht“, erklärt die 15-Jährige. Sie selbst hat am Gesang und an den Choreographien mitgearbeitet, „das allein nimmt unglaublich viel Zeit in Anspruch“. Deutlich weniger Aufwand hingegen werde für Bühne und Requisiten aufgebracht. So spartanisch komme der Tragödie erster Teil besser zu Geltung.

Zu sehen ist Faust am morgigen Freitag ab 19 Uhr in der Mensa des Gymnasiums. Der Eintritt ist frei, allerdings bitten Schüler und Lehrer um Spenden, um die nächsten Projekte finanzieren zu können. Eine weitere Aufführung ist für August oder September geplant. Das genaue Datum wird vorab noch bekannt gegeben.

Von Julia Tonne

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