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Borna Freier Jugendstrafvollzug: Seehaus kann sich mit Umzug an Hainer See Zeit lassen
Region Borna Freier Jugendstrafvollzug: Seehaus kann sich mit Umzug an Hainer See Zeit lassen
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Das Nordufer des Hainer Sees bei Espenhain. Der Standort, an dem das Seehaus gebaut werden soll, befindet sich unterhalb der in den See ragenden Nase. Quelle: Andreas Döring
Neukieritzsch/Kahnsdorf/Störmthal

Der Seehausverein andererseits machte Druck, wollte so schnell wie möglich bauen, weil er mit seiner Einrichtung eigentlich Ende dieses Jahres aus dem Übergangsquartier in Störmthal raus sollte. Jetzt stellt sich die Situation nach aktuellen Entscheidungen in Großpösna und Störmthal plötzlich ganz anders dar. Seehaus kann sich nun Zeit mit dem Bauen lassen, der Verein kann sich sogar überlegen, ob er überhaupt an den See kommt, wo ihm nach wie vor Ablehnung entgegen schlägt.

Der Gemeinderat von Großpösna hat beschlossen, dass der Strafvollzug in freien Formen bis Ende 2018 im Lutherstift bleiben darf, damit der Verein genug Zeit für den Neubau am Hainer See und den Umzug dorthin hat. Noch weiter geht eine Umfrage, die der Ortschaftsrat Störmthal in dem Großpösnaer Ortsteil durchgeführt hat. Dabei ging es um die Frage, ob Seehaus auch dauerhaft in Störmthal bleiben könne. Von 180 an die Haushalte verteilten Zetteln wurden 67 zurückgegeben, in 51 Fällen wurde Ja angekreuzt.

Seehaus-Chef Tobias Merckle freut sich über diese Signale und besonders darüber, dass aus anfänglichen Gegnern Befürworter geworden sind. "Die ursprünglichen Befürchtungen sind nicht eingetroffen und gleichzeitig empfinden viele, dass wir eine Bereicherung für den Ort geworden sind und uns positiv einbringen", stellt Merckle fest. Störmthals Ortsvorsteher Marc Etzold bestätigt diese Sicht. Sorgen und Ängste im Zusammenhang mit dem freien Strafvollzug hätten sich nicht bestätigt, die Einrichtung und ihre Mitarbeiter und Bewohner seien zu einer Bereicherung für den Ort geworden. Ob Seehaus in Störmthal bleibe, müsse der Verein jetzt selbst entscheiden.

Die neue Option, sagt Merckle, werde geprüft. Angesichts vieler Unsicherheiten und der Notwendigkeit, in Störmthal einen Bebauungsplan aufzustellen, stellt er fest: "Am Hainer See sind wir schon viel weiter und haben sechs Jahre für den B-Plan gekämpft." Der Platz am See sei ein idealer Ort, deswegen wolle man, so formuliert es Merckle, "die Prozesse weiter vorantreiben und wir hoffen, dass wir spätestens im Frühjahr mit dem Bau beginnen können".

Aus Sicht von Michael Günther aus Kahnsdorf, der während des Bürgerentscheides Vertrauensperson der Seehausgegner war, haben die Sympathiebekundungen für das Gefangenenprojekt noch einen ganz anderen Grund, nämlich die Bedenken, das Objekt könnte nach dem Seehaus-Auszug zu einer Flüchtlingsunterkunft umfunktioniert werden. Marc Etzold schließt dies als Grund für die vom Ortschaftsrat initiierte Umfrage allerdings aus. Dass der Verein sich jetzt Zeit lässt und möglicherweise über einen Verbleib in Störmthal nachdenkt, nährt bei Günther die Hoffnung, "dass der Widerstand gefruchtet hat." Tobias Merckle, sagt Günther, müsse nämlich wissen, dass die Voraussetzungen für ein gutes Miteinander nicht gegeben sind.

André Neumann