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Borna Flüchtling aus Borna: „Köln war Attacke auf mein Deutschland“
Region Borna Flüchtling aus Borna: „Köln war Attacke auf mein Deutschland“
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00:27 18.01.2016
Der Student Saleh Muhammad, Asylbewerber in Borna, möchte deutlich machen, dass Flüchtlinge keine homogene Truppe sind, sondern aus verschiedenen Gründen nach Deutschland kamen. Quelle: Andreas Döring
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Borna

„Was in Köln passiert ist, ist schrecklich für die Opfer und schadet allen Flüchtlingen in Deutschland so sehr“, sagte Saleh Muhammad. Der 22-Jährige aus Afghanistan ist selbst Asylbewerber, seit zwei Monaten in Deutschland. Über einen Bornaer Sozialarbeiter hat er um einen Termin mit der Presse gebeten, weil ihn die Geschehnisse sehr bewegen würden.

„Die Täter sind Kriminelle, die schnell bestraft werden müssen“, meinte er. Die Vorkommnisse seien eine Attacke auf sein Gastland, „meine Deutschland-Familie“, daher fühle er sich betroffen. Seiner Meinung nach müssten Flüchtlinge differenzierter gesehen werden. Der junge Mann spricht Englisch, Deutsch lernt er seit wenigen Wochen. Es gebe „real and not real refugees“, also wirkliche Flüchtlinge, die in ihrem Heimatland um ihr Leben rannten, und solche, die aus anderen Gründen kamen. Er selbst wolle sich einbringen, durch ein Netzwerk der Universität Leipzig und zwei Bücher, die er gerade schreibt – für Deutsche und Asylbewerber.

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Saleh Muhammad erzählt die Geschichte seiner Flucht so: Seine Familie wohnte in einer afghanischen Stadt an der Grenze zu Pakistan. Er selbst studierte Wirtschaft in Pakistan, wo sein Onkel lebte. An seine Heimatanschrift war der Brief der Taliban adressiert, worin er aufgefordert wurde, der Organisation beizutreten. Die Islamische Talibanbewegung Afghanistans agierte als Miliz und beherrschte große Teile des Landes. „Ich habe das damals nicht ernst genommen, alle jungen Männer in Afghanistan bekommen so einen Brief. Ich bin wieder nach Pakistan und habe weiter studiert“, erzählte er. Fünf Semester hatte er schon hinter sich, drei sollten noch folgen. Doch nun erhielt er auch Post bei seinem Onkel in Pakistan, mit der Bemerkung, dass man ihn kenne und wisse, wo er sei. Kurze Zeit später sei sein Vater und sein jüngerer Bruder entführt worden. Man habe ihn wissen lassen, dass sie frei kommen, wenn er der Taliban beitrete. Sein Onkel habe ihm geraten, schnell zu fliehen, er wolle sich um die Entführten kümmern. Inzwischen seien beide wieder frei, seine Familie wohne aber nicht mehr in Afghanistan, sondern sei zum Onkel nach Pakistan gezogen.

Seit einem Monat lebt der Afghane im Bornaer Asylbewerberheim. Er bekam Kontakt zum Projekt Chance for Science, einer Plattform für geflüchtete Akademiker und Studenten. Dies ist eine Initiative des Lehrstuhls für Betriebswirtschaftliche Steuerlehre der Universität Leipzig. Das Netzwerk will Flüchtlingen den Zugang zu Literatur und Bibliotheken, zu Wissenschaft und Kollegen erleichtern, sie zu Gastvorlesungen und Veranstaltungen von Forschungseinrichtungen einladen.

Dadurch kann Saleh Muhammad die Deutsche Nationalbibliothek in Leipzig nutzen, trifft sich mit anderen Studenten. Regelmäßig sei er auch in Asylbewerberheimen unterwegs, um Ausländer über dieses Netzwerk zu informieren, wie er berichtete. Außerdem schreibt er an zwei Büchern, die Flüchtlingen und Deutschen die jeweils andere Sicht zeigen sollen. Der eine Text heißt „Wer sind die Flüchtlinge?“. Darin erzählt er von seiner viermonatigen Flucht. Es gehe darum, warum die Menschen hier her kommen, ob sie um ihr Leben fürchten mussten oder ob es rein wirtschaftliche Gründe waren, so Muhammad. Er möchte deutlich machen, dass das keine homogene Gruppe, sondern ganz verschiedene Motivationen sind. Auch beschreibe er, was die Bibel und der Koran über Flüchtlinge sagen.

Der zweite Text sei für Asylbewerber gedacht, geschrieben in Englisch, Persisch und Urdu, das in Pakistan und Indien gesprochen wird. Darin soll Ausländern die deutsche Kultur, ihre Werte und Regeln erklärt werden, es soll eine Art Wegweiser sein. Nach Meinung des afghanischen Studenten würde ein Teil der Flüchtlinge mit den Werten dieses Landes viel zu lax umgehen: „Das muss Deutschland von ihnen stärker einfordern.“

Von Claudia Carell

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