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Folterprozess: Das Opfer „in ständiger Angst“

Folterprozess: Das Opfer „in ständiger Angst“

Er brach während seiner mehrstündigen Vernehmung am Landgericht immer wieder in Tränen aus und rang um seine Fassung. Der ehemalige Häftling der Jugendstrafanstalt (JSA) Regis-Breitingen hat die beiden Angeklagten im Prozess um Folter gestern schwer belastet.

Leipzig/Regis-Breitingen. Den Männern im Alter von 17 und 26 Jahren wird unter anderem versuchter Mord angelastet.

Der 19-Jährige, der als Wagenschieber in einem Supermarkt arbeitet, ist eigenen Angaben zufolge noch immer in psychiatrischer Behandlung. Folge eines Martyriums, das Anfang Mai 2008 im F-Haus der Anstalt begann. Er schilderte, wie er im Duschraum mit heißem Wasser übergossen wurde. „Ich hatte höllische Schmerzen. Es brannte wie Feuer“, erinnerte er sich. Er sei damals schreiend zu Boden gegangen. Nouredine F., damals 15 Jahre alt, habe sich hinterher entschuldigt und behauptet, dass es aus Versehen passiert sei.

Tage später habe ihm der Insasse ohne Vorwarnung auf den Brustkorb geschlagen. Bei üblen Spielchen in seiner Zelle wurde der junge Mann, der wegen dreifachen Schwarzfahrens eine halbjährige Strafe absaß, gedemütigt, ausgelacht, in einem Fall mit SS-Runen bemalt. „Mein Ego war angekratzt“, erinnerte sich der Geschädigte. Der Angeklagte Patrick B. habe ihm Tipps gegeben, wie er sich töten könne.

Mit dem eigenen Anstaltsgürtel sollte er sich strangulieren. Nach zwei abgebrochenen Versuchen hätten seine Peiniger erklärt, dass sie „jetzt selbst Hand anlegen wollen“. Das Opfer wurde seinen Schilderungen zufolge mit einem Messer in Schach gehalten. „Ich steche dir die Augen aus oder schneide dir die Ohren ab“, habe der Angeklagte Nouredine F. gedroht. Komplize Patrick B. habe ihm die Schlinge um den Hals gelegt, so das Opfer. In Todesangst gelang es dem jungen Mann, sich zu wehren. Als beide Verstärkung holen wollten, sei er nach draußen zum Beamtenzimmer geflüchtet. „Ich wollte einfach weg“.

„Warum haben Sie die Vorfälle nicht eher gemeldet?“, fragte der Vorsitzende Richter Norbert Göbel. Nach einer Vergewaltigung im Gefängnis (dem Vernehmen nach nur kurz zuvor) habe er „in ständiger Angst“ gelebt, so der Zeuge. Die Tür des Dienstzimmers sei immer geschlossen gewesen, erklärte er auf Nachfrage des Gerichts. „Geräusche hätte sicher niemand gehört.“ Das Opfer war unter anderem gezwungen worden, den Ruf einer Eule nachzuahmen.

Der Prozess, der ursprünglich am 10. Februar enden sollte, wird sich länger als erwartet hinziehen. Das Gericht verständigte sich mit den Prozessbeteiligten auf vier weitere Verhandlungstage bis 14. April. Grund für die Verzögerungen lieferte auch gestern der psychiatrische Gutachter Michael Günter aus Tübingen, der schon am ersten Prozesstag fehlte. Nachdem er zunächst den Termin vergessen hatte, konnte er vorgestern Abend wegen einer Notlandung nicht am Flughafen Stuttgart abfliegen. Das Wetter sorgte dann gestern Morgen für weitere Verzögerungen, sodass erst ab Mittag verhandelt werden konnte. Eine Unverschämtheit, entfuhr es dem Vorsitzenden. Mit ziemlicher finanzieller Tragweite: Denn etliche Zeugen von außerhalb müssen nochmals geladen werden. Dies müsse alles der Sachverständige zahlen, hieß es. Er kann für derlei mit einer Geldstrafe von bis zu 1000 Euro belangt werden. Ein theoretischer Fall, der praktisch noch nicht vorkam.

Saskia Grätz

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