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Gemischte Gefühle bei Bauern im Landkreis: Niedrige Erzeugerpreise belasten Getreideernte

Agrarwirtschaft Gemischte Gefühle bei Bauern im Landkreis: Niedrige Erzeugerpreise belasten Getreideernte

Halbzeit bei der Getreideernte im Landkreis Leipzig. Die Landwirte rechnen trotz der Wetterkapriolen mit durchschnittlichen Erträgen. Allerdings trüben die niedrigen Erzeugerpreise auf dem Weltmarkt die Aussichten auf eine erfolgreiche Ernte. Denn nach der Reduzierung des Milchviehbestandes lässt sich Futtergetreide in der Region immer schwerer verkaufen.

Auf dem Schlag des Neichener Bauer Kupfer bei Walzig wird Getreide geerntet.

Quelle: Frank Schmidt

LANDKREIS LEIPZIG. Es ist ein bisschen die Quadratur des Kreises. Auf der einen Seite brauchen die Landwirte im Leipziger Land Regen, damit Kulturen wie Kartoffeln, Mais und Rüben gedeihen. Wenn sie aber die Ernte wie derzeit den Weizen einbringen, „dann ist Regen natürlich Gift“, sagt Hans-Jörg Heilmann, Sachgebietsleiter Fachrecht im Staatlichen Amt für Landwirtschaft und Gartenbau in Rötha. Werden die Körner bei der Ernte feucht, müssen sie getrocknet werden. Heilmann: „Das kostet Geld.“ Darüber hinaus leidet die Qualität.

Mittlerweile ist die Gerste auf den Feldern zwischen Groitzsch und Geithain bereits eingebracht, der Raps zum großen Teil. Die Weizenernte läuft, „da sind wir im Plan“, sagt Fachmann Heilmann. Was den Landwirten Sorgen bereitet, ist die Qualität der Feldfrüchte. Die ist bei der Gerste schlechter als vor Jahresfrist. Der Raps bleibt ebenfalls hinter den Erwartungen der Landwirte zurück. „Die Körner sind kleiner.“ Auch mit der Weizenqualität sind die Bauern nicht zufrieden.

Dennoch geht Heilmann nicht davon aus, dass 2016 ein miserables Erntejahr wird. Besser als im Vorjahr dürfte die Ernte allerdings auch kaum ausfallen. Deshalb sind die Landwirtschaftsbetriebe gut dran, die bereits vor dem Einbringen der ersten Körner Verträge mit den Händlern abgeschossen haben. Das ist üblich, so dass die Betriebe in der Regel für zwei Drittel bis drei Viertel ihrer Feldfrüchte vor Erntebeginn Preise vereinbaren – in diesem Jahr zwischen zwölf und 14 Euro pro Dezitonne. Jetzt sind die Abnahmepreise allerdings gesunken: auf zehn Euro pro Dezitonne und weniger. Hinzu kommen weltmarktübliche Schwierigkeiten, mit denen Landwirte immer zu kämpfen haben. Gibt es eine Missernte in der Ukraine, gehen die Preise zur Freude der Landwirte hierzulande nach oben. Bei einer Rekordernte in Russland tritt dass Gegenteil ein. Eine ganz normale Sache, wie Heilmann klar macht.

Ganz normal ist auch, dass nach dem Ende der Ernte demnächst die Gülle auf die Felder gebracht wird. „Die muss jetzt raus“, auch wenn die olfaktorischen Folgen für die Anwohner wenig vergnügungssteuerpflichtig sind, weil es schlichtweg stinkt, sofern die aktuellen Temperaturen herrschen. „Aber dafür sollten die Leute Verständnis haben“, hofft der Agrarexperte.

Bleibt die Frage, welches Wetter sich ein Landwirt denn jetzt wünschen sollte. Antwort Heilmann: „In der Nacht Regen und am Tag, wenn geerntet wird, trockenes und warmes Wetter.“

Weil das Wetter kein Wunschkonzert ist, wird derzeit jede freundliche Phase für die Getreideernte genutzt. Nach den Regenschauern der letzten Tage staubt es nicht mehr so auf den Feldern. Aber Freude kommt dennoch nicht auf. Die niedrigen Erzeugerpreise sorgen für eine Sinnkrise in der Branche. Okay, das Klagen gehört zum Geschäft. Aber bei den Landwirten ist es ein Jammern auf niedrigem Niveau ist. Erst im Frühjahr – wir erinnern uns alle daran – der demonstrative Aufschrei wegen niedriger Milchpreise. Nun erneut ein Weh und Ach um die Preise für Getreide. Während derzeit die Getreidekörner in die rotierenden Mähbalken der Erntemaschinen geraten, drohen die Landwirte im Strudel eines Teufelskreises zu ertrinken: Angebot und Nachfrage. Den Milchbauern könnten die Pflanzenproduzenten schon bald folgen.

Denn auch in der Agrarwirtschaft greift ein Rädchen ins andere. Nach dem Milchpreisverfall kannte viele Bauern nur eine Richtung – raus aus der Milch. Sprich, der Milchkuhbestand wird abgebaut. Folglich wird inzwischen weniger Futtergetreide gebrauch. Aber die Saat war bereits gelegt und muss jetzt geerntet werden. Den Produzenten mag das ungerecht erscheinen, aber sie müssen eingestehen, dass diese Konstellation der Preisentwicklung ein hausgemachtes Problem ist.

Doch derzeit muss erstmal eingefahren werden, was auf den Äckern im Landkreis gereift ist. In günstigen Lagen, die von Unwettern verschont worden sind, rechnet der Landesbauernverband mit Erträge im langjährigen Mittel. Bei der Wintergerste seien sogar gute Erträge eingefahren worden. Regional macht den Bauern Lagergetreide – umgeknickte und am Boden liegende Halme – zu schaffen.

Von Nikos Natsidis und Frank Schmidt

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