Menü
Leipziger Volkszeitung | Ihre Zeitung aus Leipzig
Anmelden
Borna Gehetze am Arbeitsplatz
Region Borna Gehetze am Arbeitsplatz
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
12:50 18.09.2009
Grit Donner Quelle: Peter Krischunas
Anzeige

Das Ergebnis einer repräsentativen Umfrage des Forsa-Instituts überrascht den Regiser Sascha Kipping nicht. „Sicherlich hat das auch etwas mit der Mentalität der Deutschen zu tun“, sagt der Zahntechniker-Meister. „Allerdings ist die Arbeit im Lande auch ungerecht verteilt“, so Kipping, der ein eigenes Zahntechnisches Labor in Regis führt.

Das Forsa-Institut führte die Umfrage im Januar im Auftrag der Techniker-Krankenkasse (TK) und des FAZ-Instituts durch. 1014 Bundesbürger zwischen 14 und 65 Jahren wurden befragt. Dabei fühlen sich Hausfrauen stärker gestresst als Führungskräfte. Mehr als die Hälfte der Deutschen fühlt sich erschöpft, teils ausgebrannt.

Grit Donner vermutet nicht nur zu viel Arbeit als Ursache des Problems. Die Bereichsleiterin Soziale Dienste beim Kreisverband der Volkssolidarität Borna verweist vor allem auf die stark gestiegenen Anforderungen an die Arbeitnehmer. Zudem habe sich seit der deutschen Wiedervereinigung die Gesellschaft, insbesondere das Familienleben, stark verändert. „Wir hatten auch schon Fälle, in denen Erzieherinnen in unseren Kindergärten und Mitarbeiter in der Familienberatung wegen Erschöpfung eine Auszeit brauchten“, sagt Grit Donner. Hauptsächliche Ursachen seien Probleme mit schwer erziehbaren Kindern.

Das größte Problem laut der Studie sind Termindruck oder Gehetze am Arbeitsplatz (52 Prozent). Auf Platz zwei: das Gefühl der Informationsüberflutung und die ständige Erreichbarkeit via Handy. Erst danach folgen diese Stressfaktoren: ungenaue Anweisungen der Vorgesetzten, zu hohes Arbeitspensum oder Konflikte mit Kollegen.

Bürokauffrau Ines Rath aus Deutzen ist seit Kurzem arbeitslos. Die Deutzenerin wurde sozusagen von 150 auf Null gebremst. „Die goldene Mitte auf dem deutschen Arbeitsmarkt gibt es leider nicht“, meint die 24-Jährige. In den Firmen werde das Letzte aus den Angestellten herausgeholt, und die meisten Chefs würden dies im stressigen Alltag nicht erkennen. Laut der Studie hat aber auch fehlende Anerkennung vom Vorgesetzten einen hohen Nerv-Faktor.

Stress wird für die Deutschen zu einem immer größeren Problem. Er verursacht immer häufiger Herz- und Kreislauferkrankungen, Rückenbeschwerden oder psychische Erkrankungen. Deutschlands Unternehmen kosten die Stressfolgen inzwischen jedes Jahr etliche Milliarden Euro.

Maic Staudacher aus Neukirchen ist seit 1991 selbstständig. „Das heißt selbst und ständig“, sagt der Bau-Ingenieur. Noch nie habe die deutsche Wirtschaft so stark an dem Weltmarkt gehangen wie jetzt. Und das habe Folgen: Unternehmer würden nur noch einen kleinen Stamm von Angestellten halten, weil sie nicht wissen, ob es morgen noch Aufträge gibt. „Und die wenigen Leute arbeiten sich die Seele aus dem Leib“, meint Staudacher.

Das geschieht scheinbar am häufigsten im Musterländle Baden-Württemberg, wie die Studie belegt. Die Schwaben fühlen sich am stärksten unter Druck gesetzt und haben auch die größte Angst vor finanziellem Verlust.

Von Peter Krischunas

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!
Anzeige