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Borna Fürs richtige Hochzeitsfest reichte das Geld erst 25 Jahre später
Region Borna Fürs richtige Hochzeitsfest reichte das Geld erst 25 Jahre später
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15:14 26.12.2016
Christa und Hubertus Linkowitsch aus Lobstädt sind seit 60 Jahren verheiratet. Quelle: André Neumann
Neukieritzsch/Lobstädt

Bei Familie Linkowitsch in Lobstädt kann Weihnachten immer gleich dreifach gefeiert werden. Neben dem Fest der Liebe gibt es da noch den Geburtstag von Christa Linkowitsch (82) am 26. Dezember und den Hochzeitstag am 25. Dezember. Das war in diesem Jahr ein ganz besonderer, ein Diamantener, denn Christa und Hubertus Linkowitsch (82) sind seit 60 Jahren verheiratet.

Es war keine leichte Zeit damals für das junge Paar, das im Haus ihrer Eltern in Lobstädt wohnte. Hubertus Linkowitschs Vater war bald nach dem Krieg an Krebs gestorben, seine Mutter und eine seiner zwei Schwestern, mit denen er aus Königsberg nach Böhlen geflüchtet war, waren schon zuvor bei einem Bombenangriff auf die Böhlener Werke ums Leben gekommen. Der jungen Friseurin ging es genau so wie ihren Eltern: „Wir hatten kein Geld“, erinnert sich Christa Linkowitsch. Der Vater als Zimmermann und die Mutter als Hausfrau mit Gelegenheitsjobs mühten sich, „dass wir alle über die Runden kommen.“

Die Wahl auf den ersten Weihnachtstag für den Gang zum Standesamt fiel deswegen auch aus rein pragmatischen Gründen: „Es war ein Abwasch“, sagt Christa Linkowitsch ohne lang drum herum zu reden. Nur zu zweit, ohne weißes Kleid, in den besten Sachen die sie hatten, gingen die beiden damals zur Trauung im Gemeindeamt von Lobstädt. Abends saß man mit zwei befreundeten Pärchen zusammen, dann kehrte wieder Alltag ein.

Der gelernte Maschinenbauer Hubertus Linkowitsch ging zur Polizei, wo er es nach mehreren Ausbildungen bis zu einem Offiziersrang brachte. Zuletzt, bevor er nach einem Unfall den Dienst quittieren musste und ins Braunkohlewerk Großzössen ging, jagte er als Kriminalist Verbrecher. Wenn während des Dienstes das Telefon klingelte, bedeutete das meist nichts Gutes. Deswegen mag er das Geräusch eines eingehenden Anrufes nicht.

Chsista Linkowitsch kümmerte sich als Hausfrau um ihre 1957 geborene Tochter und verdiente Geld in verschiedenen Jobs, unter anderem in der Lobstädter Wäscherei, zuletzt im Zentralwerk in Regis. Noch lange mussten sie die Mark zweimal umdrehen. Anfangs, erzählen die beiden, habe sie am Zahltag ihres Mannes das Geld in Häufchen auf das Ehebett geschichtet: ein Haufen für die Miete, einer für die Versicherung, erst was übrig blieb, zum Leben und zum Sparen. Irgendwann reichte es für das erste Radio. Das Röhrengerät namens Stradivari brachten sie auf dem Handwagen vom Geschäft in Borna nach Lobstädt.

„Alles, was wir haben, haben wir uns selbst geschaffen“, sagt das Paar stolz. Das Fest, auf das sie bei der Heirat noch verzichten mussten, konnten sie 25 Jahre später zur Silberhochzeit nachholen. Da ließen sie 30 bis 40 Gäste im Kastanienhof bewirten, wo auch der Männerchor Lobstädt auftrat, dem Hubertus Linkowitsch in den 60er Jahren beigetreten war. Er ist immer noch dessen Mitglied, auch wenn er nicht mehr mitsingt. Vor allem, weil ihn nach einem Schlaganfall und einem Oberschenkelhalsbruch die Beine nicht mehr bis zu den Proben tragen.

Doch wenn seine Sängerkollegen am Mittwoch zur Feier erneut im Kastanienhof für das diamantene Paar singen, dann wird er gewiss noch einmal mit einstimmen.

Von André Neumann

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