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Gebürtiger Meißner schlägt neue Töne an: Pethke leitet Kultusamt im Landkreis Leipzig

Personalie Gebürtiger Meißner schlägt neue Töne an: Pethke leitet Kultusamt im Landkreis Leipzig

Er hat Klavier und Gesang studiert und schlägt jetzt im Kultusamt neue Töne an. Holger Pethke, noch bis vor kurzem Leiter des Jugendamtes in Duisburg, ist seit Anfang November Kultussekretär im Kulturraum Leipziger Raum.

Holger Pethke leitet seit Anfang November das Kultusamt des Landkreises Leipzig.

Quelle: Jens Paul Taubert

Landkreis Leipzig. Holger Pethke heißt der neue Kultusamtsleiter, der Anfang November seinen Dienst in der Landkreisverwaltung antrat. Bis vor kurzem war der gebürtige Meißner noch Jugendamtsleiter in Duisburg, verantwortete dort einen Ausgabeposten von 300 Millionen Euro und war für 1800 Mitarbeiter zuständig.

Dass er Wert auf Kommunikation, einen respektvollen Umgang und auch eine gewisse Lockerheit legt, durften seine engsten Mitarbeiter bereits erfahren. Zur Dienstberatung griff der 53-Jährige mal eben in die Tasten, verpackte seine Antrittsrede zwischen Noten. Was ihm nicht schwer fällt, schließlich ist Pethke vom Fach: Der Sachse hat Klavier und Gesang studiert, schrieb jahrelang auch Musikrezensionen. „Eigentlich wollte ich Lehrer werden. Doch als Christ blieb mir dieser Wunsch verwehrt. Als Alternativen blieben ein Studium der Theologie oder der Musik übrig.“ Pethke entschied sich für letzteres, spürte aber bald, dass ihm das unstete Leben eines Bühnenkünstlers nicht lag. „Ich bin dann umgeschwenkt und habe mein Berufsleben mit einer musiktherapeutischen Ausbildung begonnen.“ Politisch interessiert - am 9. November geriet seine private Geburtstagsparty zur Geburtsstunde des Neuen Forum in Weinböhla - verschlug es den Elbstädter in die Politik. „Viele Funktionäre mussten gehen. Unbelastete, am liebsten christliche Seiteneinsteiger wurden gesucht, die Verantwortung übernehmen.“ So wurde Pethke von einem Tag auf den anderen Pressesprecher und Kulturverantwortlicher im Landkreis Meißen. „Es waren wilde Zeiten. Mit 27 Jahren musste ich ein Theater abwickeln, Dutzende Leute entlassen.“ Leere Kassen, konfliktbeladene Situationen, Verteilungskämpfe ums stets zu knappe Geld – das alles ist Pethke nicht fremd. Schulschließungen oder die Fusion von Gymnasien musste der Verwaltungsfachmann ebenfalls schon durchsetzen, als er später Beigeordneter der Karl-May-Stadt Radebeul wurde. „Ich weiß also, wovon ich spreche. Und die Probleme mit rückläufigen Schülerzahlen sind ja in der Zwischenzeit nicht weniger geworden.“ Berührungspunkte hatte Pethke auch mit dem sächsischen Kulturraumgesetz, das für ihn nun tägliches Arbeitsmittel wird. Den Architekten des Gesetzes, Theodor Vogt, kennt Pethke persönlich aus seiner Arbeit als Pressesprecher des Sächsischen Landtages.

„In meiner neuen Funktion reizt mich die Vielfalt der Aufgaben. Für die Entwicklung der Berufs- und Förderschulen zuständig zu sein und gleichzeitig den Öffentlichen Personennahverkehr zu betreuen, eröffnet viele Gestaltungsmöglichkeiten.“ Bereits aus der Ferne hat Pethke beobachtet, dass der Landkreis gerade beim ÖPNV mutig neue Wege geht. „Da spürt man, dass Leute etwas bewegen wollen.“

Wichtige Erfahrungen sammelte der 53-Jährige auch an seiner letzten Wirkungsstätte. Nach zehn Jahren als Jugendamtsleiter in Chemnitz (2003 – 2013) wurde Pethke Sachsen untreu und verantwortete von 2013 bis Oktober 2016 die Jugendarbeit in der Ruhrmetropole Duisburg. Hier kümmerte er sich unter anderem um die Jugendhilfeplanung und die Unterbringungen junger Flüchtlinge. Soziale Brennpunkte sah er einige.

Das ewige Pendeln zur Familie nach Chemnitz nervte aber mit der Zeit. „Jedes Wochenende 550 Kilometer hin und 550 retour - das war kein Dauerzustand. Da sich meine Frau nicht vorstellen konnte, nach Duisburg zu ziehen, kehrte ich nach Sachsen zurück.“ Seine Frau habe auch die Stellenausschreibung entdeckt, und so nahmen die Dinge ihren Lauf.

Mittlerweile ist Pethke schon voll im Geschäft. Für den Kultursekretär stehen schwere Entscheidungen an, in die sich der Chemnitzer auch mediatorisch aktiv einzubringen gedenkt. Mit der Orchesterfinanzierung, in der es Interessen auszubalancieren und zu vermitteln gilt, wartet gleich das erste heiße Eisen auf den Newcomer. „Auch die Novelle des sächsischen Schulgesetzes wird etliche Neuerungen mit sich bringen“, sieht Pethke ebenfalls spannenden Debatten entgegen. „Folgen für Einrichtungen im Landkreis sind auf der Ebene der Berufsschulen nicht auszuschließen“, wagt er schon mal eine Prognose.

Der Landkreis ist dabei für Pethke kein unbekanntes Terrain. Als Architektur-Liebhaber ist er fasziniert von den Schlössern und Burgen, schwärmt von der reichen Kulturlandschaft entlang der Mulde und outet sich ausdrücklich als Colditz-Fan. „Kurzzeitig hatte ich sogar mit dem Gedanken gespielt, hier Jugendherbergsleiter zu werden.“ Seit Kindesbeinen an habe er ein Faible für historische Bausubstanz. „Was vielleicht auch daran liegt, dass ich auf dem Meißner Burgberg geboren bin.“ Gute Kontakte unterhält der umtriebige Amtsleiter unter anderem zur Messerschmitt-Stiftung, der größten privaten Denkmalschutz-Organisation Deutschlands.

Private Erinnerungen verbinden ihn zudem mit der Höfgener Kirche und Burg Gnandstein. Die Kulturlandschaft im Landkreis sei unheimlich reizvoll. Es gelte, diese mit ihren vielfältigen Facetten zu bewahren, ohne vor den Realitäten, sprich begrenzten Finanzen, die Augen zu verschließen.

Von Simone Prenzel

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