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Geldstrafe nach tödlichem Unfall

Geldstrafe nach tödlichem Unfall

Der Verursacher eines tragischen Verkehrsunfalls vor zwei Jahren in Böhlen, bei dem eine 88-Jährige ihr Leben verlor, musste sich jetzt vor dem Amtsgericht in Borna verantworten.

Borna/Böhlen. Der 38-Jährige wurde zu einer Geldstrafe verurteilt.

 

 

"Ich verstehe, dass dieser Unfall auch für Sie ein sehr tragisches Erlebnis gewesen ist", sagte Dr. Anne-Kristin Meier zu Steffen L. (Name geändert) bei der Urteilsbegründung. Trotzdem habe der 38-Jährige den Tod von Thea S. (Name geändert) fahrlässig verursacht, so die Bornaer Richterin weiter. Insgesamt 2100 Euro wurden zur Strafe gegen den Dachdecker verhängt. Außerdem muss er die Kosten des Verfahrens und der Nebenklägerin tragen. Letztere hatte durch besagten Verkehrsunfall am 25. November 2011 ihre 88-jährige Mutter verloren. An jenem Freitag war Steffen L. gegen 9.45 Uhr mit dem VW-Transporter seines Arbeitgebers in Böhlen auf der Karl-Marx-Straße unterwegs gewesen. Die Sonne stand sehr tief an jenem Morgen. Der Handwerker, der in Richtung Rötha fuhr, wurde geblendet. Plötzlich habe die Seniorin mit ihrem Rollator auf der Straßenmitte gestanden, so der Beschuldigte.

Bereits zu Beginn der 90-minütigen Verhandlung brachte Steffen L. sein Bedauern zum Ausdruck. "Ich möchte mich nochmals entschuldigen und mein tiefes Beileid aussprechen", sagte er in Richtung Nebenklägerin. Auch Verteidigerin Anne Prestrich betonte von Beginn an die Tragik jenes kurzen Augenblickes. Unter Schock habe Steffen L. gestanden. Über mehrere Wochen habe er Antidepressiva einnehmen müssen, habe an Schlaflosigkeit gelitten, sei arbeitsunfähig gewesen. Und trotzdem habe sich der Böhlener seiner Verantwortung gestellt, als er kurz nach dem Unglück die Familie von Thea S. aufsuchte und sich entschuldigte, so Prestrich. Aus einer rein juristischen Perspektive müsse deshalb auch gefragt werden, ob Thea S. selbst hätte den Unfall verhindern können, wenn sie auf der Fahrbahnmitte stehen geblieben wäre, appellierte die Verteidigung an alle Beteiligten. Tatsächlich stand die Frage der Vermeidbarkeit im Mittelpunkt aller Betrachtungen: allerdings nur im Zusammenhang mit dem Verhalten des Beschuldigten.

Insofern war es Andreas Schrodt, Unfallsachverständiger der Dekra, der zur Aufklärung verhalf. Laut seinen Nachforschungen sei Frau S., die die Fahrbahn von links nach rechts querte, tatsächlich erst spät zu erkennen gewesen. "Bis kurz vor Fahrbahnmitte hat sich Frau S. im Schatten befunden. Erst in dem Moment als sie aus dem dunklen Kegel trat, konnte man sie sehen", erklärte der Experte. Ferner hätte die Untersuchung ergeben, dass Steffen L. zum Zeitpunkt des Zusammenstoßes 43 bis 47 Kilometer pro Stunde auf dem Tacho stehen hatte. Die zulässige Höchstgeschwindigkeit sei also nicht überschritten worden. Vorhandene Bremsspuren und der errechnete Anhalteweg des VW T 5 würden jedoch zeigen, dass Herr L. mit einer Geschwindigkeit von 28 Kilometer pro Stunde sicher zum Stehen gekommen wäre, ohne die Seniorin zur erfassen.

Auch die Expertise von Prof. Jan Dreßler, Direktor des rechtsmedizinischen Instituts der Uni Leipzig, trug nicht zur Entlastung des Beschuldigten bei. Demnach könne ein direkter Zusammenhang zwischen der Kollision und dem Tod der Rentnerin am Nachmittag des Unfalltages im Helios-Klinikum Borna bestätigt werden. "Aufgrund der Verletzungen hatte Frau S. einen erheblichen Blutverlust erlitten", so der Pathologe. Ein Schock führte letztlich zum Tod.

Für Staatsanwalt Thomas Kannegießer war damit der Fall eindeutig. Steffen L. habe durch sein pflichtverletzendes Verhalten den Tod der Böhlener Seniorin verursacht. "Bei so extremen Sichtbehinderungen reicht es eben nicht, die Sonnenblende herunterzuklappen. Da hat man die Geschwindigkeit zu verringern oder anzuhalten", argumentierte der Jurist im Plädoyer. "Paragraf 3 der Straßenverkehrsordnung ist da eindeutig." Die Anklage forderte eine Geldstrafe in Höhe von 60 Tagessätzen zu je 35 Euro. Ein Fahrverbot sei nicht notwendig. Während die Verteidigung auf 30 Tagessätze plädierte, schloss sich das Gericht der Forderung von Staatsanwaltschaft und Nebenklage an. Richterin Meier: "Herr L., bei der Klärung der Schuldfrage ging es heute ausschließlich darum, ob der Tod von Thea S. durch sorgfältigeres Verhalten vermeidbar gewesen wäre."

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 30.10.2013
Blazy, Andreas

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