Volltextsuche über das Angebot:

2 ° / -2 ° Schneeschauer

Navigation:
Google+ Instagram YouTube
"Flicken bringt nichts"

"Flicken bringt nichts"

Vor einem Jahr war das "Adria" genannte Speicherbecken Borna so voll wie nie zuvor. Bei der verheerenden Juni-Flut wurden unfassbare 35 Millionen Kubikmeter Pleißewasser eingestaut, damit war dieses Rückhaltebecken zu 80 Prozent gefüllt.

Voriger Artikel
Grünes Klassenzimmer in Bornaer Schule
Nächster Artikel
Viele Hürden vor der Ehe von Böhlen, Rötha und Espenhain

Der Ablass zwischen Borna und Deutzen erweist sich als Schwachstelle.

Quelle: Thomas Kube

Borna. Die Probleme folgten auf dem Fuß: beim Ablassen der Wassermassen.

Die "Adria" kann durch natürliche Gegebenheiten nur zu einem geringen Teil wieder dort entleert werden, wo das Hochwasser eingelassen wird. Der übergroße Teil wird über zwei Leitungen, die zwischen Borna und Deutzen die Staatsstraße unterqueren, wieder der Pleiße zugeführt. Doch die im Durchmesser 1,20 Meter messenden Rohre des Grundablasses erwiesen sich einmal mehr als anfällig und als Nadelöhr. "Da war noch nie so viel Druck drauf", sagt Axel Bobbe, Leiter des Röthaer Betriebes der Landestalsperrenverwaltung. "Beim Entleeren gab es zwölf Rohrbrüche." Bobbe weiß, dass die Ende der 1970er Jahre verbauten Rohre schon damals nicht neu waren. In der DDR-Mangelwirtschaft hatte man das Material "von überall her zusammengeholt". Zudem wurde seinerzeit über den Wasserrohren eine Stromleitung verlegt. Fatal. Das Magnetfeld habe den stählernen Leitungen zugesetzt.

"Die Rohrleitungen zu flicken, bringt nichts", weiß Betriebschef Bobbe. "Wir wechseln sie komplett aus." Derzeit läuft das Ausschreibungsverfahren, die Angebote werden geprüft. Im Herbst soll mit dem Bau begonnen werden. Das Projekt wird etwa 1,5 Millionen Euro verschlingen und sich über den Winter hinziehen. Auch die Steuertechnik wird erneuert.

Zwar verfügen die Talsperrenmeister dann über einen sicheren Auslass, das eigentliche Problem ist damit aber nicht gelöst. Durch die zwei Rohre können in der Regel pro Sekunde gerade mal sechs Kubikmeter Wasser in die Pleiße geleitet werden. Nach der vorjährigen Juni-Flut dauerte es deshalb vier Monate, ehe die "Adria" wieder entleert war. Bobbe beschreibt die Konsequenzen: So war die Straße zwischen Blumroda und Regis monatelang überflutet und damit gesperrt. Ein Teil der unter Wasser stehenden Vegetation überstand den Stress nicht und ging ein. Sorgen macht bei einem langen Einstau auch die Wasserqualität in der "Adria": Vermischen sich schlechtes Pleißewasser und klares Seewasser, entstehen Blaualgen. "Auch wegen der Güte sollte das Wasser in sechs bis acht Wochen raus", erklärt Bobbe. Zudem erhöhe sich die Rutschungsgefahr im Uferbereich, wenn dort das Wasser lange steht, und in Regis-Breitingen und Deutzen steige das Grundwasser. Das Wichtigste aber: Kämen erneut starke Niederschläge, wäre der Speicher voll. "Wir müssen den Raum wieder schnell für den Hochwasserschutz frei machen", betont Bobbe.

