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Borna Geschichten für die Katz' - Tierheim Oelzschau zögert noch bei neuem Trend
Region Borna Geschichten für die Katz' - Tierheim Oelzschau zögert noch bei neuem Trend
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00:38 03.09.2015
Ein neuer Trend aus den USA, der sowohl dem Mensch als auch dem Tier helfen soll: Kinder lesen Katzen vor. Quelle: Monia Fotolia
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Rötha/Oelzschau/Berlin

Demnach wird in Tierheimen nicht mehr nur mit dem ausgesetzten Stubentiger gekrault und gekuschelt, sondern der herrenlosen Katze werden Geschichten vorgelesen, auf dass aus ihr wieder eine Samtpfote werde. Denn, so die Erfahrungen aus den USA, auf diese Weise würden Katzen beruhigt und die Wiedergewöhnung an den Menschen beschleunigt. Die Tiere würden neues Vertrauen fassen, nachdem viele vor der Aufnahme ins Tierheim mit Menschen schlechte Erfahrungen gemacht hätten.

Die Leute im Tierheim Oelzschau, das der Tierschutzverein Leipziger Land betreibt, kennen sich mit Katzen aus. 220 bis 250 finden dort jedes Jahr vorläufig ein Zuhause und werden an neue Besitzer vermittelt, so Vereinsvorsitzende Elvira Henkel.

Über das Vorlesen für Katzen sagt sie: "Man muss nicht jeden Trend mitmachen." Auch hätten die wenigsten Katzen, die ins Tierheim kommen, schlechte Erfahrungen mit Menschen gemacht. "Selbst wenn eine Katze ausgesetzt wird", sagt Henkel, "verbindet sie das nicht unbedingt negativ mit ihrem Menschen." Daher seien die meisten Katzen zutraulich.

Probleme bereiten den Oelzschauer Tierpflegern eher die frei geborenen Katzenbabys. Die hatten noch keinen Kontakt zu Menschen, sind scheu und ängstlich. Da könne Vorlesen womöglich helfen, Vertrauen aufzubauen, meint die Chefin des Tierschutzvereines.

Der neue Katzen-Vorlese-Trend ist in Wahrheit gar nicht als Therapie für Katzen entstanden, sondern als Unterstützung zum Lesenlernen für Kinder. Die Mitarbeiterin eines Tierheimes in Pennsylvania, berichtet Volunation, hatte ihrem Sohn vorgeschlagen, Katzen vorzulesen, um seine Lesefähigkeiten zu verbessern.

Der Erfolg war offenbar überzeugend, andere Kinder machten mit, und eine Universität in Boston fand heraus, dass Schüler, die sich als freiwillige Katzenvorleser engagieren, schneller und besser lesen lernen. Vor allem für Kinder mit Vorleseängsten oder Leseschwierigkeiten seien Katzen die geeigneten Zuhörer.

Was wiederum für das Tierheim in Oelzschau ein Problem darstellt. Zwar, sagt Elvira Henkel, könnten Kinder den Katzenbabys vorlesen, man könne sie aber mit den noch nicht an Menschen gewöhnten und daher oft kratzbürstigen jungen Tieren nicht allein lassen. Ein erwachsener Tierpfleger müsse dabei sein. Dafür jedoch reiche die Kapazität nicht.

Derzeit sind rund 50 Katzen in der Obhut der Oelzschauer Tierpfleger. Bald werden es mehr, wenn die nächste Generation Katzenkinder zur Welt kommt, rechnet Elvira Henkel mit größerem Platzbedarf, weswegen eine neue Quarantänestation gebaut wurde. Langjährige Tierfreunde und Vereinsmitglieder werden sich weiterhin, wie schon seit Jahren, mit diesen Tieren beschäftigen.

Vorlesen, so Elvira Henkel, werde aber nicht dazugehören, wohl aber das Spiel und die Gabe von Leckerlis als Ansporn und die ruhige Ansprache - damit sich die Katzenkinder an die menschliche Sprache gewöhnen.

Aus der Leipziger Volkszeitung vom 01.09.2015
André Neumann

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