Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Borna Felix Heynig? Bekannter Tierzeichner aus Borna ist fast vergessen
Region Borna Felix Heynig? Bekannter Tierzeichner aus Borna ist fast vergessen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
13:54 11.03.2018
Vor allem Tiere prägen das Werk von Felix Heynig. Hier eine Besucherin in der Bornaer Ausstellung. Quelle: Andreas Döring
Borna

„Nö, ich hab’ noch nie was von Felix Heynig gehört. Bin neugierig, deshalb bin ich hier“, sagte Bernd Schröter bei der Ausstellungseröffnung am Dienstagabend im Bornaer Stadtmuseum. So erging es den meisten Besuchern. Der Maler, Zeichner und Illustrator Heynig ist ein fast vergessener Bornaer Sohn. Am 11. Februar vor 130 Jahren wurde er in der Mühlgasse 4, das Haus gibt es heute noch, geboren. Die neue Schau hat aber noch einen zweiten Anlass: Vor 25 Jahren entdeckte Borna seinen Künstler wieder.

Borna hat Bilder von Heynig gekauft

1993 bekam das Museum Auktionshefte zugeschickt, die Werke des Malers anboten. Die Stadt entschied sich dafür und kaufte rund 20 große Bilder, Skizzenbücher und viele kleine Zeichnungen, erzählte Museumsmitarbeiter Thomas Bergner. Schon damals fand auch eine Ausstellung statt. In der Zwischenzeit kamen weitere Werke hinzu, die zum Beispiel online ersteigert wurden. Erst vor zwei Wochen kaufte das Museum „Konferenz der Tiere“ und „Rehkitz“.

Dieses Selbstbildnis hat Felix Heynig etwa zehn Jahre vor seinem Tod geschaffen. Im Dezember 1950 ist der Künstler verstorben. Quelle: Andreas Döring

Vor allem Tiere zeichnete Felix Heynig, dafür wurde er bekannt. Ob er schon als kleiner Junge in der Bornaer Bürgerschule gern Hund und Katze malte, weiß man nicht. Als er zehn Jahre alt war, zog seine Familie nach Leipzig um. Später studierte er an der Königlichen Graphischen Anstalt, der heutigen Hochschule für Grafik und Buchkunst, wo er dann auch Dozent für Tierzeichnung wurde. „Er war ein akademischer Maler, ging häufig von geometrischen Formen aus“, so Bergner.

Kontakte zum Leipziger Zoodirektor

Gute Kontakte hatte der Künstler zu Karl Max Schneider, dem Leipziger Zoodirektor. Häufig schrieb dieser Artikel, auch für die Leipziger Volkszeitung, und Heynig illustrierte sie. Die beiden gaben das erfolgreiche Buch „Mit Löwen und Tigern unter einem Dach“ heraus, wofür der Künstler 80 Bilder schuf. Auf einem sitzt ein Bärenkind in einem dreibeinigen Waschgestell aus Eisendraht in der Küche des Zoo-Wirtschaftshofes, wo es damals aufgezogen wurde. Schneider schreibt dazu, dass der kleine Bär dort am liebsten Honigbrote fraß.

Auch das Bornaer Museum zeigt viele Tierdarstellungen. Zootiere wie Löwe, Leopard, Giraffe, Kamel, Flamingo und Kakadu, aber auch Haustiere wie Hunde, Kühe und Hühner – als Zeichnung, Aquarell oder Lithographie. Nur bei „Frau mit Bär und Leoparden“ gesellt sich ein nackter Mensch zu den wilden Tieren.

Künstler lebte im Kohrener Land

Doch Heynig wählte auch andere Themen. Später zog der Künstler nach Wolftitz ins Kohrener Land und gründete eine Familie. Dies findet sich in seinem Werk wieder. Felder, Burg Gnandstein und verschneite Landschaften. Er zeichnete Männer beim Abfischen sowie Frauen beim Federschleißen. Er zeigte den Schuhmacher bei seiner Arbeit und den Bauern, der die Sense dengelt. Er malte auch seine Frau, wie sie den kleinen Sohn Rudolph füttert.

Wohl aus wirtschaftlichen Zwängen zog er 1940 nach Wiesbaden und arbeitete dort als Technischer Angestellter. „Wir wissen nicht, was er genau dort gemacht hat, aber damals sind offensichtlich nicht mehr viele Bilder entstanden. Seine wichtige Schaffensperiode war vor allem in den 20er und 30er Jahren“, sagte Bergner. Im Dezember 1950 verstarb der Künstler. Ein Selbstbildnis, etwa zehn Jahre vor seinem Tod, zeigt ihn mit fast geschlossenen Augen, nachdenklich, traurig, fast resigniert.

In einer Vitrine liegt eine LVZ vom 10. Februar 1926. Auf einer Zeitungsseite geht es um die Zoo-Affen Orang-Utan. Die Zeichnungen für die Veröffentlichung schuf Felix Heynig. Ausstellungsbesucher Hans-Jürgen Ketzer bemerkte, wie sich der Umgang mit Bildern verändert hat. Eine regelrechte Bilderflut würde den modernen Menschen heute überschwemmen – vor hundert Jahren noch nahmen Zeichner wie Heynig Stift oder Pinsel in die Hand, wenn es galt, einen Text zu illustrieren.

Ausstellung Felix Heynig – Maler, Zeichner und Illustrator aus Borna, bis 30. April, im Museum Borna, An der Mauer 2-4, Tel. 03433/27860, geöffnet Dienstag bis Freitag 10 bis 17 Uhr, Wochenende 14 bis 17 Uhr, Eintritt Erwachsene 2 Euro, Kinder 1 Euro. Donnerstag und Freitag von 10 bis 13 Uhr gibt es ein Ferienangebot unter dem Motto „Tierbesuch im Stadtmuseum“. Dabei sollen Kinder die Bilder von Felix Heynig beobachten und erforschen. Im Anschluss darf jeder sein eigenes Tier formen und mit nach Hause nehmen. Dies kostet drei Euro pro Teilnehmer.

Von Claudia Carell

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Die ersten Störche sind zurück in der Region. Der Kamerahorst im Bornaer Ortsteil Thräna hat seit 30. Januar wieder einen Bewohner. Seit dem 31. Januar wartet ein Brutstorch auf dem Frohburger Horst auf die Rückkehr des Partners.

14.02.2018

Die Volkshochschule Leipziger Land ist die jüngste ihrer Art in Sachsen. Sie wurde vor 70 Jahren gegründet. Das geht aus einem Dokument hervor, das der Leiter der Einrichtung in Borna, Ralph Egler, jetzt im Kreisarchiv gefunden hat.

11.03.2018

Während es im Muldental und im Kohrener Land noch nennenswerte Wälder gibt, ist der Südraum von Leipzig traditionell waldarm. Seit Jahrhunderten schon. Zumindest etwas könnte sich das durch die Rekultivierung der ehemaligen Bergbauflächen ändern.

11.03.2018