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Frohburger Schüler erkunden den Tagebau „Vereinigtes Schleenhain“

Zeitungsprojekt Frohburger Schüler erkunden den Tagebau „Vereinigtes Schleenhain“

Im Rahmen einer LVZ-Aktion sind die Jugendlichen mit einem geländegängigen Lkw durch verschiedene Abbauflächen gefahren und dabei in Tuchfühlung mit gigantischer Technik geraten. Das Wetter verhinderte allerdings ein Treffen mit den schwersten Landfahrzeugen der Erde.

Haben kürzlich eine Exkursion in den Tagebau Vereinigtes Schleenhain gemacht: die 8a und 8b von der Maxim-Gorki-Oberschule aus Frohburg.

Quelle: Mathias Klöppel

Pödelwitz/Böhlen/Frohburg. Eine karge, bizarre Mondlandschaft, die sich wie ein Trichter tief in das Gelände gräbt. Auf mehreren Ebenen reißen gewaltige Maschinen unermüdlich die Erde auf, fressen sich gierig in den Untergrund. Wie Adern durchziehen kilometerlange Förderbände das grau-braune Terrain. Der Boden ist schlammig vom morgendlichen Regen. Einige Jugendliche waten dennoch hindurch – ausgestattet mit orangenen Helmen und Schutzbrillen, laufen bis zum Abgrund, schauen und staunen.

 

Ein scheinbar unwirkliches Szenario, das Schulklassen des Beruflichen Schulzentrums Leipziger Land in Böhlen sowie der Frohburger Maxim-Gorki-Oberschule in diesen Wochen durchlebt haben. Und doch ist es jeweils ein reales Abenteuer gewesen. Im Rahmen der LVZ-Aktion „Schüler lesen Zeitung“, bei dem die Mitteldeutsche Braunkohlengesellschaft Partner ist, haben die Jungen und Mädchen dem Tagebau Vereinigtes Schleenhain einen Besuch abgestattet, sind mit einem geländegängigen Lkw durch verschiedene Abbauflächen gefahren und dabei auf Tuchfühlung mit gigantischer Technik gegangen.

Im Mannschaftstransportwagen sitzen die 8a und 8b der Maxim-Gorki-Oberschule, insgesamt 38 Real- und Hauptschüler. Die Vorfreude auf die Tour ist groß, besonders bei Fynn Heuser – nicht nur, weil auch er Neuland betritt. Der Teenager feiert zugleich seinen 14. Geburtstag. „Schön, an einem solchen Tag nicht die ganze Zeit in der Schule zu sitzen.“ Lucas Herbst (15) hat sich vorab kaum damit befasst, was auf ihn zukommt. Stattdessen möchte er sich überraschen lassen. So wie auch Niclas Kuhnitzsch (13) neben ihm. Dass beide wie ihre Klassenkameraden im Anschluss einen Bericht schreiben müssen, sei kein Problem. „Wenn man es machen muss, macht man es halt“, sagt Niclas lapidar.

„Glück Auf“ sagt man auch über Tage

Dann startet der Dreiachser die Fahrt, rollt durch das für die Schüler weitgehend unbekannte Areal. „Ich glaube, hier wird es ordentlich ruckeln“, flüstert jemand in den hinteren Reihen. Der Weg führt zunächst über geteerte Straßen, umrandet von felsigen Reliefs, Sandhaufen und steilen Hängen. „Alles Erdmassen aus der Tiefe“, weiß Lothar Stahl. Der 63-Jährige ist als ehrenamtlicher Besucherbetreuer für die Mitteldeutsche Braunkohlengesellschaft (Mibrag) mit an Bord, hat zuvor sein Publikum mit einem fröhlichen „Glück auf!“ begrüßt – das sagt man sich also auch über Tage.

Erste Station: der Innenaussichtspunkt im Abbaufeld Schleenhain, extra für Gästegruppen angelegt. Es nieselt. Der Herbstwind faucht und zaust, zerrt unerbittlich an den Haaren. Unterschwellig sind monotone Rollengeräusche zu hören. Stahl erklärt den Schülern an mehreren Schautafeln die Entstehung der Braunkohle, spricht über den Aufschluss des Tagebaus 1949, den größten Schmalspurbahnbetrieb Europas, mit dem Kohle und Abraum bis 1994 transportiert wurden, beschreibt die heutigen Bandanlagen und den Massenverteiler.

Wie entsteht Braunkohle

Testet er das Wissen seiner Zuhörer, weiß vor allem der 13-Jährige Tim Kruppe Antworten zu geben. „Die müssen luftdicht abgeschlossen sein“, erwidert der wissbegierige Junge auf die Frage, was passieren muss, damit aus abgestorbenen Bäumen Kohle entsteht, gefolgt von einem freudigen Ausruf: „Das habe ich in Geografie gehabt.“ Tims Cousin arbeitet bei der Mibrag. Der habe ihm viel über das Tagebau-Geschehen erzählt und so dessen Interesse am Thema geweckt.

Nach dem Aussichtspunkt zuckelt der Lkw durch unwegsames Gelände, vorbei an mächtigen Metallkonstruktionen. „Boah, cool“, „Wow“ und „Ooh“ bekunden die Frohburger Schüler in regelmäßigen Abständen ihre Begeisterung. In die Nähe eines Schaufelradbaggers kommen sie wetterbedingt nicht. Stattdessen steigen sie auf der Arbeitsebene eines Absetzers aus, stapfen dort durch den sandig-matschigen Boden, filmen mit dem Handy, machen Selfies. „Der Absetzer verkippt den Abraum in das ausgekohlte Gelände“, führt Reiseleiter Lothar Stahl aus. So werde der Tagebau schrittweise wieder aufgefüllt.

Bei den Umkleidekabinen der Bergleute verlassen die Jungen und Mädchen das Fahrzeug ein weiteres Mal – und trauen beinahe ihren Augen nicht, als sie einen Blick hinein werfen. Die Arbeitskleidung wird nicht in Spinden aufbewahrt, sondern hängt an Ketten befestigt frei unter der Decke. „Das ist notwendig, damit alles zügig trocknet“, sagt Stahl. Ein riesiges Gebläse beschleunigt den Vorgang.

Ein ganzes Arbeitsleben im Tagebau

Insgesamt fast zweieinhalb Stunden lang schildert der Ehrenamtler locker, humorvoll und geduldig sowie mit einem schier unermüdlichen Informationsfluss die Abläufe im Tagebau. Woher das viele Wissen? „Mein gesamtes Leben stehe ich in Kontakt mit dem Kohleabbau“, kommentiert er. Bis 60 Meter seien die Bagger einmal an sein Haus herangerückt. Der Brillenträger mit dem schütteren Haar ist zugleich Ortsbürgermeister von Reuden in der Gemeinde Elsteraue, Sachsen-Anhalt.

Gegen Ende der Tour sinkt die Aufmerksamkeit der Schüler etwas. Allein die Lagerstätte der abgetragenen Braunkohle sorgt noch einmal für viele staunende Gesichter. „Es war sehr interessant“, findet Jo Demmler (14), als die Gruppe wieder an den Tagesanlagen bei Pödelwitz gelandet ist. „Ein schöner Ausflug“, pflichtet ihm Hannes Herrmann (15) bei. Die drei Lehrerinnen Janine Hübner, Michelle Steiniger und Marion Winter sind ebenfalls voll des Lobes. „Die Schüler haben viel Input bekommen. Es ist toll, dass sie ihr Wissen aus dem Unterricht auch anwenden konnten“, freuen sie sich unisono.

Von Matthias Klöppel

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