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Feuerwehren in Not: Initiative aus Bad Lausick kämpft für eine Lösung

Nachwuchsgewinnung Feuerwehren in Not: Initiative aus Bad Lausick kämpft für eine Lösung

Das Land Sachsen stellt zwar mehr Geld für Jugendwehren bereit – trotzdem haben nicht alle Freiwilligen Feuerwehren ausreichend Personal. In Bad Lausick versucht ein Unternehmer das zu ändern. Er hob die Initiative „Keiner kommt. Feuerwehren in Not“

Der Unternehmer André Trautner (l.) startete die Kampagne „Keiner kommt. Feuerwehren in Not“, die bei den Feuerwehrmännern gut ankommt.

Quelle: Privat

Bad Lausick. Doppel-Mitgliedschaften, offensives Werben, attraktive Angebote für den Nachwuchs: Seit sich die Bad Lausicker Initiative „Keiner kommt. Feuerwehren in Not“ vor einem halben Jahrzehnt formierte, wurde manches angestoßen. Dass die Situation in vielen ehrenamtlich getragenen Feuerwehren deutschlandweit angespannt ist, wurde deutlich durch die vielen Kontakte, die innerhalb des Projektes entstanden. „Es ist Bewegung in den Feuerwehren, das spürt man“, sagt André Trautner, Unternehmer und Initiator dieser Kampagne, die für viele betroffenen Wehren den Finger in Wunden legt. Allerdings seien die Ehrenamtlichen selbst nur bedingt die Adressaten, denn die kümmerten sich ja nach Kräften. „Das Werben um neue Mitglieder darf nicht nur eine Aufgabe auf kommunaler Ebene sein.

Nicht jeder Spind bei den Feuerwehren ist belegt

Nicht jeder Spind bei den Feuerwehren ist belegt. Überall fehlt es an Leuten.

Quelle: LVZ

Die Landesregierung ist dringend gefragt, ihre Rolle in dieser Frage zu überdenken und anzuerkennen. Die betroffenen Wehren selbst und die Kommunen sind damit überfordert. Das Bewusstsein dafür wachse auf Landesebene durchaus“, sagt Trautner, der Mitte Januar erneut zu einem Gespräch im sächsischen Innenministerium war: „Es gibt Vorstöße, die schaffen Puffer, einen Zeitgewinn. Doch die grundsätzliche Frage beantworten wir damit nicht: Wie bekommen wir in den nächsten Jahren ausreichend Personal in die Wehren, um handlungsfähig zu bleiben?“

Feuerwehrkameraden entwerfen den Spind ihrer Träume

Bad Lausick selbst bietet gute Beispiele: Mehrere auswärtige Kameraden, die in der Stadt arbeiten, rücken nicht nur mit ihrer Stamm-Wehr aus, sondern stehen bei Bedarf auch der Kurstädter Wehr zur Verfügung. Bei Neueinstellungen in der Verwaltung warb das Rathaus intensiv und mit Erfolg für die Mitgliedschaft in der Wehr, um die Zahl derer zu erhöhen, die tagsüber vor Ort verfügbar sind. Ein HLF 10 (Hilfeleistungs-Löschfahrzeug) wurde beschafft, um auch mit weniger Kameraden schlagkräftig agieren zu können. Beispiele, sagt Trautner, die auch für andere Kommunen gälten.

„Wenn wir aber neue Kameraden gewinnen wollen, müssen wir bei den Jugendwehren anfangen. Darin stimmen wir mit dem Ministerium überein.“ Heranwachsende zu gewinnen, heranzuführen und dann über viele Jahre zu halten, heiße die Herausforderung. Dabei bräuchten die Akteure vor Ort deutlichere Unterstützung der Landesebene. In Wehrleiter-Schulungen künftig auch das Augenmerk auf Personalführung und -entwicklung zu legen, sei da nur eine Facette.

