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Feldpost zwischen Euphorie und tausendfachem Tod

Feldpost zwischen Euphorie und tausendfachem Tod

Es sind ganz spezielle Dokumente, die im Amtsgericht gezeigt werden sollen. Dort wird am 22. September eine Ausstellung mit Feldpostbriefen aus dem Ersten Weltkrieg eröffnet.

BORNA. Sie zeigen die Entwicklung des Krieges mit der Begeisterung und Euphorie sowie den Depressionen angesichts von tausendfachem Tod. Die Ausstellung im Gedenkjahr an den Ausbruch des Ersten Weltkrieges ist eine Gemeinschaftsarbeit des Geschichtsvereins Borna und des Heimatvereins des Bornaer Landes.

Beleuchtet wird nach Angaben von Geschichtsvereinschef Gert Schreiber die Geschichte dreier Familien aus Altmörbitz. Dabei geht es um das Schicksal von Hugo Saupe, der im Jahr 1916 fiel, und der Gebrüder Teichmann, die bereits kurz nach Kriegsbeginn ums Leben kamen. Die Briefe, die allesamt in 20 großen Rahmen im Amtsgericht zu sehen sein sollen, stammen zudem von Richard Welker, der den Krieg überlebte.

Anhand der Briefe wird auch die Entwicklung im Hinterland deutlich, wenn etwa Richard Welker, der bei der Landwehr und damit in Deutschland diente, von seinem Dienst als Bewacher in einem Kriegsgefangenenlager bei Zwickau erzählt. "Es gibt auch Fotos, auf denen die Bewacher und die Gefangenen zu sehen sind", sagt Schreiber - etwa Soldaten der zaristischen Armee mit unverkennbar kaukasischen Gesichtszügen.

Heimatvereinschef Steffen Dorer hat zudem Briefe gefunden, die aus Böhlen und dem damals noch existierenden Örtchen Stöhna stammen. Sie wurden auf Initiative des Lehrers Frotzsch von Schülern geschrieben und den ganzen Krieg über an die Soldaten an der Front geschickt. "Aus manchen Briefen lässt sich heraus lesen, wie wann das Wetter war", sagt Dorer, was sich auch daraus erklärt, dass Böhlen während des Ersten Weltkriegs noch nicht die spätere Chemiestadt war und die Landwirtschaft dominierte. Die Soldaten waren in der Regel Bauern - und hatten ein entsprechendes Interesse am Wuchs der Pflanzen auf den Feldern.

Deutlich wird auch die Veränderung im Bewusstsein der Soldaten, denen es am Kriegsanfang darum ging, endlich die Franzosen zu schlagen, bevor sie später begriffen, "dass Deutschland zerschmettert war", wie Dorer sagt. Den Ausstellungsmachern geht es, auch vor aktuellem Hintergrund - Stichwort Ukraine-Krise -, darum, "zu zeigen, wie schlimm Krieg ist".

Die Ausstellung, in der auch Flugblätter, etwa über die Entwicklung der Front zu sehen sind, soll bis zum Dezember zu sehen sein.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 18.07.2014
Nikos Natsidis

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