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"Gerade dabei, aus dem Loch herauszukommen"

"Gerade dabei, aus dem Loch herauszukommen"

Sie waren am Boden zerstört. Wie „ihr" Getränkemarkt im Pegauer Norden nach dem Großfeuer vor zwölf Tagen. Nun geben sich die Verkäuferinnen Katrin Beier und Kerstin Weigelt wieder kämpferisch.

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Haben viel Herzblut in die Arbeit gesteckt - die Verkäuferinnen Kerstin Weigelt (l.) und Katrin Beier vorm abgebrannten Fresh-Getränkemarkt. Firmenchef Wolfram Albrecht will sie für die neue Filiale wieder einstellen.

Quelle: Mathias Bierende

Pegau/Groitzsch. Obwohl sie der Getränkefachgroßhandel Albrecht mit Sitz in Groitzsch entlassen hat. Doch gemeinsam mit ihrem bisherigen Arbeitgeber wollen sie in der Elsterstadt wieder ein Geschäft eröffnen, möglichst im April.

„Wir haben an dem Freitag vorm Brand gegen 19.30 Uhr den Fresh-Getränkemarkt verlassen, wie gewöhnlich", erzählt Filialleiterin Beier vom vorerst letzten Arbeitsschluss mit Kollegin Katja Zenker an der Carsdorfer Straße. Am nächsten Tag war jedoch alles anders. Die Nacht zum 21. Januar war früher als sonst zu Ende. Kurz nach 5 Uhr weckte sie ihr Chef Wolfram Albrecht telefonisch, der war unmittelbar zuvor in seinem Urlaubsort Salzburg informiert worden. „Da nahm ich das noch gar nicht richtig wahr", so Katrin Beier. „Ich dachte an ein kleines Feuer. Als ich dann vor Ort das Aufkommen an Feuerwehren sah, habe ich erst mal geheult." Das Durcheinander im Kopf sei groß gewesen. „Ich habe geglaubt, wir können noch was rausholen und wieder verwenden." Aber da war nichts mehr zu retten.

Ähnlich erging es ihrer Kollegin Kerstin Weigelt. „Es war furchtbar, und dennoch war uns das Ausmaß nicht bewusst. Wir konnten nichts tun, wir konnten aber auch nicht weggehen." Mehr als fünf Stunden harrten die Verkäuferinnen dort aus, trotz der Kälte. „Wir wollten immer mehr Informationen haben. Und wir haben auf den Vermieter gewartet, der aus Passau kam, ob er uns vielleicht eine Lösung anbietet." Schon da sei im Kopf die Frage herumgegeistert, wie es weitergeht, sagt die 48-Jährige. Das habe sich Stunden, Tage später noch verstärkt.

Durch das Feuer ist nicht nur Materielles verloren gegangen. Allein Waren im Wert von 25 000 Euro wurden zerstört, erklärt Albrecht. „Aber auch ein großes Stück Herzblut, viel Arbeit und Liebe wurde von heute auf morgen zunichtegemacht", fügt Beier hinzu. „Wir kennen viel Persönliches von unseren Kunden, haben ihre Kinder aufwachsen sehen, die nun selbst einkaufen. Und mit Friseur, Versicherung, Restaurant und Norma waren wir wie eine kleine Familie." Als sie dann am Donnerstag und Freitag nach der Freigabe durch die Polizei etwas aufzuräumen versuchten, „hatte ich mehr als einen Kloß im Hals", so die 45-Jährige, die schon bei der Eröffnung vor 16 Jahren dabei war.

Wolfram Albrecht weiß, dass sein Trio in Pegau „keinen Job nach Stechuhr" ausführte. Umso mehr bedauert er die Entlassung von zwei Frauen. „Aber es musste sein. Im Winter liegt der Umsatz in der Regel schon nur bei 60 Prozent. Und jetzt fehlt noch die Pegauer Filiale ganz." Zwar sei die Firma „gerade erst dabei, aus dem Loch herauszukommen, in das wir gestoßen worden sind". Dennoch stellt der 55-jährige Unternehmer klar, dass es bald einen neuen Markt geben soll. „Es ist schön, dass viele Pegauer im Moment zu uns nach Groitzsch kommen. Doch wir wollen auch wieder dort sein." Er rechnet damit, im April ein Ausweichquartier zu öffnen, und hofft, dass der Vermieter das Einkaufszentrum an der Carsdorfer Straße neu aufbaut. „Dann geht es ohne meine Pegauer Verkäuferinnen nicht", sieht er eine gemeinsame Zukunft.

Dieses Vorhaben sowie die Anteilnahme und Treue der Kunden bestärkt Katrin Beier und Kerstin Weigelt. „Nur mit dieser Perspektive können wir weitermachen. Und wir werden weitermachen", so die bisherige Filialleiterin. Die Zuversicht wird aber auch von Wut begleitet: „Was die Firma aufgebaut hat, war innerhalb von zwei Stunden alles weg. Das muss doch durch mehr Polizeipräsenz geschützt werden", sagt Beier. „Und Täter sollten härter bestraft werden, egal wie alt sie sind."

Olaf Krenz

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