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Gartenverband vor Aderlass?

Gartenverband vor Aderlass?

Die Krise im "Regionalverband der Kleingärtner der Gebiete Borna, Geithain, Rochlitz und Umgebung" nimmt schärfere Konturen an. In der Kreisstadt gibt es Bestrebungen, der 1990 gegründeten Organisation den Rücken zu kehren und einen eigenen Stadtverband ins Leben zu rufen.

Borna. Für den Regionalverband wäre das ein schmerzhafter Aderlass. Am Donnerstag steht dazu die erste Nagelprobe ins Haus, wenn die Mitglieder der Bornaer Sparte "Gärtnersglück 1982" in die Vorreiterrolle gehen und darüber diskutieren, ob sie aus dem Regionalverband austreten.

 

 

Alles grünt und blüht - in den Schrebergärten geht die Saison jetzt so richtig los. Doch über die Gartenzäune hinweg grummelt es. Nicht erst zum Verbandstag im letzten September, als Rolf Steinert, Geschäftsführer und Vorsitzender des Regionalverbandes in einer Person, für seine Arbeit und seinen Stil offen kritisiert wurde und ein fast komplett neuer Vorstand in den Sattel kam, traten die Differenzen zu Tage. Mittlerweile sind Bornaer Gartenfreunde so weit, einen Schnitt zu machen und eigene Wege zu gehen. Die Initiative geht von drei Männern aus: Bernd Döhler (68), der bis zum vorigen September im Vorstand des Regionalverbandes arbeitete und Fachberater ist, Eberhard Schneidenbach (74), der Ehrenvorsitzender des Regionalverbandes ist und viele Jahre an der Spitze der Bornaer Sparte "Naturfreunde 1950" stand, sowie Hans-Jürgen Dietzschold (76), der der Sparte "Gärtnersglück 1982" im Norden der Kreisstadt vorsteht. Ihrer Ansicht nach können die vor den Bornaer Kleingärtnern stehenden Aufgaben nur mit einem Stadtverband wirkungsvoll angegangen werden. Der Regionalverband erstrecke sich über zwei Kreise und sei zu groß, sagt Schneidenbach. Auf die vielen von den Gartenvereinen vorgebrachten Probleme sei in der Vergangenheit nur ungenügend reagiert worden. Sprich: Der Regionalverband vertrete die Interessen der Vereine nicht ausreichend.

Das Trio verfolgt mit der im zweiten Halbjahr geplanten Gründung eines Stadtverbandes mehrere Ziele: die bessere Unterstützung der Kleingartenvereine, kürzere Informationswege, den Ausbau der Fachschulungen, den Abschluss eines Generalpachtvertrages mit der Stadt, eine bestmögliche Zusammenarbeit mit dem Rathaus und auch ein stärkeres Einbinden der Kleingärtner in städtische Entwicklungen. "Mit einem Stadtverband sind wir enger an den Mitgliedern dran und können eine effektivere und verlässliche Arbeit leisten", glaubt Dietzschold.

Bereits in der Vergangenheit haben unzufriedene Sparten dem Regionalverband den Rücken gekehrt. Aktuell sind noch 106 Vereine unter seinem Dach organisiert, davon aus Borna 24 Vereine mit etwa 1900 Parzellen. "Mindestens die Hälfte der Bornaer Vereine müsste den Weg mitgehen und sich im neuen Verband einbringen", sagt Döhler. Der Stadtverband werde Mitglied im Landesverband der Kleingärtner, der in Persona des Vorsitzenden Peter Paschke seine juristische Unterstützung versprochen habe. Denn zunächst muss Sparte für Sparte ihren Austritt aus dem Regionalverband beschließen, um sich dann dem Stadtverband anschließen zu können.

Im "Gärtnersglück"-Verein soll das am Donnerstag debattiert werden, laut Dietzschold mit dem Ziel, den Austrittsbeschluss im Mai zu fassen. Dafür braucht der Vorsitzende die Zustimmung von drei Viertel der anwesenden stimmberechtigten Mitglieder. Doch er spürt in diesen Tagen auch Gegenwind. "Ein kleiner Teil der Mitglieder macht Stimmung und verbreitet Unwahrheiten", sagt Dietzschold. Behauptungen, der Pachtzins steige und die Kommune wolle den Gärtnern den Grund und Boden wegnehmen, seien falsch. Am Pachtzins von zwölf Cent je Quadratmeter und Jahr ändere sich nichts, und Hauptverpächter sei die Stadt von je her.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 02.04.2014
Frank Prenzel

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