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Borna Friedlicher Protest in Rötha
Region Borna Friedlicher Protest in Rötha
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15:15 19.05.2015
In der August-Bebel-Straße musste die Polizei kurz einschreiten, weil die Teilnehmer entgegen der festgelegten Route unterwegs waren. Quelle: Thomas Kube

Das Thema spaltet, zeigte der Abend in Rötha. Es blieb ruhig.

Die Kälte dieses Novemberabends hat die aufrechten Bürger nicht aufhalten können. Rötha ist auf den Beinen. Am Mehrgenerationenhaus in der Straße der Jugend formiert sich friedlicher Widerstand, zu dem der Verein Bon Courage aufgerufen hat. Viele Röthaer sind gekommen, Stadträte aller Fraktionen, der Bürgermeister, Leute, die sich für menschenwürdige Bedingungen der Asylbewerber einsetzen, sich gegen Rassismus auflehnen und gegen Leute protestieren, die letzteren schüren. Das andere Lager hat sich auf dem Markt in Stellung gebracht. Die sogenannte Bürgerinitiative "Rötha wehrt sich" bedient sich rechtsorientierter Wortführer, die zum verbalen Rundumschlag gegen Landkreis, Stadt und Medien ausholen und keinen Hehl daraus machen, welcher Gesinnung sie sind. Grüppchenweise verteilt verfolgen einige Röthaer deren Kundgebung. "Was der Landrat Gey gemacht hat, ist nicht in Ordnung", spricht ein 61-jähriger Mann die fehlende Information zur Aufnahme der Asylbewerber an. "Ich habe kein Problem mit Ausländern, so lange sie nicht mausen gehen", sagt ein Rentner (70) und regt sich darüber auf, dass man in eine braune Ecke geschoben werde, wenn man so etwas sagt. Eine 69-jährige Seniorin, die eigenen Worten zufolge 50 Jahre gearbeitet hat, erregt sich: Sie habe "ein Problem mit Leuten, die auf unsere Kosten leben." Die Einwanderungspolitik müsse geändert werden.

Die Polizei - überwiegend Kräfte der Bereitschaftspolizei aus Leipzig - sorgt dafür, dass sich die Demonstrationszüge nicht direkt begegnen. Diese Taktik geht auf - in der Nähe des Hotels stehen die einen auf der einen, die anderen auf der anderen Seite. Die Bon-Courage-Leute lassen Betroffene aus dem Asylbewerberheim in Thräna zu Wort kommen, die über Probleme mit Gutscheinen, die nicht in jedem Geschäft einlösbar sind, ihre Diskriminierung und ihre Ängste auf der Straße reden.

Auch andere Teilnehmer finden sehr deutliche Worte: Die Röthaer Kinderärztin Dr. Gudrun Schleicher: "Im Asylbewerberheim in Borna sieht es schlimmer aus als im Knast in Regis. Wenn wir die Leute schlechter als Hunde halten, müssen wir uns nicht wundern, dass etwas schiefläuft", kritisiert sie die Verhältnisse.

Am Eingang des Hotels hat der Kirchenchor für drei Stunden Stellung bezogen. Tapfer singen die Frauen und Männer unter Leitung von Kantorin Elisabeth Höpfner Lieder wie "Sonne der Gerechtigkeit" und "Die Gedanken sind frei". Als das Gegröle in unmittelbarer Nähe lauter wird, singen sie mit dem Kanon "Dona nobis pacem" dagegen an. Ein paar Asylbewerber - Serben, Tschetschenen und Marokkaner - kommen mit raus und hören eine Zeit lang zu. "Sie werden merken, dass wir ihnen freundlich gesonnen sind", sagt Höpfner und kündigt an, dass der Kontakt weiter gepflegt werde. Eine Familie mit Säugling soll in den nächsten Tagen ankommen. Dann wolle der Chor wieder vorbeischauen, um sich besser kennenzulernen. Ein Anfang ist gemacht.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 16.11.2013
Saskia Grätz

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