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Feuerwehren im Landkreis Leipzig mancherorts ohne Altersobergrenze

Löschen und retten Feuerwehren im Landkreis Leipzig mancherorts ohne Altersobergrenze

In Sachsen legen die örtlichen Feuerwehren selbst fest, wann ein Kamerad aus der aktiven Abteilung ausscheidet. So manche Einrichtung im Landkreis Leipzig hat sich in ihrer Satzung kein Maximalalter gesetzt – aus gutem Grund.

Der Kreisfeuerwehrverband Landkreis Leipzig zählt derzeit knapp 180 Einrichtungen mit rund 5000 Mitgliedern.

Quelle: Frank Schmidt

Landkreis. Bei Alarm zählt jede Sekunde: Die Freiwillige Feuerwehr rückt aus – löscht einen Brand im Wohnblock, befreit Verletzte aus einem Unfallwagen, behebt ein Leck an der Gasleitung. Die ehrenamtlichen Helfer sind unentbehrlich. Für den aktiven Dienst spielt neben körperlicher und geistiger Eignung auch das Lebensalter eine wichtige Rolle. Fast alle Bundesländer haben dafür eine gesetzliche Obergrenze festgelegt – Sachsen ist momentan die Ausnahme.

Feuerwehren dürfen selbst entscheiden

Über die Freiwillige Feuerwehr heißt es im dritten Abschnitt des Sächsischen Gesetzes über den Brandschutz, Rettungsdienst und Katastrophenschutz (SächsBRKG) in Paragraf 18 Absatz 2: „In den aktiven Feuerwehrdienst können nur Personen aufgenommen werden, die das 16. Lebensjahr vollendet haben, den gesundheitlichen Anforderungen des Feuerwehrdienstes entsprechen und die charakterliche Eignung besitzen.“ Ein Maximalalter für den aktiven Dienst enthält der Passus nicht. Vielmehr legen im Freistaat die örtlichen Wehren selbst in ihrer Satzung fest, ob und wann ein Kamerad spätestens aus der aktiven Abteilung auszuscheiden hat.

Im Kreis Leipzig wird das unterschiedlich gehandhabt: So manche Einrichtung lässt den Zeitpunkt für den Renteneintritt offen. „Wer sich fit genug fühlt, kann bei uns auch im höheren Alter noch aktiv mitwirken“, sagt Manuela Brandl, Ortswehrleiterin in Rötha . „Wir haben keine Obergrenze verankert.“ Jedem stünde die Entscheidung frei, nach 25 aktiven Dienstjahren weiterzumachen oder der Alters- und Ehrenabteilung beizutreten, so Brandl weiter. Die Ortsfeuerwehr Rötha zählt aktuell 25 aktive Mitglieder. Drei seien 16 Jahre alt, der Hauptkern zwischen 25 und 35, die ältesten Kameraden seien Mitte 50.

Erfahrung und Besonnenheit sind wichtig

In der Gemeindefeuerwehr Lossatal ist ein Ausscheiden mit einem gewissen Alter ebenfalls nicht vorgesehen. „Das ist gut so“, findet Marcel Uhlemann, stellvertretender Gemeindewehrleiter. Auf Kameraden, die schon Jahrzehnte im Dienst sind, könne nur schwerlich verzichtet werden, auch aufgrund ihrer Erfahrung und Besonnenheit. „Im Zweifel kann jemand noch mit 70 dabei sein, wenn das von allen Seiten so gewollt ist“, sagt Uhlemann, verweist aber zugleich auf die starke körperliche Belastung, die das Löschen und Retten mit sich bringen. Tauglichkeitsuntersuchungen, etwa zum Arbeiten unter Atemschutz, seien deshalb in jedem Fall geboten.

Die Gemeindefeuerwehr Lossatal, zu der insgesamt acht Ortsfeuerwehren gehören, ist mit mehr als 150 aktiven Mitgliedern die zweitgrößte im Landkreis hinter Grimma. Die Jugendarbeit laufe gut, von einer entspannten Nachwuchssituation will Uhlemann aber nicht sprechen. Dafür sei die Lebensplanung der Jugendlichen zu vage. Oft unklar, ob sie nicht etwa aus beruflichen Gründen der Gemeinde in naher Zukunft den Rücken kehren. „Die Nachwuchsarbeit bleibt deshalb eine große Herausforderung.“

Fürsorgepflicht gegenüber älteren Kameraden

Dass es im Landkreis Wehren gibt, die ein Höchstalter für den aktiven Dienst festgelegt haben, belegt das Beispiel der Feuerwehr Wurzen . Dort ist nach 65 Jahren Schluss, teilt Stadtwehrleiter Thilo Bergt mit und führt als Begründung an: „Wir haben gegenüber den Kameraden eine Fürsorgepflicht und die sollten wir durchsetzen. Wer 40, 50 Jahre an vorderster Front tätig war, hat sich irgendwann einmal auch den Ruhestand verdient.“ Viele der über 130 aktiven Mitglieder arbeiten laut Bergt außerhalb des Stadtgebietes. Das stelle bereits tagsüber ein Problem dar und könne nur durch die Kooperation mit umliegenden Wehren kompensiert werden. Zumal fünf Kameraden demnächst an diese Altersschranke geraten.

In Borsdorf , wo der aktive Dienst gleichermaßen bei 65 endet, wirkt sich die Obergrenze aktuell nicht aus. „Wir haben keinen Kameraden, der deswegen in absehbarer Zeit aus dem aktiven Dienst ausscheiden müsste“, verrät Ortswehrleiter Jens Beckmann. Der Altersdurchschnitt unter den etwas mehr als 20 aktiven Mitgliedern liege bei Anfang 30.

Rund 180 Wehren im Kreisverband

Auch die Satzung der Feuerwehr der Stadt Groitzsch besagt, dass die Altersgrenze bei 65 Jahren erreicht ist. „Allerdings besteht die Möglichkeit“, sagt der stellvertretende Stadtwehrleiter Mike Köhler, „nach halbjährlicher ärztlicher Untersuchung weiter am aktiven Einsatzdienst teilzunehmen.“ Von derzeit rund 100 aktiven Kameraden in sechs Ortsfeuerwehren würde gut ein Fünftel in den kommenden zehn Jahren in die Alters- und Ehrenabteilung wechseln.

Im Kreis Leipzig sind alle Feuerwehrleute ehrenamtlich tätig, weiß David Zühlke, Vorsitzender des Kreisfeuerwehrverbandes. Dem Verband gehören momentan rund 30 Stadt- und Gemeindefeuerwehren sowie gut 150 Ortsfeuerwehren an. Die Mitgliederzahl lässt sich mit insgesamt rund 5000 beziffern (Stand 31.12.2016).

Von Matthias Klöppel

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