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Borna "Flicken bringt nichts"
Region Borna "Flicken bringt nichts"
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14:00 19.05.2015
Der Ablass zwischen Borna und Deutzen erweist sich als Schwachstelle. Quelle: Thomas Kube

Die Probleme folgten auf dem Fuß: beim Ablassen der Wassermassen.

Die "Adria" kann durch natürliche Gegebenheiten nur zu einem geringen Teil wieder dort entleert werden, wo das Hochwasser eingelassen wird. Der übergroße Teil wird über zwei Leitungen, die zwischen Borna und Deutzen die Staatsstraße unterqueren, wieder der Pleiße zugeführt. Doch die im Durchmesser 1,20 Meter messenden Rohre des Grundablasses erwiesen sich einmal mehr als anfällig und als Nadelöhr. "Da war noch nie so viel Druck drauf", sagt Axel Bobbe, Leiter des Röthaer Betriebes der Landestalsperrenverwaltung. "Beim Entleeren gab es zwölf Rohrbrüche." Bobbe weiß, dass die Ende der 1970er Jahre verbauten Rohre schon damals nicht neu waren. In der DDR-Mangelwirtschaft hatte man das Material "von überall her zusammengeholt". Zudem wurde seinerzeit über den Wasserrohren eine Stromleitung verlegt. Fatal. Das Magnetfeld habe den stählernen Leitungen zugesetzt.

"Die Rohrleitungen zu flicken, bringt nichts", weiß Betriebschef Bobbe. "Wir wechseln sie komplett aus." Derzeit läuft das Ausschreibungsverfahren, die Angebote werden geprüft. Im Herbst soll mit dem Bau begonnen werden. Das Projekt wird etwa 1,5 Millionen Euro verschlingen und sich über den Winter hinziehen. Auch die Steuertechnik wird erneuert.

Zwar verfügen die Talsperrenmeister dann über einen sicheren Auslass, das eigentliche Problem ist damit aber nicht gelöst. Durch die zwei Rohre können in der Regel pro Sekunde gerade mal sechs Kubikmeter Wasser in die Pleiße geleitet werden. Nach der vorjährigen Juni-Flut dauerte es deshalb vier Monate, ehe die "Adria" wieder entleert war. Bobbe beschreibt die Konsequenzen: So war die Straße zwischen Blumroda und Regis monatelang überflutet und damit gesperrt. Ein Teil der unter Wasser stehenden Vegetation überstand den Stress nicht und ging ein. Sorgen macht bei einem langen Einstau auch die Wasserqualität in der "Adria": Vermischen sich schlechtes Pleißewasser und klares Seewasser, entstehen Blaualgen. "Auch wegen der Güte sollte das Wasser in sechs bis acht Wochen raus", erklärt Bobbe. Zudem erhöhe sich die Rutschungsgefahr im Uferbereich, wenn dort das Wasser lange steht, und in Regis-Breitingen und Deutzen steige das Grundwasser. Das Wichtigste aber: Kämen erneut starke Niederschläge, wäre der Speicher voll. "Wir müssen den Raum wieder schnell für den Hochwasserschutz frei machen", betont Bobbe.

Deshalb arbeitet die Talsperrenmeisterei an einem Projekt, um die Abgabekapazität zu erhöhen. Dabei wird auf Planungen aus dem Jahr 2007 aufgebaut. Sie zielen darauf, 50 Meter neben dem jetzigen Auslauf einen zweiten Grundablass zu errichten. Laut Bobbe soll ein drei Meter hoher und zwei Meter breiter Stollen gebaut werden, der ebenfalls Damm und Straße unterquert und mit einem zweiten Bedienhaus versehen wird. Im Damm entstehe ein Entnahmeturm mit Schieber. "Wir beantragen Anfang 2015 die Genehmigung", sagt Talsperrenmeister Bobbe. Er rechnet mit einem einjährigen Verfahren, so dass die europaweite Ausschreibung für den Sechs-Millionen-Euro-Bau 2017 denkbar sei. Die Genehmigung für das "hochprioritäre Projekt" müsse die Landesdirektion erteilen.

Erst wenn dieses Bauwerk fertiggestellt ist, kann die "Adria" schneller entleert werden. "Dann hätten wir einen Auslauf, der einigermaßen dem Volumen des Sees entspricht", sagt Bobbe. Die Leistungsfähigkeit des zweiten Auslaufs werde bei 15 Kubikmeter je Sekunde liegen.

Mehr wäre laut Bobbe auch nicht vernünftig. Zum einen verträgt die Pleiße höchstens 30 Kubikmeter je Sekunde, um nicht die flussabwärts liegenden Städte und Dörfer zu gefährden. Zum anderen darf der Wasserspiegel im Speicher laut Bobbe auch nicht zu schnell sinken. "Sonst provozieren wir Böschungsrutschungen."

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 01.08.2014
Frank Prenzel

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