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Borna Geithain: Unwetter verwüstet Dörfer
Region Borna Geithain: Unwetter verwüstet Dörfer
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16:50 19.05.2015
Unterhalb der Gartenanlage "Alte Heimat" in Geithain hat sich die Eula in einen reißenden Strom verwandelt. Mirko Senftleben schaut trotzdem nach seinen Hühnern im Stall, der normalerweise einige Meter vom Bach entfernt steht. Quelle: André Neumann

Die Wassermassen schossen von den immer noch gesättigten Wiesen und Feldern in die Bäche, aus Eula und Ossa wurden reißende Flüsse. Das Wasser sammelte sich in der Wyhra, die eine enorme Flutwelle nach Frohburg und Borna schickte. Feuerwehr und Hunderte Helfer sicherten in der Kreisstadt vorsorglich Häuser mit Sandsäcken.

Es kam wie aus heiterem Himmel. Gegen 17 Uhr öffneten sich über dem Geithainer Raum die Schleusen. "Es ist unglaublich, was hier passiert ist", sagte Landrat Gerhard Gey (CDU), der sich gestern in Narsdorf und Ossa ein Bild von der Lage machte. Innerhalb von 15 bis 20 Minuten sei sintflutartiger Regen niedergegangen.

Besonders wurden Wickershain, Narsdorf, Ossa, Kolka, Syhra und Theusdorf getroffen. Häuser standen unter Wasser, Autos soffen ab, Straßen, Wege und Zäune sind zerstört. Personen wurden nach Polizeiangaben nicht verletzt. Aus dem Narsdorfer Unterdorf mussten aber mehrere Menschen evakuiert werden. Sie wurden laut Polizei in der Schule untergebracht. Die wurde später zu einer Insel, berichtete Bürgermeister Andreas Große, auf der die Menschen vorübergehend eingeschlossen waren. In Wickershain rettete ein Mann in letzter Sekunde seinen zweieinhalbjährigen Sohn und seine Lebensgefährtin aus einem Auto, das die Eula mit sich riss.

Gey sagte, dass es keine Möglichkeit der Vorwarnung gegeben habe, die Naturgewalt "brach über uns herein". Der Landrat spricht von verheerenden Schäden", die entstanden sind. Das genaue Ausmaß war gestern nur zu erahnen.

So schnell wie die Flut kam, verschwand sie auch wieder. Katastrophenalarm wurde für das Gebiet nicht ausgerufen. Auch nicht für Frohburg und Borna, wo in der Nacht die Flutwelle der Wyhra durchrauschte. Zum Einsatz kamen vor allem örtliche Einsatzkräfte der Feuerwehren, der Polizei und des DRK. Im Gebäude der Geithainer Feuerwehr wurde ein Krisenstab eingerichtet. Jetzt würden in der Region dringend Helfer gebraucht, sagte Gey gestern der LVZ.

Anfängliche Informationen, in Ossa sei der Damm eines Teiches gebrochen, bewahrheiteten sich zum Glück nicht. Allerdings konnte der dortige Hegeteich die Wassermassen nicht mehr fassen und lief über. Auch Bornas Oberbürgermeisterin Simone Luedtke (Linke) hatte die Falschinformation erhalten, was ihre Sorgen potenzierte. Ein auslaufender Teich hätte den Pegel der Wyhra weiter anschwellen lassen. Der erreichte in Streitwald um 22 Uhr mit 3,21 Meter seinen Höchststand - Alarmstufe 4.

So einen Regenguss hat in der Region noch keiner erlebt. Binnen Minuten strömte das Wasser, setzte Häuser unter Wasser, machte Straßen unpassierbar. Auch die Bundesstraßen 95 in Altmörbitz und 7 bei Niedergräfenhain mussten zeitweise gesperrt werden. Gestern waren nach Polizeiangaben noch die Straße von Bruchheim nach Rathendorf und an der Lochmühle in Kohren unpassierbar. Aus Sicherheitsgründen wurde Samstagabend in Ossa, Niedergräfenhain, Theusdorf und Kolka großflächig der Strom abgedreht, wie das Polizeirevier in Borna vermeldete. Den Menschen wurden mit dem Dorfgemeinschaftshaus Rathendorf und dem Bürgerhaus Geithain zwei Notquartiere angeboten. Gestern Morgen lag der Strom wieder weitgehend an.

In Geithain wurde Samstagabend das geplante Punk-Konzert im Kinder- und Jugendhaus abgesagt. Hier hatte die Eula den Sportplatz und die angrenzende Gartenanlage "Alte Heimat" komplett unter Wasser gesetzt. Weiter unten schossen die Wassermassen, die sich hier in einen reißenden Strom verwandelten, durch ein griechisches Restaurant, überfluteten einen Parkplatz, auf dem noch Fahrzeuge standen, und setzten noch mehrere Häuser unter Wasser. Die Polizei sperrte die Zufahrten in die Stadt und die Straßen in Richtung der überfluteten Dörfer ab. Die Lage war am Samstagabend zunächst komplett unübersichtlich, unter den Menschen machten Spekulationen über die Ursache der Katastrophe die Runde. Sobald die schlimmste Flutwelle vorüber war, begannen die betroffenen Einwohner damit, ihre Häuser zu entrümpeln und aufzuräumen. Die Geithainer Feuerwehr pumpte im Akkord, Unterstützung von außerhalb kam zunächst nicht, weil die umliegenden Orte selbst auch betroffen waren. Auch oberhalb Geithains in Wickershain, wo die Eula eine Spur der Verwüstung hinterließ. Wege waren aufgewühlt, ganze Uferstücke weggerissen, Brücken lädiert, Zäune und Zaunssäulen zertrümmert. Nahezu ungebremst schossen die schlammigen Wassermassen durch einige Häuser, Garagen und Schuppen. Die Menschen konnten sich nur auf höher gelegenen Grundstücksteilen oder in den oberen Etagen in Sicherheit bringen.

Im Unterlauf schien die Eula sich allmählich wieder zu beruhigen. In Kitzscher, wo Bauhof und Feuerwehr wegen der Katastrophenmeldungen in Alarmbereitschaft waren, gab es laut Bürgermeister Maik Schramm keine Schäden. © Seiten 26 und 28

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 10.06.2013

Prenzel, Frank, Neumann, André

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