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Füttern, Streicheln, Wandern – Alpakahof in Altengroitzsch spricht alle Sinne an

Groitzsch Füttern, Streicheln, Wandern – Alpakahof in Altengroitzsch spricht alle Sinne an

Der Alpakahof von Günter Bollbuck in Altengroitzsch spricht alle Sinne an. Im grünen Klassenzimmer erfahren Schulkassen alles über heutiges Landleben. Darüber hinaus arbeitet der Tiertherapeut viel mit Schlaganfallpatienten, Demenz- und Suchtkranken in Senioren- und Behindertenzentren.

Böhlener Hortkinder besuchen den Alpakahof von Günter Bollbuck (M.) in Altengroitzsch. Neben Alpakas leben auf dem Bauernhof auch Pferde, Esel, Hunde, Katzen und Kaninchen.

Quelle: Kathrin Haase

Groitzsch/Altengroitzsch. Die Berner Sennenhündin Nicky ist ein bisschen die Chefin auf dem Alpakahof. Mit angelegten Ohren wetzt sie zu den Pferdeställen, schaut bei den Alpakas und Eselstute Franzi nach dem Rechten, blickt kurz in den Wachtelstall und zu Mini-Pony Gretel, bevor sie alle mit einem energischen Bellen zurechtweist. Denn es hat sich Besuch angekündigt auf dem Hof Bollbuck in Altengroitzsch. Es herrscht Kuschelalarm!

Die Böhlener Hortkinder wollen von Günter Bollbuck (67) etwas über das Landleben erfahren. Sie dürfen die Alpakas streicheln, mit Möhrensticks füttern und sogar kleine Runden mit ihnen im Wald drehen. Der Tiertherapeut erklärt den Mädchen und Jungen geduldig, wie das Leben auf einem Bauernhof organisiert ist, welche Tiere es hier gibt, wie Heu gemacht wird, woher die Milch kommt und was man alles beachten muss. Das grüne Klassenzimmer spricht alle fünf Sinne an und schult soziale Verhaltensweisen wie Achtung und gegenseitige Rücksichtnahme, Verantwortung und Hilfsbereitschaft. „Im Zoo dürfen sie den Tieren vielleicht mal zuwinken, aber hier sind Streicheln und Füttern ausdrücklich erlaubt“, zieht der Tiertherapeut Vergleiche.

Seine Liebe zu den Alpakas entdeckte der gebürtige Altengroitzscher 2003 auf der Messe Haus, Garten und Freizeit in Leipzig. „Wir haben einen Rasenmäher für unser Grundstück gesucht“, erinnert sich der 67-Jährige. Infrage kamen Schafe als natürliche Alternative oder ein kleiner Aufsitzmäher. Doch dann bemerkte Günter Bollbuck die Alpakas und die zutraulichen Exoten mit den Knopfaugen und dem samtweichen Fell haben es ihm angetan. Drei Jahre späte zogen die ersten beiden Stuten, ein Hengst sowie der 14 Tage alte Karl I. auf dem Bauernhof ein.

„Alpakas sind sehr genügsame, robuste, wissbegierige und freundliche Tiere“, schwärmt der Tier-Papa. „Sie strahlen eine unheimliche Ruhe aus und das tut uns Menschen in der hektischen Zeit besonders gut.“ Der gelernte Schlosser und Meister für Landwirtschaft besuchte in den Folgejahren zahlreiche Lehrgänge, absolvierte Prüfungen zum Tierpsychologen und Tiertrainer, hat den Abschluss als Fachkraft für tiergestützte Förderung, Aktivitäten und Therapien.

Mittlerweile ist er mit seinen Alpakas Karl I. und Horst, aber auch mit Hündin Nicky („Sie ist eine Legende“) ein gern gesehener Gast in den Senioren- und Behindertenheimen, Kinder- und Jugendeinrichtungen des Landkreises Leipzig, aber auch im Kinderhospiz Bärenherz in Markkleeberg und darüber hinaus bis nach Altenburg und Zeitz. Die Arbeit etwa mit Schlaganfallpatienten, Demenz- und Suchtkranken, mit hyperaktiven Kindern oder Autisten sei über die Jahre hinweg immer intensiver geworden, berichtet Bollbuck. „Es ist unglaublich, wie die Tiere gerade bei demenzkranken Menschen Erinnerungen fördern. Andere vergessen für kurze Zeit ihre Schmerzen, um die Tiere zu streicheln. Dabei lachen sie über das ganze Gesicht und entspannen sich, das sind wundervolle Momente.“ Nicht zuletzt deshalb werden Alpakas als „Delfine der Berge“ bezeichnet.

Einmal im Jahr werden die Tiere von einem Fachmann geschoren. Ihr kuschlig weiches Fell ist nicht vergleichbar mit dem eher störrischen und schmierigen Schaffell, es ist besonders schmutz- und geruchsabweisend und zählt neben Kaschmir und Seide zu den edelsten Naturfasern der Welt. Weichheit, Feinheit und ein unbeschreiblicher Glanz haben sie so begehrt gemacht. „Alpakafell funktioniert wie eine kleine Klimaanlage“, preist der 67-Jährige weiter die Vorzüge. „Im Winter hält es schön warm und weist die Nässe ab, im Sommer kühlt es.“ Immerhin müssen die Tiere, die in den südamerikanischen Anden in einer Höhe bis zu 5000 Meter leben, auch Temperaturunterschiede von 40 Grad Celsius aushalten können. Von der Alpakawolle strickt die ganze Familie vor allem Pullover, Schals, Mützen, Bett- und Handschuhe – neben dem Eigengebrauch auch gerne für interessierte Kunden.

Von Kathrin Haase

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