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Vater und Sohn fahren mit dem Krause Duo ans Meer

Mit Anna an die Ostsee Vater und Sohn fahren mit dem Krause Duo ans Meer

David Hanke aus Regis-Breitingen wollte immer mit seinem Vater auf dem Motorrad mitfahren. Eine angeborene Mehrfachbehinderung macht das unmöglich. Also sparte der 25-Jährige auf ein Krause Duo. Anna steht jetzt vor der ersten großen Tour – Sonnabend geht es mit 40 Stundenkilometern im Schnitt von Regis-Breitingen nach Rostock.

Anders normal – Familie Hanke aus Regis-Breitingen. Cousine Rahel Schruth (22, links) pflegt den Blog zur Tour „Mit Anna an die Ostsee“, Mutter Kathrin Hanke (48, 2.v.r.) steuert das Begleitfahrzeug und David (25) und Andreas Hanke (52, r.) sitzen im Krause Duo Anna, mit dem sie 465 Kilometer von Regis-Breitingen nach Rostock in fünf Tagen zurücklegen wollen.
 

Quelle: Jens Paul Taubert

Regis-Breitingen.  Anders Normal – als die Hankes aus Regis-Breitingen diese Lebenseinstellung eines jungen Mannes mit einer Behinderung aufschnappten, „gefiel uns das sofort. Es passt zu uns. Es ist auch zu unserem Lebensmotto geworden“, erzählt Kathrin Hanke. Ihr 25-jähriger Sohn David ist schwerstbehindert. Als Frühchen geboren kam David als Baby zu den Hankes. Die körperliche und geistige Behinderung schränkt sein Leben ein. Nicht aber seinen Lebensmut. Er hat viele Leidenschaften und Hobbys. Mit Hilfe seiner Familie strebt David seit Jahren danach, die Dinge tun zu können, auf die er Lust hat. „Ich wollte immer auf Papas Motorrad mitfahren.“ Wegen einer Spastik ist der junge Mann auf den Rollstuhl angewiesen – Motorrad fahren unmöglich. Denkste.

David (25) und Vater Andreas Hanke brachen mit Anna – so heißt das Krause Duo – am 11. Juni von Regis-Breitingen in vier Etappen über Wittenberg, Havelberg und Waren an der Müritz an die Ostsee auf. Jetzt ist es geschafft: Am 15. Juni erreichten die Männer ihr Ziel.

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David forschte nach Alternativen. Und fand Anna. „Die vielleicht einzige Frau in meinem Leben“. 31 Jahre alt. Wunderbare Kurven, einen gesunden Teint und eine Schönheit allemal. So stand sie da. Im Internet. Und David machte ihr den Hof. Am Sonnabend geht’s in die Flitterwochen. „Mit Anna an die Ostsee“ – der Titel für ein Kapitel in David Hankes Leben, das Signalwirkung haben soll. „Ich möchte zeigen, dass man auch mit einer Behinderung verrückte Sachen machen kann.“ Die 465 Kilometer lange Tour über vier Etappen mit Krause Duo Anna von Regis-Breitingen nach Rostock „soll anderen Mut machen“.

David grinst, als Anna aus der Garage geholt wird. Aufpoliert und frisch geölt. Die Sitzpolster sind zu Weihnachten neu bezogen worden – als Geschenk von der Oma. Eine Sonnenblume steckt im Cockpit. Das Regendach ist abgenommen. Ohne Radio geht bei David Hanke, der jeden sächsischen Radiosender und deren Moderatoren kennt, nichts. Also spendierte er auch Anna einen Empfänger. Die neu installierten Boxen geben einen satten Sound in den 3,6 PS starken Oldtimer.

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Jahrelang haben die Hankes aus Regis-Breitingen davon gesprochen – am Sonnabend geht es endlich los. Weil der 25-jährige David wegen einer körperlichen Behinderung nie mit auf dem Motorrad seines Vaters mitfahren kann, schaffte er sich „Anna“ an. Mit dem Krause Duo starten er und sein Vater Andreas jetzt auf eine verrückte Tour – von der Pleiße an die Ostsee.

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Der Außenstehende traut seinen Augen nicht. Und neben vielen Mut machenden Kommentaren hat auch David Zweifel an seinem Vorhaben erfahren. Er selbst zweifelt am wenigsten daran, dass „aus der Bieridee“ ein verrücktes Abenteuer wird, das gelingt. Kathrin Hanke hat am längsten gebraucht, sich damit anzufreunden. „Aber mit der Zeit und jeder Diskussion darüber wurde es besser“, erinnert sich die 48-jährige Krankenschwester. Ihr Mann Andreas, der Anna an die Ostsee lenken wird: „Seit wir Anna vor einem Jahr in der Gegend um Freiberg gekauft und abgeholt haben, sind wir immer mal kleine Runden gedreht. An den Haselbacher See und zurück. Das war’s“. Im November ist die Bieridee entstanden, damit an die Küste zu fahren. Ostsee-Fan David war sofort Feuer und Flamme.

