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Gedenken, wo einst die Deutzener Kirche stand

Gedenken, wo einst die Deutzener Kirche stand

Deutzen. Es war eine Premiere. Dort, wo einst Deutzens evangelische Kirche stand, wurde Freitagabend ein ökumenischer Gedenkgottesdienst gefeiert.

. Er reihte sich ein in die Veranstaltungen zum 100. Jahrestag des Aufschlusses des Tagebaus Deutzen. Etwa 100 Menschen hatten sich dazu nahe des 1800-Seelen-Ortes auf dem „Adria"-Damm versammelt.

Punkt 18 Uhr wehte das Glockengeläut der katholischen Kirche von Deutzen herüber, Vögel zwitscherten unter blauem Himmel. Die Atmosphäre war angenehm, der Hintergrund des Zusammentreffens ernst. Denn der vom Menschen voran-getriebene Bergbau birgt zwei Seiten in sich. Er brachte Generationen Brot, Arbeit und wirtschaftliche Sicherheit, sagte die evangelische Pfarrerin Christine Jakob, aber auch Zerstörung von Natur, Dörfern und Kirchen. „Gewinn und Verlust, beides sollte bedacht werden, wenn wir uns an die 100 Jahre erinnern."

Mit Hilfe von GPS-Technik wurden die Koordinaten der verschwundenen Kirche rekonstruiert, erzählte Erwin Rümenapp von der Ortsgruppe Deutzen des Regiser Heimatvereins. Die Heimatfreunde schlugen vier Pflöcke ein und markierten so den acht mal 16 Meter großen Umriss des einstigen Gotteshauses. Und sie stellten eine Tafel mit Informationen und Fotos der 1728 geweihten und 1965 entwidmeten Kirche auf. Deutzens evangelische Kirche war in dieser Region eine von 17 Gotteshäusern, die durch den Bergbau zerstört wurden, erinnerte Superintendent Matthias Weismann. Witznitz sei 1941 die erste gewesen, „die Taborkirche von Heuersdorf wird 2010 hoffentlich die letzte sein". „Nur die Emmauskirche konnte 2007 nach Borna gebracht werden." Die gewaltigen Eingriffe hätten hier 23 000 Menschen die Heimat gekostet, 70 Ortschaften oder Teile davon seien devastiert worden. Wir sollten uns aber nicht nur klagend erinnern, so Weismann, sondern auch dankbar sein. Denn aus gelernten Fehlern könne etwas Neues entstehen. „Wir wollen optimistisch in die Zukunft schauen", ergänzte Bornas katholischer Pfarrer Waldemar Styra. Der aktive Bergbau müsse uns erhalten bleiben, auch, damit die Menschen Arbeit haben.

In die Geschichte seit dem Spatenstich für den ersten Entwässerungsschacht am 24. Juni 1910 führte Karl-Heinz Feiner, der die Ortsgruppe des Heimatvereins leitet. „Deutzen, ein kleines Bauerndorf mit 365 Einwohnern, entwickelte sich bis auf 4300 Einwohner in den 1960er und 1970er Jahren." Industrielle Meilensteine seien der Aufschluss des Tagebaus, die Errichtung des Braunkohlenwerkes Kraft II und die Inbetriebnahme der Brikettfabrik sowie später der Schwelerei gewesen. Menschen aus Schlesien, Bayern und Thüringen zogen zu, es habe sich ein neues kulturelles Leben entwickelt. Feiner: „In fast keinem anderen Ort der Region ist die Veränderung durch die Braunkohle so sichtbar und spürbar wie in Deutzen." Der alte Ort habe 1965/66 der Kohle weichen müssen und wurde auf ausgekohltem Gelände neu gegründet, das sei in Deutschland einmalig.

Eine neue evangelische Kirche erhielt Deutzen aber nicht. Die DDR-Behörden verweigerten sogar ein Geschenk. Laut Rümenapp wollte der Weltbund der evangelischen Kirchen in Deutzen ein Gotteshaus errichten, es stehe heute als Neue Zionskirche in Dresden. Er könne sich aber vorstellen, so Rümenapp, dass an der alten Stelle eine Kirche im Grünen entstehe – mit Bäumen und Bänken. Laut Weismann sollen in der nächsten Zeit die genauen Standorte aller überbaggerten Kirchen ermittelt und wie in Deutzen markiert werden.

Frank Prenzel

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