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"Fummeliger Job" an der Predella

"Fummeliger Job" an der Predella

Der kommende Dienstag wird als besonderer Tag in die lange Geschichte der Kirchgemeinde Rötha eingehen. Die Predella des Marienaltars kehrt dann offiziell an ihren seit Jahrzehnten verwaisten Platz zurück.

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Schonende Handarbeit in der Werkstatt: Restauratorin Birgit Spiess (34) aus Leipzig reinigt die circa 500 Jahre alte Predella des Marienaltars mit Pinsel und Radierschwamm. Am Dienstag kehrt das Holzrelief an den angestammten Platz in der Marienkirche Rötha zurück.

Quelle: Andreas Doering

Rötha/Leipzig. Die Leipziger Restauratorin Birgit Spiess hat das kunsthistorisch wertvolle Holzrelief in den vergangenen Tagen in ihrer Werkstatt vom Staub entfernt.

Nahezu unbeachtet hatte die Predella im Wohnzimmer eines alten Herrn in Portitz gehangen (die LVZ berichtete). Und dabei im Laufe der Jahrzehnte Staub angesetzt. "Man braucht Geduld und Ausdauer", nennt Restauratorin Spiess zwei in ihrem Beruf unverzichtbare Tugenden. Im konkreten Fall wurde die Arbeit an dem rund 500 Jahre alten Schnitzwerk eines unbekannten Künstlers eine staubtrockene Angelegenheit. Denn in Absprache mit Fachleuten des Landesamtes für Denkmalpflege in Dresden, die die Restaurierung der Altarfiguren übernommen haben, wird momentan nicht restauriert, sondern "nur" gereinigt. Auf eine schonene Weise, erklärt die 34-jährige Fachfrau. Mit Pinsel und Radierschwamm werde der aufliegende Staub entfernt. Stück für Stück. Zwei Arbeitstage investiere die Restauratorin in den eigenen Worten zufolge "fummeligen Job".

Zweiter Part ihres Auftrages ist eine akribische Schadenskartierung. Grundlage dieser Bestandsaufnahme bilden Unterlagen und Fotos aus den 30er-Jahren, als die Predella letztmalig restauriert wurde. Veränderungen seit damals werden festgehalten. Dazu gehören Risse und Ergänzungen, die auf früheren Darstellungen nicht vorhanden waren.

Generell aber gibt die hölzerne Abendmahlszene nach Ansicht der Restauratorin keinen Grund zur Sorge. Die Predella sei "grundsätzlich stabil" und "ihr Zustand okay". Der auffällige Wurmbefall, der flächendeckend löchrige Spuren im Lindenholz hinterlassen hat, sei nicht rückgängig zu machen. Der Befall ist Spiess zufolge nicht aktiv und müsse vorerst nur beobachtet werden. Eine mehrwöchige Behandlung in einer Stickstoffkammer könne bei Bedarf eine weitere Ausbreitung des Befalls stoppen.

Altar und Predella der Marienkirche Rötha - so viel ist sicher - stammen aus der niederbayerischen Schule von Hans Leinberger. Und sicher ist auch: Derlei holzsichtiges Kircheninventar ist in Süddeutschland relativ weit verbreitet, sachsenweit indes einzigartig.

Bei näherer Betrachtung des lange Zeit gestohlen geglaubten Objekts, das im Laufe der Zeit nachdunkelte, fallen durchaus Besonderheiten ins Auge: So schuf der unbekannte Künstler einen Engel, der für eine Abendmahlszene untypisch ist. Die ganz rechts sitzende Figur hat zwei rechte Hände - vermutlich das Ergebnis einer nicht ganz einwandfreien Nachbildung. Und zwei Löcher im oberen Teil gehören auch nicht zum Original. Beim Einbau in den Altar werde man "ein bisschen improvisieren", sagt Spiess. Eine kleine Diebstahlssicherung gehöre dazu. Schließlich soll das Holzrelief nicht noch einmal abhanden kommen. Es war 1947 bei einem Einbruch in die Kirche verschwunden. Die Wiederentdeckung Ende vorigen Jahres - nach dem Tod des alten Mannes - war eine Sensation.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 21.03.2013

Grätz, Saskia

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