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Borna Freier Strafvollzug: Prisma-Verein hat jetzt Lutherstift in Störmthal im Auge
Region Borna Freier Strafvollzug: Prisma-Verein hat jetzt Lutherstift in Störmthal im Auge
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06:00 19.03.2011
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Ohne Zaun, aber mit straffen Erziehungsmethoden will der Verein die schweren Jungs aus der Jugendstrafanstalt Regis-Breitingen für die Zeit danach fit machen. Am Neubau des sogenannten Vollzuges in freien Formen am Bockwitzer See hält er aber fest.

„Ich kann nichts ausschließen. Ich kann nur etwas über Wahrscheinlichkeiten sagen, und danach gibt es keine Gefahr." Tobias Merckle kennt die Diskussion. Seit zwei Jahren sucht der geschäftsführende Vorsitzende des Prisma-Vereins gemeinsam mit seinem Projektleiter Michael Richter in Sachsen nach einem Domizil für seine Idee.

Der jüngste Sohn des Ratiopharm-Gründers Adolph Merckle, der sich 2009 auf dem Höhepunkt der Finanzkrise das Leben nahm, hat sich während seiner Studienzeit in Strafanstalten in der ganzen Welt umgesehen. Sein Resümee: Kriminelle Jugendliche müssen fern von Gefängnismauern, außer Reichweite negativer Subkulturen und in familienähnlichen Strukturen auf ein Leben in der Gesellschaft vorbereitet werden. 2003 gründete er das Seehaus Leonberg für einen Strafvollzug in freien Formen. Voraussetzung war die Änderung des Jugendstrafgesetzes in Baden-Württemberg. Als zweites Bundesland zog Sachsen Ende 2008 nach. Das Dresdner Justizministerium beauftragte Prisma mit der zeitnahen Umsetzung.

Indes: „Wo wir hinkommen, gibt es Widerstand", räumt Merckle vor den 100 Störmthalern, die im Sportzentrum Antworten auf ihre Fragen haben wollen, ein. Schon einige Tage kursierten in dem 500-Seelen-Dorf Gerüchte. „Ich kann mich nur entschuldigen, dass unnötige Ängste aufgekommen sind", sagt Ortsvorsteherin Doris Parentin. Mit den potenziellen Nachbarfamilien Luft und Neidhold war sie letzte Woche in Leonberg. „Ich bin sehr angenehm überrascht", gesteht sie.

Richter ist erleichtert bei solchen Aussagen. Aber die Sorge, dass es wie zuvor am Hainer und Bockwitzer See schiefgehen könnte, ist groß. Dort hatte sich im vergangenen Jahr die Bürgerinitiative „Borna steht auf" gegen das Projekt gestemmt. Da half auch nicht, dass Oberbürgermeisterin Simone Luedtke (Linke) und die Mehrzahl der Stadträte dem Projekt - bis heute - positiv gegenüberstehen.

„Die Störmthaler sind kritisch, aber für eine sachliche Diskussion offen", schätzt Richter ein. Der Sozialpädagoge hat in den letzten Tagen an jeder Haustür geklopft, Gespräche geführt und Flyer übergeben. Seine Hoffnung liegt ganz auf Störmthal und dem Lutherstift. Das Gebäude an der Staatsstraße nach Espenhain gehört der Diakonie Leipzig und steht seit 2006 meist leer. „Es würde sich gut eignen", sagt Richter. Allerdings handele es sich um eine Interimslösung. „Langfristig wollen wir einen Neubau für bis zu 20 Jugendliche", so Merckle. Vorgesehen sei das nach wie vor am Bockwitzer See.

In sieben Jahren Leonberg wären sieben Männer getürmt, drei wegen kleiner, hausinterner Gewaltdelikte zurück ins Gefängnis geschickt worden, antwortet Merckle auf eine Frage. Manchem, der sich freiwillig für das Projekt gemeldet habe, sei die Variante „Erziehung statt Knast" letztlich zu anstrengend, ergänzt er. Die Diskussion hat in Störmthal gerade begonnen. Ob der erste Jugendliche wirklich wie angekündigt im August ins Lutherstift einziehen kann, ist offen.

Ulrike Witt

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