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Fleischer Gerhard Kalz aus Borna blickt auf 50 meisterhafte Jahre zurück

Hier geht's um die Wurst Fleischer Gerhard Kalz aus Borna blickt auf 50 meisterhafte Jahre zurück

In den 1960er Jahren musste ein Fleischer, der seinen Meister machen wollte, noch selbst schlachten. Das hat sich geändert. "Schlachten muss heute niemand mehr", sagt Gerhard Kalz, Fleischermeister und Seniorchef des gleichnamigen Fleischerbetriebes in Thräna südlich von Borna. "Dafür müssen sich die Leute in der Elektronik auskennen", erklärt der 70-Jährige.

Mit Meister Gerhard Kalz präsentieren Fleischfachverkäuferin Manuela Reinert (l.) und Grit Rößner (r.) tagtäglich ihre frischen Produkte.

Quelle: Nicole Rathge-Scholz

Borna. Gerhard Kalz kann den Wandel der Zeiten gut beurteilen. Er hat vor mittlerweile einem halben Jahrhundert seine Meisterprüfung abgelegt.

Damals war er mit gerade einmal 19 Jahren der jüngste Fleischermeister im Bezirk Cottbus. Dort stammt der heute 71-Jährige her, aus Rüdingsdorf bei Luckau. Dass er Fleischer werden würde, stand für Gerhard Kalz schon früh fest. "So mit sechs, sieben Jahren." Fleischer - das war sein Wunschberuf, "auch wenn damals viele dachten, dass Fleischer verroht sind". Sind sie natürlich nicht, und einer wie Gerhard Kalz schon gar nicht, denn für den Fleischermeister war immer der alte Spruch "Quäle nie ein Tier zum Scherz..." von maßgebender Bedeutung.

Auch wenn er schlachtete, was er in seiner Meisterprüfung ("Ein Rind.") ebenso demonstrierte wie unzählige Male später. Dass es ihn schließlich ins kleine Thräna verschlug, hängt mit Christine zusammen. Der Frau, die er vor 48 Jahren in Leipzig kennenlernte und deren Eltern in Thräna eine kleine Privatfleischerei hatten, DDR-typische Versorgungsprobleme inclusive. Seine Schwiegereltern wollten ihren Laden aufgeben, und da kam der junge Meister gerade recht. Seit 1970 ist er im Betrieb, und Gerhard Kalz überstand auch die Zeiten, in denen in der DDR das Wort Verstaatlichung ganz groß geschrieben wurde. Im Jahr 1972, als SED-Chef Erich Honecker die Verstaatlichung der allermeisten bis dahin noch privat geführten Betriebe durchsetzte, erhielt die kleine Fleischerei in Thräna nur eine Gewerbegenehmigung für ein Jahr. Und so ging es weiter. Das änderte sich erst vier Jahre später, als ein neues Gesetz endlich Sicherheit und eine gewisse Bestandsgarantie brachte.

Was freilich nichts an den planwirtschaftlichen Beschaffungsproblemen änderte. "Es gab Tage, da hatten wir am Freitag Mittag keine Wurst mehr", erinnert sich der Fleischermeister. Die Folge: Am Sonnabend und am Montag darauf bleib der Laden zu. Bisweilen fuhrt der findige Fleischermeister bis nach Schwedt, wo er jemanden kannte, um Fleisch für die Wurst zu besorgen. Für ganz spezielle Nöte sorgte das Fehlen von Gewürzen. "Manchmal mussten wir Pfefferersatz verwenden." Oder die Fleischzuteilung. Es gab - realsozialistische - Zeiten, in denen die kleine Landfleischerei Kalz von 100 zur Verfügung stehenden Schweinen in der Woche lediglich vier zugeteilt bekam. Immerhin, so Gerhard Kalz, später besserte sich das etwas.

Mit der Wende änderten sich die Verhältnisse. Vorbei die Zeiten, in denen an die heutige Verkaufsästhetik hinter der Fleischtheke nicht zu denken war und Wurst und Schnitzel schlicht in Zeitungspapier verpackt wurden. "Auf einmal gab es alles", so Gerhard Kalz. Ab 1990, und die Kunden hielten dem Hause Kalz weiter die Treue. Die Kunden, die bei Gerhard Kalz zu DDR-Zeiten einmal zu Weihnachten bald die Ladentheke gestürmt hätten, weil er Wiener ohne Ende zum Verkauf anbot.

In den 90er-Jahren konnte Gerhard Kalz investieren, in die Produktion ebenso wie in neue Filialen in Borna, Greifenhain und Altenburg. 45 Mitarbeiter hat der Betrieb gegenwärtig, der auch Unternehmen wie Porsche und Leipzig und BMW im Leipziger Norden beliefert.

Gerhard Kalz hat sich etwas zurückgezogen. Er weiß das Unternehmen bei seinem Sohn Gerald Kalz, Tochter Katrin und Schwiegersohn Marcus Bierau in guten Händen. Die haben zu tun wie einst der Vater. Mit einem Unterschied. "Die Arbeit ist körperlich nicht mehr so anstrengend." Dafür muss sich die neue Kalz-Generation perfekt am Computer auskennen.

Die neuen Meister

Die neuen Meister rücken nach: 242 Meister und 16 Betriebswirte haben am Wochenende bei einem Festakt im Leipziger Gewandhaus ihre Meisterbriefe beziehungsweise Zeugnisse entgegen genommen. Bei der 24. Meisterfeier der Handwerkskammer Leipzig wurden sie von Angehörigen, Freunden sowie Vertretern aus Wirtschaft, Politik und Verwaltung gefeiert. Die Fachleute haben in ein sicheres „Wertpapier“ investiert, indem sie noch einmal die Schulbank gedrückt haben. In schwierigen Prüfungen mussten sie unter Beweis stellen, dass sie nicht nur handwerkliche Könner sind, sondern auch über die betriebswirtschaftliche Expertise verfügen, um auf modernen Märkten Schritt zu halten. Jeder dritte plant den Schritt in die Selbstständigkeit.
Claus Gröhn, Präsident der Handwerkskammer Leipzig und Hauptgeschäftsführer Volker Lux gratulierten den Absolventen. „Die Meisterausbildung ist eine einzigartige Qualifikation: die Kombination aus Fachwissen und Berufserfahrung, aus berufspädagogischer Kompetenz und gelebter Führung, aus Betriebswirtschaftslehre und praktischer Unternehmensführung. Die Meisterqualifikation ist daher die Basis für nachhaltige Unternehmensgründungen und die Ausbildung des Berufsnachwuchses. 95 Prozent der Lehrlinge im deutschen Handwerk werden in Meisterbetrieben oder in Betrieben mit gleichwertig qualifizierten Betriebsleitern ausgebildet“, so Gröhn. Bereits zum 24. Mal ehrte die Handwerkskammer junge Meister. Seit 1992 haben 7782 Fachleute ihren Meisterbrief in Leipzig erhalten.

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