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Borna Fünftes Lutherfest in Borna lockt Hunderte Besucher und droht doch, das letzte zu sein
Region Borna Fünftes Lutherfest in Borna lockt Hunderte Besucher und droht doch, das letzte zu sein
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19:36 02.03.2018
Rolf-Dieter Beirau als Narr und Zweifler und Frank Hankel als Luther im Disput: Geht es nächstes Jahr weiter mit dem Lutherfest?
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Borna

„Jungen Leuten ist Freude und Ergötzen so vonnöten wie Essen und Trinken“. Sagte Luther einst und ahnte wohl nicht, dass auch in dem Ort, in dem er beherbergt wurde, in seinem Namen ausgiebig gefeiert werden würde. Jetzt erst wieder am Wochenende geschehen. Die fünfte Auflage des Lutherfestes wartete mit neuen Höhepunkten und Rekorden auf. So gab es erneut mehr Anmeldungen für die Lutherwanderung und mehr Konzerte. Und die Diskussionsrunde, ob nun mit Ende des Reformationsjahres Schluss mit dem Lutherfest sei.

.„Das Lutherfest ist wunderbar – und das Publikum in Borna ebenso“. Für Micheal Engel steht fest, dass er im nächsten Jahr seine Schmiede wieder auf dem Martin-Luther-Platz aufstellen würde. Und auch Kalle vom Edelsteinglücksrad sowie Seiler Karl-Heinz Dobberschütz wollen bei einer weiteren Auflage mit von der Partie sein. Denn wo sonst gebe es echte Handarbeit aus der Zeit des Mittelalters zu sehen und ein so friedliches Publikum zu erleben?

Hunderte Besucher zog es am vergangenen Wochenende zum fünften Lutherfest. Höhepunkte gab es an den drei Tagen etliche – vor allem am Sonntag mit der Mittagstafel von Martin und Katharina und mit dem Konzert der Harmonic Brass München. Auch am Freitag und Samstag hatten Stadt, Vereine und die Agentur Sündenfrei aufgefahren, was ein Mittelalterfest ausmacht: Feuershows, Gaukler, Jonglage, historische Weisen mit „The Sandsacks“. Gaukler Lupus verstand es glänzend, sein Publikum mit Messer- und Feuerjonglage in den Bann zu ziehen, kleinen und großen Zuschauern entlockte er staunendes Raunen und tosenden Applaus. Letzteres so manches Mal nur nach ausgiebiger Aufforderung. Und wer sich vor Ende der Show aus der Menschenmenge stehlen wollte, wurde gleich zurückbeordert. „Ich bin ja schließlich auch nicht gegangen, als ich Euch gesehen hab.“ Etwas Flunkerei gehörte zu seinem Repertoire genauso dazu wie Wortwitz. Sieben Bälle wollte er jonglieren, fünf flogen tatsächlich, die anderen zwei steuerte er bei, indem er selbst auf und ab hüpfte.

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Buntes Treiben rund um die Stadtkirche in Borna. Die Stadt feierte an drei Tagen Lutherfest.

Großes Gedränge herrschte das ganze Wochenende über an den Handwerker-Ständen. Für den Schmied Engel, alias Ignis-Ferrum (Feuereisen) aus Wanfried, war das Bornaer Lutherfest eine Premiere. Und eine gelungene noch dazu. Er stellte Alltagsgegenstände des Mittelalters her, und ausgerechet Haken waren der Renner. „Das Publikum ist unglaublich angenehm und neugierig“, erzählte er, während er den nächsten Haken bearbeitete und Luft per Blasebalg ins Feuer blies. Warteschlangen bildeten sich gleich nebenan bei Seilerin Antje Dobberschütz. Sie stellte Springseile aus Naturmaterialien her, ihr Mann zeigte, welch nützliche Utensilien aus Holz hergestellt werden können.

Als Besuchermagnet erwies sich zum wiederholten Male die Aufführung des Lutherstückes. Sitzplätze waren an beiden Abenden Mangelware, und dass obwohl am Sonnabend wegen des Regens das Stück fast ins Wasser zu fallen drohte. Regisseur Michael Potkownik und seine Theatergruppe „Neue Wasser“ brachten „Der Thesenanschlag zu Borna“ auf die Bühne. Bildlich und detailliert drehte sich alles um die Reaktionen auf Luthers 95 Thesen und um die Entwicklungen, die den Reformator einst dazu brachten, sie aufzuschreiben.

Es war das vierte Stück aus Potkowniks Feder (eines wurde zweimal gezeigt), das letzte aber soll es nach seiner Aussage nicht gewesen sein, Ideen und Drehbücher hat der umtriebige Schauspieler und Buchautor zuhauf – und die drehen sich nicht zwangsläufig um Luther. „Wir können auch andere Themen spielen“, sagte er in Hinblick auf die Frage, ob es auch im nächsten Jahr wieder eine Art Luther – oder Mittelalterfest geben solle. Und Bornas Oberbürgermeisterin Simone Luedtke (Linke) versprach, die in den vergangenen Jahren entstandene Tradition beizubehalten, sollten die Schauspieler mit einem weiteren Stück aufwarten. „Wir machen dann ein passendes Rahmenprogramm“, machte sie deutlich. Allerdings funktioniere ein solches Fest nur als Kombination von Vereinen, Theater, Markt und gelungener Organisation. Das sieht Marktmeister Tom von der Agentur Sündenfrei genauso, „ist das alles gegeben, kann es weitergehen“. Die Händler jedenfalls wollten alle wiederkommen, das Lutherfest sei „klein, fein und familiär – und daher um so reizvoller für Handwerker und Besucher“, betonte er.

Von Julia Tonne

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