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Feuchter Sommer auf Kurzbesuch

Feuchter Sommer auf Kurzbesuch

Frösteln bei Wolkenbrüchen statt Schwitzen und Sonnenbaden wie im Vorjahr um diese Zeit: Pünktlich zum Wochenende setzte in der Region wieder einmal heftiger Regen ein und schlug manchem, der nach hartem Arbeitsalltag Freizeit und Freiluft genießen wollte, heftig aufs Gemüt.

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Stillleben mit Farbkontrasten an der Bornaer Emmauskirche im Regen.

Quelle: Günther Hunger

Borna. Doch so außergewöhnlich, wie es scheint, sind die Wetterkapriolen gar nicht. Wir seien nur zu verwöhnt, schließen Stefan Ladisch und Sebastian Schroth aus den Aufzeichnungen ihrer Wetterstationen in Neukirchen und Wyhra.

„Der Monat Juli ist in diesem Jahr mit 162 Liter Regen pro Quadratmeter außergewöhnlich feucht, knapp das Dreifache des im Juli typischen Mittels", stellten die Hobby-Meteorologen fest, die seit dem Jahr 2000 akribisch alle Daten sammeln und vergleichen. „Die anderen Werte entsprechen jedoch einem mitteleuropäischen Durchschnittssommer. Wir sind lediglich zu verwöhnt und wollen Sonnenschein satt bei 25 Grad Celsius." Das normale Sommerwetter ist in unseren Breiten nicht so schön, wie wir es uns wohl wünschen, meinen beide. „Mit durchschnittlich 17,9 Grad Celsius ist es gerade einmal 0,3 Grad zu kalt", so Schroth. „Auch die Anzahl der Sonnenstunden liegt mit 220 bisher im normalen Bereich."„Das ist wahrlich kein Supersommer", klagte hingegen Böhlens Freibadchef Dirk Wagner. „Im Vergleich zum letzten Jahr mit einem sehr heißen Juli haben wir 60 bis 65 Prozent Einbuße." Am schlimmsten sei das Auf und Nieder der Temperaturen. „Die Leute brauchen immer ein bis zwei Tage, bis sie sich wieder hertrauen."Adrienn Vanselow, Erzieherin im Böhlener Hort „Pfiffikus", genießt jeden schönen Tag, an dem sie mit den Kindern im Ferienprogramm ins Freibad gehen kann. Ballspiele und Wasserrutsche sind auch verlockend, wenn die Sonne nicht richtig vom Himmel knallt. „Das Bad ist so konzipiert, dass wir die Kinder immer im Blick haben, es ist perfekt hier", freute sie sich noch am Donnerstag. Aber auch Regenwetter sei kein Grund zum Trübsal blasen, es gebe genügend Alternativen, die Mädchen und Jungen zu beschäftigen.Ein paar Hartgesottene kommen jeden Tag zum Schwimmen, solange es nicht gewittert. Auch sie jammern keineswegs. „Wenn das Wasser 20 Grad hat, schwimmen wir eine Stunde, wenn es kälter ist, eben weniger. Das dient der Abhärtung. Die warmen Duschen danach sind das A und O", erzählten Elisabeth Rattunde aus Großdeuben mit 72 und Sabine Schneider aus Böhlen mit 74 Jahren. „Wir lieben unseren Sport, den man auch bis ins hohe Alter hinein betreiben kann. Wir haben so ein herrliches Bad." Natürlich kommen sie mit dem Rad, ganz nach der Devise: Schlechtes Wetter gibt es nicht, nur unpassende Kleidung.Sonne pur würde dagegen Kathrin Stellmacher vom Mehrgenerationenprojekt Böhlen verbindlich für den Freitag bei Petrus bestellen: „Da planen wir unser Bad- und Sportfest für die Kindergarten- und Hortkinder sowie unsere Senioren."Nicht ganz so pessimistisch wie sein Böhlener Kollege sieht Schwimmmeister Mirko Bruschke die Situation im Freibad Neukieritzsch, das am 1. Juni nach einem Umbau wieder eröffnet wurde. „Trotz des durchwachsenen Wetters wird das Bad rege genutzt. Schulschwimmen und Ferienaktionen, auch Feste und Feiern sind noch nicht ins Wasser gefallen. Notfalls bieten dafür die Innenräume Platz", sagte Bruschke. „Die krassen Temperaturwechsel sind natürlich nicht gut für uns. Die Leute kommen aber wieder angeschossen, sobald sich die ersten Sonnenstrahlen zeigen."Hans-Jürgen Ketzer vom Volkskundemuseum Wyhra fand das Juliwetter gar nicht so schlecht. „Nach längeren zwangsweisen Aufenthalten in den Stuben sind die Leute unternehmungslustiger, wenn sie wieder heraus können, und besuchen uns", ist seine Erfahrung. „Bei zu langen Schönwetterperioden gehen sie lieber gleich zum Baden. Außerdem wäre die Teilnahme an unseren Mitmach-Aktionen bei zu großer Hitze unzumutbar."Kerstin Hennig, die mit ihrer „Traumfee" gern über die Stoppelfelder galoppiert, war auch ganz zufrieden: „Ich bin fast täglich mit meinem Pferd im Gelände unterwegs. Aber ich habe es am liebsten kühl, dann gibt es auch nicht so viele Bremsen und Fliegen. Zu große Hitze ist nicht gut für die Tiere." Zum wöchentlichen Reitunterricht bei Lehrerin Kerstin Plank geht sie mit Freundin Janine Kern aus Bad Lausick eh in die Halle in Kitzscher.Die anderen dürfte die Statistik kaum trösten: Sachsen war im Juli 2011 das sonnenscheinreichste Bundesland, und im Jahr 2000 war es im Juli mit 15,3 Grad deutlich kühler.

Gislinde Redepenning

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