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Feuerlöscher als Garderobenhaken und offene Brandschutztüren

Mängel beim Brandschutz Feuerlöscher als Garderobenhaken und offene Brandschutztüren

Bei einer Schrottsammlung hat Lutz Delling den Brand vorhersehen können, und auch die riesigen Haufen voller Strohballen auf einem landwirtschaftlich genutzten Feld mussten irgendwann in Rauch aufgehen. Der 55-jährige Feuerwehrmann ist seit fünf Jahren Ingenieur für Brandschutz für sechs Kommunen – und lange genug schon dabei, um aus dem Nähkästchen zu plaudern.

Lutz Delling ist Ingenieur für Brandschutz und als solcher für sechs Kommunen zuständig.

Quelle: Andreas Döring

Groitzsch/Pegau/Böhlen.

Dennoch ist er auch immer wieder erstaunt, dass bestimmte Mängel, die er aufdeckt, erst dann wirklich beseitigt werden, wenn es bereits zu spät ist. So ergangen einem Sammler von Schrott, dem Delling des Öfteren erklärt hat, dass für den Haufen eine Brandgefahr bestünde. Irgendwann dann hat der Sammler das selbst erkennen müssen. Und auch manche Agrargenossenschaft lagert ihre Strohballen meist erst dann weit voneinander entfernt, wenn eine andere Ernte schon den Flammen zum Opfer gefallen ist.

Seit 2011 ist Delling sozusagen im Geschäft und für die Brandverhütungsschauen innerhalb der sechs Kommunen zuständig. 160 Einrichtungen und Betriebe fallen in seinen Bereich, die er regelmäßig hinsichtlich der Brandschutzanlagen untersuchen muss. Dazu zählen unter anderem Kindertagesstätten, Schulen, Industrieanlagen, Gaststätten, Rathäuser und auch landwirtschaftliche Betriebe. Etwa 130 Stellungnahmen gibt er pro Jahr ab, wenn es um Bauvorhaben und Nutzungsänderungen von Gebäuden geht.

„Die Brandverhütungsschauen sind Pflichtaufgaben der Städte und Gemeinden“, erklärt Delling. Alle drei oder fünf Jahre müssten Objekte kontrolliert werden. Während Schulen und Kulturhäuser der Prüfung alle drei Jahre unterzogen werden müssen, reicht bei gastronomischen Einrichtungen die Frist von fünf Jahren. Ist der Feuerwehrmann dann als Brandschutzprüfer unterwegs, achtet er unter anderem darauf, dass die Brandmeldeanlagen in Ordnung, Brandschutztüren geschlossen, Feuerlöscher vorhanden sind und die Kennzeichnung der Rettungs- und Fluchtwege ordnungsgemäß ist. Sein Ergebnis: der häufigste Mangel ist eine dauerhaft offene Brandschutztür. „Sie bleibt oft aus Bequemlichkeit offen, damit die Leute schnell rein und raus kommen“, sagt der Prüfingenieur. Und auch Feuerlöscher rücken immer wieder in seinen Fokus – weil sie als Garderobenhaken dienen, mit Dekorationen verschönert werden oder einfach Schränke oder Regale davor stehen. Zu den Feuerlöschern fällt Delling eine Anekdote ein, die bei ihm noch heute für Kopfschütteln sorgt. „Ein Planer eines Feuerwehrgerätehauses hat mir tatsächlich den Vorschlag unterbreitet, dort auf Handfeuerlöscher zu verzichten“, erzählt er. Zu seinen Prüfkriterien gehören außerdem die Zufahrt und die Stellfläche für die Feuerwehr, die Versorgung mit Löschwasser und die Rettungswege.

Derzeit ist der gebürtige Tautenhainer regelmäßig in Sachen Asylunterkunft unterwegs. Kürzlich erst hat er das Apart-Hotel in Böhlen unter die Lupe genommen. Gerade bei Nutzungsänderungen von Gebäuden sei die Brandschutz-Kontrolle notwendig. Unterwegs ist er in den kommenden Wochen auch in den beiden Pegauer Kirchen in Wiederau und Kitzen. In letzterer geht es um die Sanierung der früheren Patronatsloge und die Bedingungen, erfüllt sein müssen, um den Brandschutz zu gewährleisten.

Mehrmals im Jahr kommt es vor, dass Delling für solche Anfragen nicht zu sprechen ist. Dann hat sein Pieper Signal gegeben und er ist mit anderen Kameraden zu einem Notfall ausgerückt. Er wünscht sich, dass sich zukünftig wieder mehr junge Leute finden, die in der Feuerwehr aktiv werden. „Wir brauchen dringend Nachwuchs“, betont er.

Von Julia Tonne

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