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Gastfreunde Borna organisieren Sprachunterricht für Flüchtlinge

Erste Deutschstunde Gastfreunde Borna organisieren Sprachunterricht für Flüchtlinge

Die weiße Kreide kratzt über die grüne Tafel. Neben „Willkommen“ und „Welcome“ schreibt Kinan das Begrüßungswort in arabischen Schriftzeichen. Der aus Syrien geflüchtete junge Mann ist einer von elf Asylbewerbern, die gestern im Gemeindehaus der evangelisch-lutherischen Kirchgemeinde von Borna ihre erste Deutschstunde absolvieren.

Deutschstunde im Haus der evangelischen Kirchgemeinde von Borna: Der junge Syrer Kinan schreibt seinen Namen an die Tafel. Seit gestern geben Rolf Kolster (hinten li.) und Thomas Claus (hinten re.) Flüchtlingen Sprachunterricht.

Quelle: Jens Paul Taubert

Borna. Der Unterricht für die am Königsplatz untergebrachten Flüchtlinge im Alter von 18 bis 30 Jahren geht auf eine Initiative der Gruppe Gastfreunde Borna zurück. Bis Ende des Jahres sollen mit den vorrangig jungen Männern im Gemeinderaum praktische Sprachfähigkeiten trainiert werden.

„I‘m your teacher“, stellt sich Rolf Kolster vor. Der 69-Jährige ist eines von vier Gemeindemitgliedern, die in den nächsten Wochen in den Räumen der evangelischen und der katholischen Kirche Unterricht geben werden. Der pensionierte Marineoffizier steigt mit Englisch in den Deutschunterricht ein und stellt schnell fest, dass seine Schüler über gute Kenntnisse in dieser Sprache verfügen. Er nimmt ihnen die Ehrfurcht vor der als kompliziert geltenden deutschen Sprache, indem er deren Wurzeln im Angelsächsischen verankert und nimmt ihnen die Angst vor der komplizierten Grammatik. „Wir trainieren Basics“, sagt er. „Je mehr ihr lernt, desto besser werdet ihr euch fühlen“, so Kolster, der als Tenor in der Kantorei zu hören ist und gelegentlich Kurzgeschichten schreibt. Als er die Namen seiner Schützlinge aufruft und sich nicht nur für die falsche Betonung entschuldigt, sondern sich auch verbessern lässt, ist das Eis gebrochen. Auf der Weltkarte zeigt Kolster, wo sie angekommen sind. „Hier ist New York, hier Rio de Janeiro und hier Borna“, sorgt er für Unterhaltung. Mit Pins markieren die Männer ihre Heimat – mit einer Ausnahme stammen sie alle aus Syrien.

In deutscher Muttersprache steigt Thomas Claus (68) in den nächsten Tagen in den Unterricht ein. „Die Sprache ist die Grundlage, damit sich die Flüchtlinge bei uns zurechtfinden“, sagt das Kirchenvorstandsmitglied. Der ehemalige Berufsschullehrer bringt pädagogische Erfahrungen mit. „Wir können zwar keinen Abschluss wie an der Volkshochschule anbieten“, räumt er ein. „Aber so  leisten wir praktische Hilfe in der Anfangszeit“, so Claus.

Das Projekt ist mit Unterstützung vieler Helfer relativ schnell umgesetzt worden. Nachdem sich die Gastfreunde Borna vor vier Wochen gründeten, hat der Internationale Bund die Initiative mit Arbeitsbüchern und Schulmaterial unterstützt. Die Dinterschule hat eine Tafel für den Unterricht beigesteuert. Die Räumlichkeiten stellen die Gemeinden der katholischen und der evangelischen Kirche zur Verfügung.

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