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Feuerwehren in Not: Bad Lausicker Initiative setzt auf Kooperation der Wehren

Feuerwehren in Not: Bad Lausicker Initiative setzt auf Kooperation der Wehren


Bad Lausick. Neun Wehren zwischen Steinbach und Thierbaum, 190 Aktive: Die Bad Lausicker Brandschützer sind eine starke Truppe.

. Tagsüber allerdings sind im Einsatzfall nur wenige Kameraden erreichbar. Personal-Engpässe zu beseitigen, die es bei vielen Feuerwehren der Region gibt, ist das Ziel der Initiative „Keiner kommt. Feuerwehren in Not." Sie wurde angeschoben vom Bad Lausicker Unternehmen Rotstahl, der Stadtwehrleitung und dem Bürgermeister.

„Es gab schon Einsätze, da sind wir nicht losgefahren, weil wir keinen Maschinisten hatten." Die Worte von Tim Barczynski, der als Bad Lausicker Stadtwehrleiter Verantwortung für neun Wehren trägt, klingen ernüchternd. Trotz des großen persönlichen und vor allem ehrenamtlichen Engagements aller 190 Aktiven wird es immer schwerer, vor allem tagsüber die Einsatzbereitschaft zu gewährleisten. Ob Verkehrsunfall, Brand oder eine andere Hilfeleistung: Seit Jahren schon setzt Bad Lausick auf die parallele Alarmierung von zwei ihrer Wehren; oft aber müssen Kräfte nachgezogen werden - so vorhanden.

Dass die Rettung der Opfer des Zugunglücks bei Lauterbach hervorragend funktioniert habe, dürfe über das latente Personal-Dilemma, das Bad Lausick mit zig anderen Kommunen teile, nicht hinwegtäuschen, sagt Barczynski. „Ich bekomme tagsüber nur ein paar Leute zusammen, weil die anderen weit weg arbeiten." Mit Glück könnten es drei Dutzend sein, verteilt auf alle Ortschaften und mit drei, vier Leuten pro Fahrzeug. Es gebe Fälle, wo das definitiv nicht genüge.

„Dieses Thema begleitet mich seit Jahren", sagt Andre Trautner, Geschäftsführer der Bad Lausicker Rotstahl GmbH, der beruflich viel mit Feuerwehren zu tun hat und der selbst Jahre aktiv war. Sollte es nicht möglich sein, Feuerwehrleute anderer Wehren, die in Firmen in Bad Lausick arbeiten, im Bedarfsfall zu einem Einsatz heranzuziehen? - Diese Idee des Bad Lausicker Bürgermeisters Josef Eisenmann (CDU), in der Gesprächsrunde „Kommune trifft Wirtschaft" entstanden, nahm er als Grundlage für ein Modell, von dem andere Wehren ebenso profitieren könnten. Die Initiative „Keiner kommt. Feuerwehren in Not.", soll sachsen- und bundesweit Entlastung bringen.

Im sächsischen Innenministerium wie in der Landesdirektion traf Trautner durchaus auf offene Ohren. „Die Einbeziehung von Angehörigen anderer Wehren, deren Arbeits- oder Ausbildungsort sich in der Gemeinde befindet, ist eine Möglichkeit, die Einsatzbereitschaft in kritischen Zeiten abzusichern", sagt Ministeriumssprecher Frank Wend. Nicht Pflicht, aber zweckmäßig sei in einem solchen Fall aber eine Doppelmitgliedschaft. „Aus Sicht der Unfallkasse Sachsen bestehen bezüglich des Versicherungsschutzes keine Bedenken." Neu sei eine solche Idee nicht, sagt Wend. Schon 2006 habe das Ministerium die Kommunen über eine solche Möglichkeit informiert. Aufgegriffen wurde sie offenbar kaum.

Das will die Initiative ändern. „Wir bereiten unsere Lösung so auf, dass Feuerwehren, die in Not sind, sofort zugreifen können", sagt Andre Trautner. Er verweist auf die Plattform www.keiner-kommt.de, die jetzt ans Netz geht. Hier liegen alle wichtigen Informationen zum Herunterladen bereit. Zudem soll die Homepage eine Plattform für den Erfahrungsaustausch werden.

„Toll, dass so etwas angeschoben wurde", freut sich Bad Lausicks Rathauschef Eisenmann. Bei der Dankeschön-Veranstaltung, die kürzlich für die Helfer des Zugunglücks stattfand, habe er Innenminister Markus Ulbig (CDU) darauf angesprochen: „Der war im Bilde und hat es ausdrücklich begrüßt."

„Entscheidend ist, dass die Kameraden mitspielen", sagt Tim Barczynski. Die Zusammenarbeit mit den umliegenden Wehren sei gut, man kenne einander von der Ausbildung her; da dürfte es kaum Probleme geben. Damit das Modell funktioniere, brauche man aber auch die Unterstützung der Arbeitgeber. Zehn solcher Doppelmitgliedschaften hält der Stadtwehrleiter für Bad Lausick für den Anfang für realistisch. Und wenn fünf von ihnen im Ernstfall die Truppe verstärken würden, wäre viel gewonnen: „Das Problem ist doch nur das Feuer. Die Technik ist da, der Schlauch überall rot. Wichtig ist, dass die Kameraden gemeinsam zupacken und dass die Chemie stimmt."

Ekkehard Schulreich

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