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Borna Gartenhecken oder Lärm – Bornaer Friedensrichterin vermittelt
Region Borna Gartenhecken oder Lärm – Bornaer Friedensrichterin vermittelt
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00:19 21.07.2017
Friedensrichterin Astrid Weismann. Quelle: Andreas Döring
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Borna

Der Klassiker sind Hecken im Garten. Die wachsen recht schnell und können damit zum Streitpunkt werden. Und damit zu einem Fall für Astrid Weismann. Die gelernte Gemeindepädagogin ist seit sieben Jahren Friedensrichterin in Borna und bietet immer am ersten Dienstag im Monat Sprechstunden im Goldenen Stern an. Doch während das Angebot in der Großstadt Leipzig intensiv genutzt wird, ist das Interesse daran in Borna eher mäßig. „Im letzten Jahr hatten wir eine Verhandlung“, sagt die 63-Jährige. In früheren Jahren waren es auch schon vier.

Zu den Verhandlungen kommt es, wenn sich jemand bei der Friedensrichterin beschwert – über einen Nachbarn ebenso wie einen Verkäufer oder einen anderen Mitmenschen, mit dem er Ärger hat. Damit setzt der Beschwerdeführer eine Maschinerie in Gang, die letztlich in einer Verhandlung mündet, zu der der „Kontrahent“, also derjenige, an dem sich der Beschwerdeführer reibt, geladen wird. Und dann ist Erscheinen Pflicht, weil die Friedensrichterin andernfalls ein Ordnungsgeld verhängen kann, „und das mache ich auch“, sagt Astrid Weismann.

In der Verhandlung sind dann ihre Vermittlungskünste gefragt. Vor allem aber kommen beide Seiten zu Wort, und die Friedensrichterin legt Wert darauf, dass sie immer beide Sichtweisen kennt. Prinzipiell kann sie fast alles verhandeln, in der Regel aber sind es Nachbarschaftsstreitigkeiten. Etwa Lärm im Haus oder ein Baum, der auch in einem anderen Garten Wurzeln schlägt. Konflikte, deren Schärfe sich bisweilen nachvollziehen lässt, wenn beide Parteien vor der Friedensrichterin zu Wort gekommen sind.

Was gelegentlich ziemlich laut werden kann. „Manchmal schreien sich die Leute regelrecht an.“ Einer ist bei einer Verhandlung auch schon einmal aufgesprungen und weggerannt. „Andererseits ist es erstaunlich, wie ein Gespräch verläuft, wenn ein Dritter dabei ist.“ Eben die Friedensrichterin und ihre Assistentin Anita Kern. „Da kommen schon recht schmerzhafte Dinge zur Sprache“, sagt Astrid Weismann. Bisweilen habe sich bei den Leuten sehr viel angestaut, aber darum gehe es ja auch: dass die eine Seite erst einmal hören muss, wie der andere leidet.

Die Friedensrichterin, die Fälle von Bürgern aus Borna und Regis-Breitingen verhandelt, sucht dann nach Möglichkeiten, damit beide Seiten ins Reine miteinander kommen können. Strafen verhängen darf sie nicht. Wohl aber nach Lösungen suchen, mit denen beide Seiten leben können. „Es geht um Gerechtigkeit“, was in der Konsequenz bedeutet, „dass derjenige, der sich gestört fühlt, Gehör findet“. Das, so sagt die Friedensrichterin, ist dann auch die Seite, deren Leidensdruck größer ist.

Und sie macht klar, dass der Gang zum Friedensrichter beziehungsweise zur Friedensrichterin in jedem Fall eine Alternative für den Gang zum Kadi ist. Nicht zuletzt auch aus Kostengründen. Wer Astrid Weismann zurate zieht, muss mit einem Kostenvorschuss von vielleicht 50 Euro rechen, von denen es in der Regel am Ende etwas zurückgibt und was allemal günstiger ist, als die üblichen Mühlen der Justiz in Gang zu setzen.

Manchmal kostet es aber auch gar nichts – und zwar bei den so genannten Tür- und Angelfällen. Also dann, wenn sich jemand in einer Streitsache bei der Friedensrichterin erkundigt, um hernach festzustellen, dass sich die Angelegenheit auch ohne Begleitung von außen aus der Welt schaffen lässt.

Von Nikos Natsidis

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