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Für den Blackout nicht gewappnet

Für den Blackout nicht gewappnet

Borna. Für den Notfall sollten Sie immer ein paar Konserven, Kerzen und ausreichend Wasser im Haus haben. Das ist die Kernbotschaft der Buchlesung mit dem Bestseller-Autor Marc Elsberg und einer anschließenden Diskussionsrunde vorgestern Abend im Stadtkulturhaus.

Auf der Veranstaltung, zu der die Wirtschaftsjunioren Leipzig-Land eingeladen hatten, ging es um die Folgen eines globalen Stromausfalls.

Es ist ein Feierabend in Mailand. Der italienische IT-Fachmann Piero Manzano will mit seinem Auto nach Hause fahren, als es plötzlich dunkel wird. Die Ampeln fallen aus, es gibt Unfälle. So beschreibt Autor Marc Elsberg in seinem Buch "Blackout - Morgen ist es zu spät" den Beginn eines Stromausfalls, von dem weite Teile Europas betroffen sind und der deutlich macht, wie abhängig die heutige Welt von Strom ist, wie Elsberg sagt, der mit bürgerlichem Namen Marcus Rafelhausen heißt und in Wien lebt, auf der Bühne des gut besuchten Stadtkulturhauses sagte. Der Autor vom Jahrgang 1967 stellte seinen Thriller vor und gab damit die Grundlage einer Diskussionsrunde, in der es um die Folgen eines mehrtägigen Stromausfalls hierzulande und speziell im Raum Borna haben würde. Ernüchterndes Fazit: Richtiggehend gewappnet gegen eine derartige Katastrophe wäre niemand.

Was angesichts des Szenarios, das Elsberg in seinem Buch, aktuell auf Platz 15 der Spiegel-Bestsellerliste, beschreibt, nicht verwundern kann. Ohne Strom fährt kein Fahrstuhl, die Toilettenspülung funktioniert nicht, und die Mobilfunknetze brechen zusammen. Fernseher und Internet sind tot, aus den Geldautomaten kommt kein Schein mehr, und an den Tankstellen fließt kein Benzin mehr, weil auch dazu Strom benötigt wird. Lebensmittel können nicht mehr verkauft und gelagert werden, und in den riesigen Rinderställen, die es in der heutigen Agrarindustrie gibt, brüllen die Kühe vor Schmerzen, weil sie nicht - elektronisch - gemolken werden können. Durchaus realistische Aussichten, die Elsberg in seinem Buch beschreibt, und auch die Vorstellung, dass sich die Gefängnistüren für die Insassen früher oder später öffnen, mutet keineswegs absurd an.

"Es gibt eine Querschnittsindustrie, von der alles für uns abhängt - das ist die Energieversorgung", erläuterte Elsberg, der sein Buch kurz vor der Energiewende 2011 in Deutschland fertiggestellt hat. Beispiele für die Verletzlichkeit der heutigen Gesellschaft durch Stromausfall gibt es, etwa in Folge der unsachgemäßen Abschaltung einer Stromleitung über einen Kanal in Ostfriesland, in deren Ergebnis weite Teile Westeuropas im Finstern saßen.

Autor Elsberg sieht in der Manipulation elektronischer Stromzähler eine Möglichkeit, den Zusammenbruch der Stromversorgung herbeizuführen. "In Italien haben alle Haushalte schon elektronische Stromzähler." In Deutschland und in Borna derzeit noch nicht, nicht wie Henrik Franke, Geschäftsführer der Städtische-Werke-Borna-(SWB)-Netz GmbH sagte. "2020 dürften es aber 80 Prozent bei uns sein."

Käme es zu einer Katstrophe, befände sich der Katastrophenstab des Landkreises in einem speziellen Raum in Grimma, von wo aus wie auch bei Polizei und Rettungsdiensten Informationen via Funk ausgetauscht würden, sagte der Erste Beigeordnete des Landkreises, Wolfgang Klinger (CDU), der auch auf die Belastungen für die Mitarbeiter dort verwies. "Das sind Verwaltungsmitarbeiter, die im Normalfall Anträge bearbeiten, und die müssen jetzt Entscheidungen treffen."

Das Technische Hilfswerk (THW) hätte Notstromaggregate, "aber wir kämen bei der Treibstoffversorgung an Grenzen", so Marcus von Salisch vom THW-Landesverband Sachsen/Thüringen. Im Bornaer Krankenhaus gibt es Notstromaggregate, die bestenfalls zwei Tage lang im Einsatz sein könnten, "aber wir haben Netzspannungsschwankungen", so der Ärztliche Direktor des Krankenhauses Dr. Andreas Klamann. Seine Klinik habe einen Medikamentenvorrat für zehn Tage. Dennis Wulfert, Betriebsleiter des Edeka-Lagers in der Stauffenbergstraße, bekannte kurz und knapp: "Wir können ohne Strom nichts machen." Bei Edeka wird aber geübt, wie im Falle eines Brandes im Warenlager reagiert werden muss.

SWB-Netz-Chef Franke verwies darauf, dass es der Einsatz erneuerbarer Energien schon jetzt mit sich bringe, "dass wir in Ostdeutschland an 200 Tagen im Jahr kritische Netzsituationen haben". Theoretisch sei es möglich, eine Stadt wie Borna, wo die SWB 12 000 Haushalte mit etwa 15 000 Menschen versorgen, auch über ein eigenes Netz mit Strom zu beliefern - durch ein Solarkraftwerk. Franke hat für sich übrigens eine Konsequenz aus der Lektüre des Buches "Blackout - Morgen ist es zu spät" gezogen. "Ich habe mir ein Notstromaggregat gekauft."Außerdem lagert er jetzt ausreichend Wasser und Toilettenpapier.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 14.02.2014
Nikos Natsidis

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