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Gänsehaut in Neukieritzsch: 90-Jähriger schenkt Kita Geld für eine Nestschaukel

Kindergarten Gänsehaut in Neukieritzsch: 90-Jähriger schenkt Kita Geld für eine Nestschaukel

So etwas hatte Kita-Leiterin Katrin Winter noch nie erlebt: Ein alter Herr überweist der Einrichtung einfach so ein paar Tausend Euro. Jetzt gibt es im „Haus der Zukunft“ eine Nestschaukel.

Endlich eine Nestschaukel: Domenic, Gustav, Luisa und Skadi haben sichtlich Spaß darin, Hausmeister Christian Zange und Vater Ronny Konnegen (hinten, v. li.) geben Schwung.

Quelle: Jens Paul Taubert

Neukieritzsch. Am Donnerstag ging für die Kinder der Kindertagesstätte „Haus der Zukunft“ in Neukieritzsch ein lang gehegter Wunsch in Erfüllung: Sie durften eine Nestschaukel einweihen. Bei der kleinen Feier im Garten fehlte leider einer, ein neunzigjähriger Mann, ohne den es das neue Spielgerät vermutlich immer noch nicht geben würde.

An jenen Tag im Frühling dieses Jahres wird sich Kita-Leiterin Katrin Winter noch lange erinnern. Ohne Voranmeldung kam ein älterer Herr in Begleitung eines jüngeren Paares in die Einrichtung spaziert und erklärte der verblüfften Leiterin: Er habe keine Kinder und möchte den Kindern des Ortes etwas Gutes tun.

Auf dem Überweisungsschein steht 5000 Euro

Er legte einen Überweisungsschein auf den Tisch, in den schon die Zahl 5000 eingetragen war und bat um die Kontonummer des „Hauses der Zukunft“. Als er sie hatte, verabschiedeten sich die drei Besucher und gingen zur Sparkasse. „Ich hatte Gänsehaut, mir kamen die Tränen“, gesteht die Leiterin, denn so etwas war ihr noch nie passiert. „Das war so unwirklich“, wundert sie sich noch heute über so viel Großzügigkeit. Als der Mann wieder weg war, wusste sie gerade mal, dass der mit Nachnamen Nagel hieß, gerade sein Haus im Dorf Kieritzsch verkaufte und im betreuten Wohnen in Neukieritzsch zu Hause war.

Dort lebt Helmut Nagel seit dem 13. März dieses Jahres. Schwester Nadine verrät, dass der Senior rüstig, mobil und selbstständig sei. Er wollte nur nach dem Tod seiner Frau nicht mehr allein in dem großen Haus wohnen. Und, verrät sie noch: Er mag Kinder. Das spüre man immer, wenn Kinder zu Besuch im Haus seien. Und deswegen wollte er den Knirpsen im „Haus der Zukunft“ von seinem Geld abgeben.

In der Einrichtung der Volkssolidarität war schnell klar, was mit dem Geld geschehen sollte. „Da können wir uns endlich die Vogelnestschaukel leisten“, kam Katrin Winter mit ihren Kolleginnen überein.

„Aber ich habe doch einen Termin bei den Kindern“

Bis die aufgestellt und schließlich eingeweiht werden konnte, verging noch ein halbes Jahr. Vor allem, weil die Kindertagesstätte für die 90 Zentimeter tiefe Gründung der stabilen Schaukel sage und schreibe sieben Schachtgenehmigungen von verschiedenen Versorgungsträgern brauchte. Der Aufbau war dagegen nahezu ein Kinderspiel. Ronny Konnegen, der heute noch Gänsehaut bekommt, wenn vom damaligen Besuch des alten Herrn die Rede ist, nahm die Sache in die Hand. Der Vater der dreijährigen Helene und eines Sohnes, der demnächst in die Kindereinrichtung kommt, scharte weitere Väter um sich. Einer lieferte über seine Firma den Beton und stellte einen Bagger zur Verfügung, die anderen gruben die Löcher für die Fundamente, stellten die Schaukel auf und legten den Fallschutzuntergrund an. Der TÜV war zufrieden.

In der Zwischenzeit war Helmut Nagel 90 geworden, einige Kinder der Krippe besuchten ihn in seiner neuen Wohnung in dem Wohnhaus des Pflegedienstes Kansy, brachten ein Ständchen und ein Bild mit. Bei der Gelegenheit luden sie ihn zur Einweihung der Nestschaukel ein. Und Helmut Nagel wäre so gern gekommen, doch ausgerechnet einen Tag vorher machte ihm die Gesundheit einen Strich durch die Rechnung und er musste ins Krankenhaus. Als der Krankenwagen ihn abholte, soll er der Schwester noch gesagt haben: Aber ich habe doch einen Termin bei den Kindern.

Jetzt hoffen alle, dass er bald wieder gesund ist. Dann, versprach Katrin Winter den Kindern, „kommt er zu uns und schaut, wie ihr schaukelt“.

Von André Neumann

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