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Borna Frühreifes Getreide muss schnell vom Halm
Region Borna Frühreifes Getreide muss schnell vom Halm
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04:45 06.07.2018
Rund drei Wochen früher als üblich erntet die Agrargenossenschaft Pötzschau ihren Raps. Kampagneleiter Nico Künzel betrachtet sorgenvoll eine Pflanze. Quelle: André Neumann
Rötha/Pötzschau

Das Getreide ist in diesem Jahr frühreif. Wo man hinschaut, wird Feld für Feld vorfristig abgeerntet. Auch die Landwirte der Agrargenossenschaft Pötzschau haben ihre drei Mähdrescher zwei bis drei Wochen eher als üblich gestartet und mit der Ernte begonnen. Am 20. Juni mit der Wintergerste. Die ist jetzt schon runter von den Feldern, dabei hätte die Ernte normalerweise erst dieser Tage begonnen. Stattdessen wird seit letztem Wochenende Weizen geerntet und sogar schon Raps. Der bleibt üblicherweise bis Ende Juli, Anfang August auf dem Halm.

Trockenheit ist das Thema in der Landwirtschaft

Die Trockenheit ist für die Bauern das beherrschende Thema dieses Jahres. Man könnte ihr bei sehr gutem Willen sogar etwas Positives abgewinnen. Hätte man im April gewusst, dass es drei Monate nicht regnet, hätte man die dritte Düngung mit Gülle im Frühjahr einsparen oder reduzieren können, sagt Wolfram Rühle, der Vorsitzende der Agrargenossenschaft. Ähnlich beim Pflanzenschutz: Mehltau und andere Schädlinge machen sich bei der Trockenheit rar, so kann an Pflanzenschutzmitteln etwas gespart werden.

Ein Mähdrescher der Agrargenossenschaft Pötzschau bei der Rapsernte am Rand der Siedlung Dahlitzsch. Quelle: André Neumann

Nur wiegt das eben bei Weitem nicht die Nachteile auf, die die monatelange Trockenheit mit sich bringt. Der zeitige Erntebeginn ist ja nur das eine, viel schwerer wiegt, dass Ähren und Körner klein und die Fruchtstände der Rapspflanzen spärlich sind. „Es zeichnet sich ein Ernteverlust von 20 bis 25 Prozent ab“, sagt Rühle, wobei er mit einem durchschnittlichen Erntejahr vergleicht.

Windhosen voller Staub sind derzeit öfter zu beobachten. Im Hintergrund ist die Hochhalde Trages zu sehen. Quelle: André Neumann

Nico Künzel, der Leiter der Erntekampagne des Oelzschauer Betriebes, fährt am Rande des Rapsfeldes bei Dahlitzsch mit der Hand durch den Raps. Viel weniger Schoten mit den ölhaltigen Körnern als sonst hat die Pflanze gebildet, an manchem Stengelende ist erst gar keine dran. Künzel spricht beim Raps sogar von 30 Prozent Minderertrag.

Und es muss schnell geerntet werden, denn Korn und Raps reifen im Moment in Windeseile aus. Beim Blick über die Felder, zeigt Künzel, sind nicht nur immer mal wieder Windhosen aus Staub zu sehen, sondern auch erste dunkle Stellen, weil Pflanzen überreif werden, verbrennen. Nicht auszuschließen also, dass die Agrargenossenschaft sich in Spitzenzeiten noch Druschtechnik hinzumieten wird.

Was Hitze und fehlendes Wasser noch bewirken können, kann der Kampagneleiter sehen, während Sebastian Schons im Mähdrescher hinter ihm exakte Reihen durch das Feld zieht. In der anderen Richtung steigt in einiger Entfernung eine Rauchwolke hoch über den Wald auf. Der Feldbrand bei Schmölen nahe Wurzen ist tatsächlich rund 22 Kilometer Luftlinie entfernt.

Vorbereitet auf mögliches Feuer

„Toi, toi, toi“, sagt Rühle, „in diesem Jahr hat es bei uns noch nicht gebrannt.“ Seine Leute seien vorbereitet. Wo geerntet wird, erläutert er die Regeln, müsse ein Wasserwagen mit einer Pumpe am Feldrand stehen, außerdem ein Traktor mit Pflug.

Die Lage, das entnimmt Wolfram Rühle den Wetterprognosen, wird sich wohl auch in den nächsten Tagen noch nicht ändern. Dabei wäre ein schöner ruhiger Landregen über mehrere Stunden sehr willkommen. Der würde zwar für das reife Getreide zu spät kommen, Mais, Zuckerrüben und Zwiebeln würden ihn aber gerade jetzt gut gebrauchen können. „Dafür würden wir mit der Ernte auch gern ein oder zwei Tage Pause machen.“

Rühle sagt aber auch: „Landwirte sind Optimisten.“ Und als ein solcher setzt er darauf, dass sich die Situation im Fünjahreszyklus einigermaßen ausgleicht, dass es in einem halben Jahrzehnt zwei Spitzenjahre, zwei schlechte Jahre und ein durchschnittliches Jahr gibt. So ein Jahr wie dieses „muss man dann mal hinnehmen.“

Von André Neumann

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