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Borna Gassigehen mit Heim-Hunden boomt
Region Borna Gassigehen mit Heim-Hunden boomt
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05:08 10.10.2018
Elke Röhser hatte lange Zeit Angst vor Hunden - jetzt liebt sie diese Tiere und geht regelmäßig mit Heim-Hunden spazieren. Vor allem kümmert sie sich um die ängstlichen. Quelle: Claudia Carell
Oelzschau

Elke Röhser hatte einst Angst vor Hunden. Sie machte stets einen großen Bogen um die Tiere. Doch vor acht Jahren wollte ihr Enkel unbedingt Tierheim-Hunde ausführen, war noch nicht 18 und brauchte einen Erwachsenen als Begleitung. So musste Oma mit. „Wir sind ins Tierheim nach Oelzschau gefahren und haben gesagt, dass wir überhaupt keine Ahnung von Hunden haben. Auch das mit der Angst habe ich gleich erzählt“, erinnert sich die 67-Jährige.

Therapie gegen die Angst vor Hunden

Die Tierpfleger wählten für die beiden zunächst ganz brave Hunde aus. „Ich begann mich nach und nach immer mehr für die Tiere zu interessieren und sie zu verstehen“, sagt die Bornaerin. Als der Enkel erwachsen war, fuhr sie weiterhin allein ins Heim. Sie entdeckte ihre Zuneigung für die ängstlichen Hunde. Immer öfter war sie nun im Tierheim, manchmal täglich, wenn ein Hund mit einer besonders traurigen Vergangenheit da war.

Als eine Art Therapie gegen ihre Angst beschreibt sie das heute, „ich bin fast geheilt“. Sie finde es erstaunlich, „wie ein Mensch mit dieser Beschäftigung wachsen kann“. Sie fühle sich damit „pudelwohl“. Einen Hund zu Hause kann sie sich leider nicht halten – weil ihre Katze damit nicht klar kommt.

Nachkontrollen bei Vermittlung

Inzwischen hilft Elke Röhser im Heim regelmäßig bei der Fütterung, kümmert sich auch um Vermittlungen von Hunden, fährt zu Nachkontrollen in die neuen Familien. Manchmal ist sie immer noch ein bisschen traurig, wenn der kleine Hund, der einst ausgesetzt wurde und zitternd im Heim ankam, nun für immer das Haus und auch sie verlässt. „Aber die Vermittlung klappt fast immer gut“, sagt sie. Für etwa hundert Nachkontrollen war sie bisher verantwortlich – nur bei einem Hund hat es nicht funktioniert, so dass er zurück kam.

Margit und Werner Ulbrich sind seit einem Jahr regelmäßig im Tierheim. „Wir waren beim Tag der offenen Tür hier, unser Sohn hat uns dazu animiert“, erzählt das Paar aus Markkleeberg, das inzwischen einen Lieblingshund hat. Seit Januar gehen die beiden dreimal in der Woche mit Rumba spazieren. Dies sei kein einfacher Hund, er muss mit Beißkorb laufen. „Da ist wohl in seinem früheren Zuhause etwas schief gelaufen, er ist sehr intelligent, aber schwierig zu handhaben“, sagt Werner Ulbrich. Trotzdem seien er und seine Frau mit Rumba von Anfang an gut klar gekommen.

Rumba ist Streicheleinheit für die Seele

Inzwischen sei dies für sie zu einer „angenehmen Pflicht“ geworden. Rumba wartet schwanzwedelnd auf sie und gehorcht immer besser, wenn die drei anderthalb Stunden unterwegs sind. „Hunde sind ehrlich. Sie zeigen, ich mag dich oder ich mag dich nicht. Das ist gut“, sagt Werner Ulbrich. Seine Frau fügt hinzu: „Bei der Beschäftigung mit Tieren bekommt man etwas zurück, es ist was für die Seele.“

Vor 17 Jahren begann das Personal im Tierheim Oelzschau, Interessenten von außerhalb zu suchen, die mit den Hunden Gassi gehen. „Die Tierpfleger haben dafür keine Zeit“, sagt Elvira Henkel vom Tierschutzverein. Für das Personal sei es eine Entlastung, für die Hunde wichtig für ihre Entwicklung, weil sie auf diese Weise individuelle Zuwendung bekommen und einmal die Gruppe verlassen können.

30 Stamm-Gassigeher helfen in Oelzschau

Erst waren es nur wenige Menschen, die sich dafür interessierten. Im Laufe der Jahre wurden es immer mehr. „Heute haben wir rund 30 Stamm-Gassigeher, die ganz regelmäßig kommen, manche fünfmal in der Woche“, so Henkel. Einige bringen viel Zeit mit und führen nacheinander mehrere Tiere spazieren. Viel los ist an den Wochenenden. Es gibt Samstage oder Sonntage, da stehen so viele Menschen am Tor, dass die Hunde kaum reichen.

Generell gehört Gassigehen immer mit zur Vermittlung. Um den Hund kennenzulernen, drehen seine möglichen neuen Besitzer vorab mehrere Runden mit ihm. Damit es im neuen Zuhause auch wirklich klappt.

Von Claudia Carell

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