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Geheimnisse aus dem Steinzeitbrunnen Droßdorf: 7000 Jahre alte Gefäße und Beutel

Archäologie Geheimnisse aus dem Steinzeitbrunnen Droßdorf: 7000 Jahre alte Gefäße und Beutel

Der größte und tiefste Brunnen aus der Steinzeitsiedlung Droßdorf bei Groitzsch hat weitere Geheimnisse an die Oberfläche gespült: Vor wenigen Tagen legte das Grabungsteam mehrere komplett erhaltene Gefäße, sogenannte Kümpfe, sowie einen Beutel aus Rinderbast frei. Trotz ihres Alters sind die Funde außergewöhnlich gut erhalten.

Aufsehenerregende Funde präsentierte das Grabungsteam aus dem größten Brunnen der Steinzeitsiedlung Droßdorf. Hierbei handelt es sich um 7000 Jahre alte, komplett erhaltene Gefäße sowie einen Beutel aus Rinderbast.

Quelle: Jens Paul Taubert

Groitzsch/Großstolpen. Nach der Entdeckung eines 7000 Jahre alten Rehkitzes im Herbst 2016 spülte der Droßdorfer Steinzeitbrunnen nun weitere Geheimnisse an die Oberfläche. Gestern präsentierte das Grabungsteam des Landesamtes für Archäologie Dresden die jüngsten aufsehenerregenden Funde aus etwa vier Meter Brunnentiefe. Dazu gehören mehrere komplett erhaltene Gefäße, sogenannte Kümpfe, die typisch für die bandkeramische Kultur der Jungsteinzeit sind. Trotz ihres hohen Alters seien sie außergewöhnlich gut erhalten und lassen die markanten Verzierungen der Linienbandkeramik erkennen, erläutert Harald Stäuble, Referatsleiter Braunkohle, die Besonderheit. An manchen Stellen wurden die gebrochenen Gefäße sogar mit Birkenpech und Rinde wieder zusammengefügt und verklebt.

Außergewöhnlich aus Sicht der Archäologen ist auch ein Beutel aus Rinderbast, dessen Form sich im Füllsediment abzeichnet. Er werde behutsam im Block geborgen, mit einer Zuckerlösung gefestigt und anschließend von einer Expertin untersucht, kündigte Stäuble an. Nach seiner Konservierung könne der seltene Fund in einem Museum ausgestellt werden. All diese Gegenstände dienten dem Steinzeitmenschen zum Wasserschöpfen und fielen dabei vermutlich in den Brunnen, so die Theorie der Wissenschaftler. Erhalten haben sie sich nur unter besonders günstigen Bedingungen – in nasser Umgebung und unter Luftabschluss.

Der mit dicken Eichenbohlen eingefasste Brunnen selbst datiert in das Jahr 5134 vor Christus und gehört damit zu den ältesten Holzbauwerken Europas. Er befand sich nur 20 Meter vom letzten Siedlungshaus entfernt und war mit fünf Metern Tiefe deutlich größer als alle anderen Brunnen in Droßdorf. Seine Herstellung verrät das hohe handwerkliche Geschick der Menschen vor über 7000 Jahren, macht Christoph Heiermann aufmerksam, Sprecher des Landesamtes für Archäologie in Dresden. „Sie beherrschten mit ihren einfachen Steinwerkzeugen Bearbeitungstechniken, die bis heute kaum anders ausgeführt werden, wenn auch mit modernsten Hilfsmitteln.“ Über seine einstige Verwendung herrscht unter den Wissenschaftlern noch Uneinigkeit. „Ich habe Zweifel daran, dass er zum Alltagsgebrauch gedacht war“, meint Harald Stäuble. Möglicherweise wurden die Gefäße hier nur eingeweicht oder bewusst deponiert.

Im Herbst 2014 hatten Archäologen insgesamt sieben Brunnen im Tagebau Peres freigelegt. Zwei davon wurden mit Schwerlastkränen als tonnenschwere Blöcke geborgen und in einer Landwirtschaftshalle in Großstolpen unter Laborbedingungen untersucht. Während die Arbeiten am kleineren Brunnen bereits abgeschlossen sind, dringt das Grabungsteam seit dem vergangenen Jahr Schicht für Schicht in dem größeren Exemplar vor. Zahlreiches organisches Material wie Getreide, Grashalme und Käfer, aber auch ein Gewirr an Hölzern und Feuersteinen sind hier über die Jahrtausende konserviert worden. „Man kann von einer regelrechten Sedimentfalle der Vorgeschichte sprechen“, so der Experte.

43 linienbandkeramische Brunnen wurden bisher in Mitteleuropa entdeckt entdeckt, allein 13 davon in Sachsen – neben Droßdorf auch in Cotta, Dresden, Altscherbitz oder Plaußig. Diese Funddichte könne durchaus als sächsische Besonderheit bezeichnet werden, so die Archäologen. Für die Brunneneinfassung wurden Holzbohlen oder ausgehöhlte Baumstämme verwendet, die teilweise erstklassig erhalten geblieben sind.

Zum Tag des offenen Denkmals am Sonntag haben Besucher von 10 bis 15 Uhr Gelegenheit, die neuen Funde in Großstolpen aus der Nähe in Augenschein zu nehmen und den Archäologen bei ihrer Arbeit über die Schulter zu schauen. Eine Begleitausstellung in der Halle, unmittelbar an der B176 gelegen, informiert zudem über die Jungsteinzeit in Sachsen und Europa sowie über weitere Brunnenfunde aus der Umgebung Leipzigs.

Von Kathrin Haase

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