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Flut vernichtet die Ernte der Pegauer Gärtnerei Schladitz

Flut vernichtet die Ernte der Pegauer Gärtnerei Schladitz

Die Sonne scheint friedlich auf den großen Hof. Kaum zu glauben, was sich hier im Pegauer Gartenbaubetrieb von Steffen Schladitz in den vergangenen Tagen abspielte.

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Gartenbauer Steffen Schladitz zeigt die Folgen des Hochwassers. Die braunen Fluten haben den Blumenkohl verdorben.

Quelle: Hartmut Karich

Pegau. Aber das Wasser, das noch hoch auf den Gemüsefeldern steht, bringt die Realität zurück. Die Flut hat die gerade begonnene Ernte fast vollständig vernichtet.

 

 

Steffen Schladitz (48) wirkt erstaunlich gefasst. Vielleicht liegt es auch daran, dass er mehrere Tage kaum geschlafen hat. Eine Achterbahn, ein Wechselbad, ein Gefühl zwischen Ohnmacht, Trotz, Dankbarkeit und dem festen Willen, nicht aufzugeben. "Natürlich geht es weiter", sagt er, und seine Frau Iris (44) nickt mit dem Besen in der Hand.

Schäferhund Lucky wacht inzwischen wieder im Zwinger, er war bei der Mutter untergebracht. Nur wenige Schritte weiter zeigt sich das ganze Ausmaß der Katastrophe. Die Felder gleich hinterm Hof neben der Bundesstraße 2 Richtung Elstertrebnitz stehen noch immer unter Wasser. "Drei Hektar Erdbeeren, Kohlrabi und Salat, alles weg", sagt der Gärtnermeister traurig.

 

 

Das Wasser des Elstermühlgrabens kam aus Südwesten, unerbittlich und unaufhaltsam. "Den ganzen Sonntag über habe ich vor den Feldern noch einen Damm gebaut und versucht, die Fluten aufzuhalten. Vergeblich." Auch die Folienzelte wurden geflutet.

 

 

Seit vier Generationen gibt es den von Urgroßvater Julius Schladitz um 1918 gegründeten Gartenbaubetrieb. "Aber selbst das Mega-Hochwasser von 1954 hat der Hof unbeschadet überstanden", blättert Steffen Schladitz gedanklich in der Familienchronik. Er leitet die Firma seit 1992.

 

 

An diesem ersten Juni-Wochenende 2013 war alles anders. Das Grundwasser drückte in den Keller, das Haus drohte überflutet zu werden. Am Sonntagabend fuhr Steffen Schladitz in großer Eile auf den Bauhof der Elsterstadt, um Sandsäcke zu holen. Dort fragten die Helfer besorgt nach, spürten die Not. "Im Nu waren wenig später um die 50 Menschen auf unserem Hof und halfen dabei, eine Sandsackmauer um das Haus zu stapeln. Einige kannte ich gar nicht. Was für eine Hilfsbereitschaft. Das war unglaublich. Da hatte ich plötzlich Gänsehaut."

 

 

Die in Rekordzeit wachsende Mauer aus Sandsäcken rettete das Gebäude. "Wahnsinn. Danke, danke, danke an alle - an die Familie, an die Freunde, an die unbekannten Helfer", kommt bei Steffen Schladitz noch einmal die Erinnerung an die dramatischen Stunden hoch. Dann hieß es vor allem Warten, bis sich das Wasser endlich zurückzieht. Tag und Nacht die Pumpen kontrollieren, den Hof säubern, retten, was noch zu retten ist und das ganze Ausmaß der Schäden realisieren. "Unsere insgesamt 16 Hektar Anbaufläche waren fast vollständig überflutet. Und das gerade jetzt, wo die Ernte begonnen hat", so Schladitz.

 

 

Viele Hürden stehen auf dem Weg des Neuanfangs. "Jetzt müssen erst die Böden kontrolliert und analysiert und Wasserproben genommen werden. Das kostet viel Geld. Viele Ausgaben, keine Einnahmen", blickt der Gärtnermeister auf die Herausforderungen der kommenden Wochen. "Die Felder müssen umgepflügt und neu bepflanzt werden. Natürlich wird in diesem Jahr wieder etwas wachsen", fügt er dann kämpferisch hinzu.

 

 

Am Mittwoch war Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner in der hiesigen Region unterwegs, um sich einen Eindruck von den Hochwasserschäden zu verschaffen. Dabei besuchte sie auch den Betrieb von Steffen Schladitz. "Sie hat schnelle Hilfe versprochen. Das ist unsere große Hoffnung. Es muss ja weitergehen."

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 08.06.2013

Prenzel, Frank

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