Deshalb arbeitet die Talsperrenmeisterei an einem Projekt, um die Abgabekapazität zu erhöhen. Dabei wird auf Planungen aus dem Jahr 2007 aufgebaut. Sie zielen darauf, 50 Meter neben dem jetzigen Auslauf einen zweiten Grundablass zu errichten. Laut Bobbe soll ein drei Meter hoher und zwei Meter breiter Stollen gebaut werden, der ebenfalls Damm und Straße unterquert und mit einem zweiten Bedienhaus versehen wird. Im Damm entstehe ein Entnahmeturm mit Schieber. "Wir beantragen Anfang 2015 die Genehmigung", sagt Talsperrenmeister Bobbe. Er rechnet mit einem einjährigen Verfahren, so dass die europaweite Ausschreibung für den Sechs-Millionen-Euro-Bau 2017 denkbar sei. Die Genehmigung für das "hochprioritäre Projekt" müsse die Landesdirektion erteilen.

Erst wenn dieses Bauwerk fertiggestellt ist, kann die "Adria" schneller entleert werden. "Dann hätten wir einen Auslauf, der einigermaßen dem Volumen des Sees entspricht", sagt Bobbe. Die Leistungsfähigkeit des zweiten Auslaufs werde bei 15 Kubikmeter je Sekunde liegen.

Mehr wäre laut Bobbe auch nicht vernünftig. Zum einen verträgt die Pleiße höchstens 30 Kubikmeter je Sekunde, um nicht die flussabwärts liegenden Städte und Dörfer zu gefährden. Zum anderen darf der Wasserspiegel im Speicher laut Bobbe auch nicht zu schnell sinken. "Sonst provozieren wir Böschungsrutschungen."

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 01.08.2014
Frank Prenzel

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Borna
Borna in Zahlen

Bundesland: Sachsen

Landkreis: Leipzig

Fläche: 62,44km²

Einwohner: 20.382 Einwohner (Dezember 2016)

Bevölkerungsdichte: 326 Einwohner/km²

Postleitzahl: 04552

Ortsvorwahlen: 03433

Stadtverwaltung: Markt 1, 04552 Borna

Ein Spaziergang durch die Region Borna
  • Zeitung in Schulen

    Herzlich willkommen bei den Schulprojekten der Leipziger Volkszeitung und ihrer Regionalausgaben. mehr

  • Leserreisen
    Leserreisen

    Kreuzfahrt in der Karibik, Städtetour durch die Toskana oder Busreisen in Deutschland - die Leserreisen der LVZ bieten für jeden Anspruch genau das... mehr

  • LVZ-Kreuzfahrtmesse
    Infos zur LVZ-Kreuzfahrtmesse

    Willkommen an Bord: Am 22. Oktober 2017 luden LVZ und Vetter Touristik zur 1. Kreuzfahrtmesse ein. Hier gibt es einen Rückblick. mehr

  • LVZ-Fahrradfest 2018
    Logo LVZ-Fahrradfest

    Das 14. LVZ-Fahrradfest lädt am 29. April 2018 wieder Radler ein, gemeinsam in die Pedalen zu treten. Alle Infos zum Event finden Sie in unserem Sp... mehr

20.01.2018 - 07:06 Uhr

Chemie Böhlen blickt auf eine wechselvolle Geschichte zurück und hofft jetzt auf den Klassenerhalt in der Kreisoberliga

mehr
  • VDE 8 - Alle Infos und Fakten

    Am 10. Dezember eröffnete Deutschlands größte Bahnbaustelle, das Verkehrsprojekt Deutsche Einheit Nr. 8 - hier gibt es Infos, Hintergründe und Foto... mehr

  • Panometer Leipzig - Dresden
    Panometer Leipzig: Alle Infos zum "Titanic" und den weiteren Panoramaprojekten von Yadegar Asisi

    Erfahren Sie im Special von LVZ.de alles zu den Panoramen "Titanic" und "Dresden im Barock" mehr

  • Zoo Leipzig
    Zoo Leipzig

    Infos und Events aus dem Zoo Leipzig sowie zahlreiche Bilder aller Vierbeiner und der geflügelten Zoobewohner. mehr

  • Jahrtausendflut 2002

    Entlang von Mulde, Elbe und Pleite brach im August 2002 eine verheerende Flutkatastrophe herein. Die LVZ zeigt eine Bestandsaufnahme. mehr