Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Borna Feuerlöscher als Garderobenhaken und offene Brandschutztüren
Region Borna Feuerlöscher als Garderobenhaken und offene Brandschutztüren
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
13:12 26.02.2016
Am Nordufer des Hainer Sees testen Maschinist Rolf Quelms (links) von der Neukieritzscher Feuerwehr sowie Brandschutzprüfer Lutz Delling ein Saugrohr. Quelle: Andreas Döring
Anzeige
Groitzsch/Pegau/Böhlen


Dennoch ist er auch immer wieder erstaunt, dass bestimmte Mängel, die er aufdeckt, erst dann wirklich beseitigt werden, wenn es bereits zu spät ist. So ergangen einem Sammler von Schrott, dem Delling des Öfteren erklärt hat, dass für den Haufen eine Brandgefahr bestünde. Irgendwann dann hat der Sammler das selbst erkennen müssen. Und auch manche Agrargenossenschaft lagert ihre Strohballen meist erst dann weit voneinander entfernt, wenn eine andere Ernte schon den Flammen zum Opfer gefallen ist.

Seit 2011 ist Delling sozusagen im Geschäft und für die Brandverhütungsschauen innerhalb der sechs Kommunen zuständig. 160 Einrichtungen und Betriebe fallen in seinen Bereich, die er regelmäßig hinsichtlich der Brandschutzanlagen untersuchen muss. Dazu zählen unter anderem Kindertagesstätten, Schulen, Industrieanlagen, Gaststätten, Rathäuser und auch landwirtschaftliche Betriebe. Etwa 130 Stellungnahmen gibt er pro Jahr ab, wenn es um Bauvorhaben und Nutzungsänderungen von Gebäuden geht.

„Die Brandverhütungsschauen sind Pflichtaufgaben der Städte und Gemeinden“, erklärt Delling. Alle drei oder fünf Jahre müssten Objekte kontrolliert werden. Während Schulen und Kulturhäuser der Prüfung alle drei Jahre unterzogen werden müssen, reicht bei gastronomischen Einrichtungen die Frist von fünf Jahren. Ist der Feuerwehrmann dann als Brandschutzprüfer unterwegs, achtet er unter anderem darauf, dass die Brandmeldeanlagen in Ordnung, Brandschutztüren geschlossen, Feuerlöscher vorhanden sind und die Kennzeichnung der Rettungs- und Fluchtwege ordnungsgemäß ist. Sein Ergebnis: der häufigste Mangel ist eine dauerhaft offene Brandschutztür. „Sie bleibt oft aus Bequemlichkeit offen, damit die Leute schnell rein und raus kommen“, sagt der Prüfingenieur. Und auch Feuerlöscher rücken immer wieder in seinen Fokus – weil sie als Garderobenhaken dienen, mit Dekorationen verschönert werden oder einfach Schränke oder Regale davor stehen. Zu den Feuerlöschern fällt Delling eine Anekdote ein, die bei ihm noch heute für Kopfschütteln sorgt. „Ein Planer eines Feuerwehrgerätehauses hat mir tatsächlich den Vorschlag unterbreitet, dort auf Handfeuerlöscher zu verzichten“, erzählt er. Zu seinen Prüfkriterien gehören außerdem die Zufahrt und die Stellfläche für die Feuerwehr, die Versorgung mit Löschwasser und die Rettungswege.

Derzeit ist der gebürtige Tautenhainer regelmäßig in Sachen Asylunterkunft unterwegs. Kürzlich erst hat er das Apart-Hotel in Böhlen unter die Lupe genommen. Gerade bei Nutzungsänderungen von Gebäuden sei die Brandschutz-Kontrolle notwendig. Unterwegs ist er in den kommenden Wochen auch in den beiden Pegauer Kirchen in Wiederau und Kitzen. In letzterer geht es um die Sanierung der früheren Patronatsloge und die Bedingungen, erfüllt sein müssen, um den Brandschutz zu gewährleisten.

Mehrmals im Jahr kommt es vor, dass Delling für solche Anfragen nicht zu sprechen ist. Dann hat sein Pieper Signal gegeben und er ist mit anderen Kameraden zu einem Notfall ausgerückt. Er wünscht sich, dass sich zukünftig wieder mehr junge Leute finden, die in der Feuerwehr aktiv werden. „Wir brauchen dringend Nachwuchs“, betont er.

Von Julia Tonne

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Das Freibad in der Wyhraaue hat zahlreichen Generationen in Borna ungetrübten Badespaß geboten. Seit zehn Jahren ist es der Zankapfel zwischen Entscheidungsträgern und renitenten Bürgern. Jetzt ist das Bürgerbegehren der Initiative für zulässig erklärt worden. Bis zum 7. März läuft die LVZ-Umfrage zum Freibad.

26.02.2016

Seit Jahren leben die Einwohner von Pödelwitz an der Kante zum Tagebau Schleenhain. Das Bergbauunternehmen Mibrag schielt auf die Kohle unter dem Ort. Obwohl der Abbau noch nicht bewilligt ist, haben viele Pödelwitzer das Angebot zur freiwilligen Umsiedlung nach Groitzsch angenommen. Vor den Verweigerern hat Mibrag jetzt offenbart, dass in fünf Jahren der Bagger anrollen könnte.

26.02.2016

Neukieritzsch wird beim Kultusministerium einen Ausnahmeantrag für die Grundschule Deutzen für das kommenden Schuljahr stellen, weil es nicht genug Kinder für eine erste Klasse gibt. Nicht alle Gemeinderäte haben sich für diesen Schritt ausgesprochen.

25.02.2016
Anzeige