 Familienlogo der Hankes aus Regis-Breitingen

Familienlogo der Hankes aus Regis-Breitingen.

Quelle: Rahel Schruth

Die Familie nimmt ihre Motivation aus der wachsenden Begeisterung. Nichts ist unmöglich. Eine Motivation, die sich wie ein roter Faden durch das Leben der Pleißestädter zieht. Auch wenn es immer Rückschläge gibt. Davids Mutter ist keine, die den bequemsten Weg geht: „Mit dem Vorherbestimmten haben wir uns nie zufrieden gegeben. Wir wollten immer, dass David alles aus seinem Leben machen kann, was er will. Sei es ein normaler Beruf, die eigene Wohnung oder seiner Betreuung durch Assistenten.“ Nicht alles ist gelungen. Aber jede Bemühung hat sich gelohnt. David arbeitet fünf Stunden täglich in der Lebenshilfe-Werkstatt in Borna. Er hat ehrenamtlich im Bornaer Krankenhaus und im Seniorenheim in Regis gearbeitet. „Das hat Spaß gemacht. Ich habe mich mit den alten Leuten beschäftigt, die sich gefreut haben, dass jemand Zeit hat und zuhört“, erzählt er stolz. Jeden Freitag sitzt er im Leipziger Hugendubel beim LEA-Leseclub (Lesen Einmal Anders), den Hankes mit Hilfe des Familienentlastenden Dienstes (FED) in Leipzig aus der Taufe gehoben haben. Menschen mit Behinderungen kommen dort zusammen, um gemeinsam zu Lesen. Selbsthilfe gewissermaßen – das Bildungssystem sieht die konsequente Förderung des phonologischen Bewusstseins bei Behinderten nicht (ausreichend) vor. David schreibt auch selbst Geschichten. „Eine wurde sogar veröffentlicht“, ist er stolz.

Das Familienmanagement der Hankes und deren Einstellung zur „anderen Normalität“ hat auch Cousine Rahel Schruth immer begeistert. „Ich war mit David schon selbst im Urlaub. Er liebt das Reisen. Und das selbst bestimmte Leben. Seine Eltern geben ihm den Antrieb, den er braucht. Sie fordern und fördern ihn“, erkennt die 22-Jährige an. Diese Kombination aus Abenteuerlust, familiärem Zusammenhalt und den Ehrgeiz, Träume wahr werden zu lassen, hat auch Rahels Feuer für die „Operation Anna“ entfacht. Sie sorgt zu Hause dafür, dass möglichst viele Menschen davon erfahren – auf der Facebookseite „Mit Anna an die Ostsee“.

Es wird ernst. Sonnabend Punkt 7 Uhr werden David und Andreas Hanke Rennkappen und Schutzbrille aufsetzen. Monatelange Vorbereitungen werden dann auf Praxistauglichkeit geprüft. Zündkerzen, Benzinkanister (Gemisch 1:33), Öl, Werkzeugkoffer und eine Portion Gottvertrauen haben David und Andreas im kleinen Gepäckraum. Kathrin Hanke steuert das Begleitfahrzeug. Ein Campingbus, in dem die Herren am Ende jeder Etappe ihre Kopfsteinpflaster-geplagten Hintern zur Ruhe betten werden. Am Sonnabend heißt der erste Zwischenstopp Tankstelle Trebsen. „Dort gibt’s einen Kaffee“, hat der 52-jährige Tourmanager und Chauffeur festgelegt. Über Bad Düben wird Anna nach Wittenberg zuckeln. Maximal 50 km/h. „Aber nur bergab und mit Rückenwind“, scherzt der Rehatechniker, während Anna auf dem Regis-Breitingener Hof tuckernd blauen Dunst verbreitet. Dunst von Abenteuer.

Sie werden auffallen. Zwischen Regis-Breitingen und Wittenberg. Zwischen Wittenberg und Havelberg. Später in Waren an der Müritz oder auf der letzten Etappe von der Seenplatte nach Rostock. Und vielleicht kann David in Gesprächen mit Neugierigen etwas von seiner Motivation weitergeben. Am Mittwoch jedenfalls müssen die Hankes Rostock erreicht haben. Denn am 16. Juni hat David einen Termin. „Ich bekomme eine Privatführung bei Ostseewelle Hitradio Mecklenburg-Vorpommern“, freut sich der Radio-Fanatiker. Die Empfängerfrequenzen hat er natürlich im Kopf.

Wie auch für alle anderen Sender, die er für die Strecke schon rausgesucht hat. Klar – Verkehrsfunk kann nicht schaden. „Nein, wir wollen doch wissen, wie es bei der Fußball-Europameisterschaft läuft“, korrigiert David und dreht an Annas Gashebel. Verrückter Kerl. Verrückte Aktion. Normal verrückt. Anders normal eben.

Auch in den kommenden Tagen wird die LVZ über die Reise berichten, um ihre Leser an den Erlebnissen der Hankes teilhaben zu lassen. 

Von Thomas Lieb

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