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Borna Gesang, der die Zeit überdauert: Regiser „Liedertafel“ wird 120 Jahre alt
Region Borna Gesang, der die Zeit überdauert: Regiser „Liedertafel“ wird 120 Jahre alt
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10:16 13.03.2018
Geballte Sangeskraft: Der Männerchor Regis-Breitingen, der in diesem Jahr 120 Jahre alt wird und der 170 Jahre alte Männerchor Lobstädt treten bei Konzerten stets gemeinsam auf. Quelle: Sälze
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Regis-Breitingen

Es wird nur ein bescheidenes Fest, das am Vormittag des 3. Juli im Gartenlokal „Petersilie“ gefeiert wird. Dabei ist der Anlass durchaus ein großer: Der Männerchor „Liedertafel“ Regis-Breitingen begeht sein 120-jähriges Bestehen.

Bei der Gründung am 1. Oktober 1896 nannte sich die „Liedertafel“ noch Gesangsverein, zu dem gehörten damals 13 Gründungsmitglieder. Der erste Vereinsvorsitzende hieß Max Liebscher. Glaubt man den Überlieferungen, dann dürfte der Chor in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts eine Blütezeit erlebt haben. Dafür sprechen unter anderem mehrere Teilnahmen an Sängerbundtreffen, beispielsweise in Wien und in Breslau, wie auch die Stiftung einer Vereinsfahne im Jahre 1924. Die, sagt der Schriftführer und Archivar des Vereins, Hanno Wolf, sei der Stolz des Chores, sie „wurde über alle Wirren der Zeit bewahrt und ist in einem relativ guten Zustand.“

Zu diesen Wirren gehörten der Zweite Weltkrieg und die nach Kriegsende verordnete Auflösung aller Vereine. Das betraf 1945 nicht nur die „Liedertafel“ mit ihrem Liedermeister Kantor Richard Kluge, sondern auch den Männergesangsverein Breitingen, der seit 1841 existierte. Sangesbrüder beider Chöre blieben der Musik treu und sangen im Kirchenchor oder im Volkschor.

Bis am 1. Oktober 1957 die Neugründung der „Liedertafel“ erfolgte, jetzt als Männerchor Regis-Breitingen. Unter den 21 Sängern waren auch der Konditormeister Dieter Kipping und Lothar Kaden, die heute noch im Chor singen.

Der, wie viele Männerchöre, mit einem hohen Altersdurchschnitt und mangelndem Nachwuchs zu tun hat. Hanno Wolf meint sogar, Männerchöre seien eine aussterbende Spezies. Tatsächlich ist das jüngste Mitglied der Liedertafel 58, der älteste, Hermann Pohlers, schon 81. In diesem Jahr werden noch zwei Sangesbrüder das achte Lebensjahrzehnt vollenden.

Zwar zählt der Verein 15 aktive Sänger und damit sogar zwei mehr als bei der Gründung vor 120 Jahren, doch reicht das nur bedingt für Konzerte. Deswegen war es für alle Beteiligten ein Glücksfall, dass Joachim Röse, der den Chor seit 1974 leitet, im Jahre 2007 auch den Männerchor Lobstädt übernahm. Seitdem treten beide immer gemeinsam auf. Wolf spricht von einem Zusammenschluss, „der sich nicht nur musikalisch bewährt hat“.

In der Zeit der DDR trat der MännerChor häufig zu verschiedenen Anlässen auf, sang bei Festen, auf Leistungsvergleichen mit anderen Chören, in Altenheimen. Ganz besonders in Erinnerung bleibt die Mitwirkung an Opernaufführungen am Landestheater Altenburg. Die „Liedertafel“ sang in „Fidelio“, „Aida“ und „Die Meistersinger“ mit. Fünfmal erhielt der Chor die Auszeichnung „Hervorragendes Volkskunstkollektiv“.

Auch in der Bundesrepublik wurde das Wirken des Chores gewürdigt. Im März 1997 erhielt der Verein die „Zelter-Plakette“ für seine langjährigen Verdienste um die Chor- und Volksmusik.

Vorsitzender des Chores ist seit 1999 Dieter Kipping. Nicht der Konditormeister, der 1957 die Neugründung mitmachte, denn in der „Liedertafel“ gibt es zwei Sänger des gleichen Namens. Der 74-jährige Vereinschef singt seit 40 Jahren mit. Er hofft für die Jubiläumsfeier am kommenden Sonntag vor allem auf gutes Wetter. Denn der 120. Geburtstag soll ab 10 Uhr mit einem „ganz schlichten und einfachen Frühschoppen“ im Freigelände des Vereinslokals „Petersilie“ gefeiert werden. Der Männerchor Lobstädt wird natürlich dabei sein, damit gemeinsam gesungen werden kann, auch der Regiser Heimatchor hat sich angesagt. Kipping rechnet auch noch mit einigen Sängern anderer befreundeter Chöre. Gäste seien selbstverständlich auch willkommen und können gern auch mitsingen.

Wöchentliche Singestunde ist dienstags, 19.30 Uhr, in der Gartengaststätte „Petersilie“ in Regis-Breitingen.

Von André Neumann

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