André Trautners Firma Rotstahl, die Stahlmöbel unter anderem für Feuerwehren vertreibt, lobt deshalb in diesem Jahr zum zweiten Mal einen mit einem Preisgeld untersetzten Innovationswettbewerb aus. Gesucht werden zugkräftige und nachnutzbare Ideen für die Nachwuchsgewinnung. Bei der Wettbewerbspremiere 2015 entwarfen Kameraden aus ganz Deutschland den Spind ihrer Träume; Sieger war die Feuerwehr im eichsfeldischen Heiligenstadt. Ihr Entwurf wurde auf der Messe Interschutz gezeigt; kurz vor dem Jahresende lieferten die Bad Lausicker 20 dieser Schränke nach Heiligenstadt. Dieses Engagement begründet Trautner, der für die CDU im Bad Lausicker Stadtrat sitzt, mit unternehmerischer Verantwortung: „Ich verkaufe auf diese Weise keine Spezialschränke zusätzlich.“

Die Zukunft des Feuerwehrwesens steht auf 128 Seiten

Auf 128 Seiten formulierte eine vom Innenministerium eingesetzte Arbeitsgruppe vor einem Jahr ihre Überlegungen für ein zukunftsfähiges Feuerwehrwesen in Sachsen 2020. Keine leichte Lektüre, weshalb Trautner jetzt in Dresden anregte, eine lesbare Kurzform für alle Wehrleitungen und die interessierten Kameraden zu verfassen.

Dass die Initiative Feuerwehren in Not weiter Kreise zieht und den einen oder anderen motiviert, sich in den Wehren zu engagieren, wünscht sich André Trautner. Wer sich angesprochen fühle, sollte sich direkt an die Wehr des Heimatortes, an die Stadt- oder Gemeindeverwaltung wenden.

Die Arbeitsgruppe Freiwillige Feuerwehren Sachsen 2020 habe sich vor fünf Jahren die Aufgabe gestellt, auf Landesebene strategische Vorschläge zu erarbeiten, sagt Pia Leson, Pressereferentin im Innenministerium. „Im Ergebnis wurde das Modell Freiwillige Feuerwehr auch weiterhin als zukunftsfähig angesehen.“ Um die Einsatzbereitschaft zu sichern, bedarf es Anstrengungen aller Beteiligten: Feuerwehren, Gemeinden, Landkreise, Freistaat. Die Initiative „Keiner kommt. Feuerwehren in Not“ sei da ein wichtiger Partner. Sie habe zum Beispiel Hinweise erarbeitet, um die Akzeptanz bei den Arbeitgebern zu erhöhen, wenn es um die Freistellung der Feuerwehrleute für Einsätze geht.

Mitgliederzahlen der Jugendfeuerwehr sollen steigen

Das Land Sachsen sei sich seiner Verantwortung sehr wohl bewusst, so Leson. Was durch 21 Millionen Euro Fördermittel im Jahr belegt ist. Geld für die Jugendwehren, aber auch für Ausbildungen von Atemschutzgeräteträgern, Sprechfunkern und Maschinisten. „Der Aus- und Fortbildung wird künftig noch höhere Bedeutung zugemessen. Hierfür wurde die Landesfeuerwehr- und Katastrophenschutzschule in den letzten Jahren erweitert.“

Die meisten Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehren würden in jungen Jahren über die Jugendfeuerwehren für ein ehrenamtliches Engagement im Brandschutz gewonnen, so die Referentin: „Ziel ist es, durch eine Steigerung der Mitgliederzahl der Jugendfeuerwehren mehr Nachwuchs für die Freiwilligen Feuerwehren zu generieren.“ Die Förderung der Jugendarbeit wurde auf 600.000 Euro pro Jahr erhöht. Um auch kleinere Kinder - ab fünf Jahre - heranzuführen, würden vielerorts „Kinderfeuerwehren“ gebildet.

www.keiner-kommt.de

Von Ekkehard Schulreich

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